Römische Baukunst neu entdeckt: Revolutionäres Forschungsprojekt in Deutschland
Das Forschungsprojekt „ConstruEns“ unter der Leitung von Prof. Dr. Dominik Maschek vom Leibniz-Zentrum für Archäologie wurde mit einer Förderung von rund 2,5 Millionen Euro durch den Europäischen Forschungsrat ausgezeichnet. Mit der Beteiligung von Prof. Dr. Vilma Ruppienė von der Ruhr-Universität Bochum wird das Team in den kommenden fünf Jahren die Planung, Errichtung und Organisation römischer Bauwerke neu analysieren.
Das Projekt beleuchtet mehrere Schlüsselfragen. Dazu gehören die Mobilisierung der Arbeitskräfte sowie die Herkunft der Baumaterialien und Rohstoffe. Zudem wird untersucht, welche Auswirkungen die Bauprojekte auf die Umwelt, den Energieverbrauch und die Gesellschaft hatten. Diese multidimensionale Herangehensweise verspricht, neue Erkenntnisse über die römische Architektur und deren gesellschaftliche Relevanz zu liefern.
Architektonische Einflüsse und Bauformen
Die römische Architektur, besonders am Ende der Republik um 30 v. Chr., ist durch einen Hintergrund aus italisch-etruskischen und hellenistischen Stilen geprägt. Besondere Merkmale sind die Verwendung von Cella, Säulen und Gebälk, die sich in Tempel wie der Maison Carrée in Nîmes oder dem Teatro Romano in Volterra manifestieren. Diese Bauwerke waren oft richtungsbezogen, mit Zugang über breite Freitreppen zu einem Podium mit Säulenvorhalle, bekannt als Pronaos.
Beispiele für die spätrepublikanische Architektur in Rom sind der Tempel des Hercules Victor und der Tempel des Portunus auf dem Forum Boarium. Diese Bauten zeigen, dass die römischen Tempel bis zum Ende der Republik ein griechisches Aussehen behielten, wobei die Säulen oft zur Fassadengestaltung dienten, während das Mauerwerk für die Raumumfassung Vorrang hatte.
Technische Meisterleistungen
Ergänzend zu den Tempeln entwickelten die Römer beeindruckende profane Strukturen. Ein markantes Beispiel ist der Pont du Gard, ein Aquädukt in Südfrankreich mit einer Länge von 270 m und einer Höhe von 49 m. Mit seiner dreigeschossigen Bauweise überquert er ein Flusstal und exemplifiziert den römischen Ingenieurgeist.
Amphitheater und römische Theater, wie das Teatro Romano in Volterra aus der Zeit des Kaisers Augustus, ermöglichten Unterhaltung für bis zu 2000 Zuschauer. Diese großen Bauten waren nicht nur für die Massen gedacht, sondern auch Ausdruck des römischen Lebensstils. Die Thermen in Pompeii, in schlichter Form, zeigen, wie wichtig öffentliche Bauten für das soziale Leben der Römer waren.
Das Projekt „ConstruEns“ wird spannende Perspektiven auf diese Aspekte der römischen Architektur eröffnen und versucht, die Art und Weise, wie die Römer ihre Bauprojekte planten und realisierten, umfassend zu erforschen. Die Fragen nach der Herkunft der verwendeten Materialien und den gesellschaftlichen Auswirkungen von Bauprojekten werfen ein neues Licht auf die römische Baukunst und deren Vermächtnis in der Architekturgeschichte.
