Christoph Wilhelm und Dr. Felix G. Rebitschek vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz an der Medizinischen Hochschule Brandenburg und der Universität Potsdam werden mit dem David-Sackett-Preis 2026 ausgezeichnet. Diese Ehrung würdigt ihr Forschungsprogramm mit dem Titel „Patientenrelevante Nutzen und Schäden KI-basierter Entscheidungsunterstützung und evidenzbasierter Gesundheitsinformation“. Ziel ihrer Arbeit ist es, den Nutzen und die Risiken von Künstlicher Intelligenz (KI) in der medizinischen Entscheidungsfindung eingehend zu bewerten.

Ein zentrales Anliegen der Forschung ist die Analyse patientenrelevanter Endpunkte, welche Aspekte wie Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Krankenhausaufenthaltsdauer umfassen. Eine kürzlich durchgeführte systematische Übersichtsarbeit hat gezeigt, dass KI-Anwendungen selten anhand dieser Kriterien bewertet werden. In vielen Fällen ist die vorhandene Evidenz unzureichend, um den tatsächlichen Mehrwert von KI-Anwendungen zu beurteilen. Dies ist besonders besorgniserregend, da generative KI Defizite in der Darstellung von Nutzen und Risiken sowie in der Kommunikation von Unsicherheiten offenbart.

Über die Preisverleihung

Die Preisverleihung findet im Rahmen der Jahrestagung des EbM-Netzwerks vom 30. September bis 2. Oktober 2026 in Göttingen statt. Der David-Sackett-Preis wird seit 2008 jährlich verliehen und ist mit 2.000 Euro dotiert. Er trägt den Namen des renommierten Mediziners David Sackett, der als Pionier der evidenzbasierten Medizin gilt. Das Harding-Zentrum setzt sich für eine Verbesserung der Risikokommunikation und der Risikokompetenz in der Gesundheit und der Digitalisierung ein.

Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften, die 2018 gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, innovative Versorgungsangebote und Studiengänge zu entwickeln. Damit soll der Gesundheitssektor auf die Herausforderungen der Digitalisierung und KI vorbereitet werden. Laut einem Bericht von Fraunhofer IKS verändern Digitalisierung und Automatisierung, insbesondere durch den Einsatz von KI, die Struktur des Gesundheitswesens erheblich.

Technologische Integration in der Gesundheitsversorgung

Künstliche Intelligenz hat sich von einem theoretischen Konzept zu einer praktischen Realität in der Gesundheitsversorgung entwickelt. Sie gilt als transformative Kraft, die Effizienz, Zugänglichkeit und wirtschaftliche Nachhaltigkeit im Gesundheitssektor fördern kann. Technologischer Fortschritt ermöglicht es, Prognosen zur Ressourcenzuweisung zu erstellen und Verwaltungsaufgaben wie Patientenplanung und Abrechnung zu automatisieren.

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Der Einsatz von KI in der Medizin reicht von der sepsis-früherkennung in Intensivstationen bis hin zur KI-gestützten Brustkrebserkennung bei Mammografie-Screenings. Des Weiteren revolutioniert KI den Arzneimittelsektor, indem sie den Entdeckungsprozess von Medikamenten beschleunigt und die Entwicklung optimiert. Die EU unterstützt diese Fortschritte unter anderem durch die EU-Arzneimittelrechtsreform, die KI-gestützte Arzneimittelinnovationen fördert und die Zulassungsverfahren vereinfacht.

Der europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) spielt eine entscheidende Rolle, indem er die Sekundärnutzung elektronischer Gesundheitsdaten für Forschung und Innovation ermöglicht. Durch diesen Datenraum wird ein vertrauenswürdiges Umfeld für den Austausch von Gesundheitsdaten geschaffen. Trotz dieser Fortschritte bleiben Herausforderungen bestehen, insbesondere der Zugang zu hochwertigen Gesundheitsdaten und die Notwendigkeit, ein vertrauensvolles Umfeld zu gewährleisten, was die Integration von KI in die Gesundheitsversorgung betrifft.