An der TU Berlin gehören Absperrbänder, Umzüge und die Suche nach noch nutzbaren Räumen inzwischen zum Hochschulalltag. Wasserschäden und marode Gebäude beeinträchtigen den Studien- und Forschungsbetrieb. Für Studierende ist das keine Randnotiz: Manche fragen sich, ob sie ihr Bachelor- oder Masterstudium an der TU Berlin fortsetzen können – und ob am Ende sogar ein Umzug nötig wird.

Im Mai 2026 musste das Hauptgebäude wegen Wasserschäden und Brandschutzmängeln geschlossen werden. Eine behördliche Gebäudebegehung hatte die Mängel festgestellt. Vorlesungen und Seminare wurden umorganisiert, Büros geräumt. Die Sanierungskosten allein für die Technische Universität Berlin werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt; die TU selbst beziffert ihren gesamten Investitionsbedarf auf rund drei Milliarden Euro.

Ein Sanierungsstau über Jahrzehnte

Professor Eike Roswag-Klinge, zuständig für die Campusentwicklung, spricht von einem Sanierungsstau, der seit rund 30 Jahren besteht. Die Gebäude seien auf Verschleiß betrieben worden. Bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode brauche die TU Berlin nach eigener Einschätzung 300 bis 500 Millionen Euro vom Land. Ohne höhere Investitionen könnten weitere Gebäude geschlossen werden.

Nach der Schließung des Hauptgebäudes stellte das Land Berlin etwa 20 Millionen Euro Nothilfe bereit. Die Berliner Wissenschaftsverwaltung erklärte, die Forderungen seien bekannt; man befinde sich in einem konstruktiven Austausch. Für die Menschen in den betroffenen Gebäuden klingt das vermutlich erst einmal nach vielen Sitzungen und wenig trockenem Mauerwerk.

Auch die Kampagne „Campus sanieren“ mischt sich ein. Sie kritisiert eine Militarisierung und argumentiert, dass dafür eingesetzte Gelder der Bildung fehlten. Der Streit um Prioritäten läuft damit parallel zur sehr praktischen Frage, wo morgen ein Seminar stattfinden kann.

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Marode Häuser, neue Labore

Das Problem endet nicht an der Berliner Stadtgrenze. Der Deutsche Hochschulverband berichtet von einem bundesweiten Finanzierungsdefizit bei der Hochschulsanierung. Professor Lambert Koch vom Deutschen Hochschulverband Hessen warnt, Deutschland könne als Innovationsstandort zurückfallen, wenn sich die Finanzierung nicht verbessere.

In Marburg entsteht ein Laborgebäude mit der höchsten Sicherheitsstufe. Gleichzeitig leiden Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren unter Betonschäden, und das alte Chemieinstitut steht seit Jahren leer. Der Präsident der Universität Marburg, Thomas Nauss, warnt vor einem weiteren Anwachsen des Sanierungsstaus. Reparaturen müssten dann aus dem laufenden Universitätshaushalt bezahlt werden – Geld, das anschließend für Forschung und Bildung fehlt.

Das hessische Hochschulsanierungsprogramm „Heureka“ sollte ursprünglich 1,4 Milliarden Euro für fünf Jahre bereitstellen. Faktisch wurde das Programm halbiert: Die Mittel sollen nun für einen doppelt so langen Zeitraum reichen. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) begründet die Kürzung mit der wirtschaftlichen Lage und niedrigeren Steuereinnahmen als erwartet.

Milliardenlücke im ganzen Land

Deutschland hat Staatsschulden von rund 2,8 Billionen Euro. Der Bund unterstützt die Länder unter anderem mit der „Schnellbauinitiative“. Hochschulen und Kindertagesstätten sollen daraus bis 2029 insgesamt bis zu eine Milliarde Euro jährlich aus einem Sondervermögen erhalten. Für einige Länder gibt es aus einem weiteren Sondervermögen-Topf zusätzlich bis zu 100 Millionen Euro.

Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) bezeichnet die Bundeshilfen als ergänzend und zeitlich befristet. Lambert Koch bewertet die Unterstützung als kleinen Anfang. Für die Sanierung aller deutschen Hochschulen werden schätzungsweise rund 140 Milliarden Euro benötigt. Die Hilfen von Bund und Ländern reichen nach dieser Einschätzung bei Weitem nicht aus. Das Bundesforschungsministerium nahm zu diesem Vorwurf nicht Stellung.

Koch fordert deshalb eine stärkere politische Berücksichtigung von Bildung und Wissenschaft. Beide Bereiche trügen dazu bei, weitere gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. An der TU Berlin bleibt derweil der Blick nach oben gerichtet: auf Decken, Leitungen und Stellen, an denen Wasser besser nicht mehr durchkommen sollte.