Schulleitungen unter Druck: Daten allein reichen nicht für Erfolg!
Der Einsatz von Daten in Schulen hat in Deutschland einen neuen Höhepunkt erreicht. Laut einer aktuellen Studie, die von Marcus Pietsch, Professor für Bildungswissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg, durchgeführt wurde, setzen sich 77,6 % der befragten Schulleitungen intensiv mit Schul-Daten auseinander. Die Studie untersucht die Arbeitsbedingungen und die Datenverwendung von Schulleitungen in Deutschland und legt die Basis für weitreichende Erkenntnisse über die schulische Führungskultur.
Eine entscheidende Erkenntnis der Studie zeigt, dass 58,6 % der Schulleitungen die Qualität ihrer Arbeit stets auf Basis von Daten reflektieren. Diese reflektierende Praxis geht Hand in Hand mit einer klaren Vorstellung davon, wie Daten sinnvoll genutzt werden können. So geben 70,3 % der Schulleitungen an, eine konkrete Vorstellung von der Datennutzung zu haben. Die enge Zusammenarbeit im Team unter den Schulleitungen wird ebenfalls hervorgehoben, wobei 69,2 % bestätigen, dass teamorientierte Ansätze für die Datennutzung an ihrer Schule von entscheidender Bedeutung sind.
Entwicklung durch Daten: Chancen und Herausforderungen
Prof. Pietsch weist darauf hin, dass die datengestützte Schulentwicklung in Deutschland fest etabliert ist, jedoch jegliche Daten allein nicht ausreichen, um notwendige Veränderungen umzusetzen. Dazu bedarf es Kompetenzen, Zeit und Unterstützung für die Umsetzung erforderlicher Entwicklungsprozesse.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die hohe Arbeitsbelastung der Schulleitungen. Der „Schulleitungsmonitor Deutschland“ hat festgestellt, dass 86 % der Befragten über zu wenig Zeit für ihre täglichen Aufgaben klagen. Zudem berichten 49,2 % der Schulleitungen, dass sie trotz vollem Einsatz ihre Aufgaben nur unzureichend erfüllen können. Diese anhaltenden Herausforderungen spiegeln sich auch in der besorgniserregenden Entwicklung der Arbeitszufriedenheit wider, die seit 2019 kontinuierlich gesunken ist.
Positive Berichte: Freude und Inspiration
Trotz des hohen Drucks finden viele Schulleitungen Freude an ihrer Arbeit. 81,6 % der Befragten geben an, dass sie ihre Tätigkeit gerne ausführen, während 78,4 % sich in ihrer Arbeit aufgegangen fühlen. Diese positiven Aspekte sind wichtig, um die Motivation und das Engagement der Schulleitungen zu fördern. 74,7 % berichten zudem, dass sie durch ihre Aufgaben inspiriert werden.
Die Notwendigkeit, Schulleitungen zu entlasten, wird auch von Prof. Dr. Pierre Tulowitzki betont. Er sieht in der Unterstützung und Stärkung der Schulleitungen ein zentrales Anliegen, um die Herausforderungen zu bewältigen, mit denen sie konfrontiert sind. Die Studie macht deutlich, dass es unerlässlich ist, die Rahmenbedingungen für Schulleitungen zu verbessern, um eine nachhaltige Schulentwicklung zu ermöglichen.
Diese und weitere wertvolle Einsichten ergeben sich aus der umfassenden Untersuchung, die auf dem Forschungsprojekt „Leadership in German Schools“ (LineS) basiert und an Erhebungen aus 2022 anknüpft. Im Jahr 2025 wird ein Vergleich mit Schulleitungen in herausfordernden Lagen angestrebt, um die Datenlage weiter zu vertiefen. Der „Schulleitungsmonitor Deutschland“ wird von der Wübben Stiftung Bildung und dem impaktlab verantwortet und zielt darauf ab, systematisch die Arbeitssituation der Schulleitungen in Deutschland zu erfassen.
