Seminar zum jüdischen Kulturerbe: Kunst als Stimme der Erinnerung
Ein interdisziplinäres Seminar mit dem Titel „Cultural Heritage and Art in Times of War“ fand Mitte Juni 2026 an der PH Schwäbisch Gmünd statt. Unter der Leitung von Dr. Dalya Markovich vom Beit Berl College in Israel und Prof. Dr. Ina Henning hatte das Seminar zum Ziel, verschiedene Ausdrucksformen von Erinnerungs- und Erbeprozessen in visuellen und auditiven Kunstformen zu erkunden. Die Studierenden hatten die Möglichkeit, sich intensiv mit der Relevanz dieser Themen im öffentlichen Raum und im Netz auseinanderzusetzen, wie ph-gmuend.de berichtet.
Ein besonderer Fokus des Seminars lag auf dem Begriff „Heritage from Below“, den Dr. Markovich prägte. Dieser Ansatz ermöglicht es, individuelle künstlerische Auseinandersetzungen zu betrachten, die nicht von Institutionen oder staatlichen Stellen autorisiert sind. Diese Perspektive wurde insbesondere am Beispiel der Erinnerung an den 7. Oktober 2023 sichtbar, was die politische und pädagogische Relevanz von Kulturerbe verdeutlicht. Auch die Frage des Umgangs mit antisemitischen Äußerungen im Rap und Hip-Hop wurde thematisiert, was den Studierenden ermöglichte, ihr Wissen über Kunstfreiheit und gesellschaftliche Reichweite zu vertiefen.
Förderung und Interdisziplinarität
Das Seminar war Teil des Drittmittelprojekts „Jüdisches Kulturerbe“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Dr. Markovich ist als Mercator-Fellow unterwegs und informiert an verschiedenen Hochschulen über jüdisches Kulturerbe in der Lehre. Das Schwerpunktprogramm „Jüdisches Kulturerbe“ (SPP 2357), das seit März 2021 besteht, hat sich zum Ziel gesetzt, den gesellschaftlichen und kulturpolitischen Stellenwert jüdischen Erbes zu erforschen und dessen Umgang in Europa sowie globalen Kontexten zu analysieren, wie dfg.de berichtet.
Das Programm wird über einen Zeitraum von sechs Jahren finanziert und beginnt 2025 mit einem neuen Fokus auf empirische Untersuchungen. Dabei wird untersucht, wie jüdisches Erbe gesellschaftlich konstruiert, verhandelt und gelebt wird. Ein zentrales Anliegen ist, gegenwärtige jüdische Stimmen und Perspektiven einzubinden und dabei die Dynamik des kulturellen Erbes im Kontext politischer und gesellschaftlicher Mächte zu betrachten. Die Ergebnisse sollen in praxisnahe Konzepte umgesetzt werden, die das Potenzial jüdischen Erbes in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen stärken.
Forschung und Gesellschaft
Interdisziplinäre Forschungsgruppen analysieren Fallbeispiele aus jüdischen Gemeinschaften, Bildungseinrichtungen und Erinnerungsorten. Themen wie Sichtbarmachung, Aneignung und Marginalisierung jüdischen Erbes stehen dabei im Mittelpunkt. Ein weiterer Aspekt der Forschung ist, die Verflechtungen zwischen lokalem Erbe und globalen Diskursen zu erfassen. Diese Dynamiken spielen auch eine wichtige Rolle in aktuellen gesellschaftlichen Debatten, die Antisemitismus, Erinnerungskultur und Diversität betreffen.
Die DFG lädt zur Antragstellung für die zweite Förderperiode des Programms ein, die bis zum 28. August 2024 laufen wird. Die Antragsteller sind aufgefordert, interdisziplinäre Ansätze und partizipative Einbindungen zu verfolgen, um sicherzustellen, dass die Forschungsergebnisse relevant und anwendbar sind. Diese Zusammenarbeit mit Praktikern aus Zivilgesellschaft und Bildungseinrichtungen ist entscheidend, um die theoretischen Erkenntnisse in konkrete Handlungsansätze zu transformieren. Die DFG begrüßt zudem Anträge von Forschern aller Geschlechter, ethnischen und sozialen Hintergründe sowie von Personen mit Behinderungen.
Abschließend verdeutlicht das Seminar an der PH Schwäbisch Gmünd und die laufenden Forschungsinitiativen, wie wichtig die Auseinandersetzung mit jüdischem Kulturerbe und dessen Platz in der heutigen Gesellschaft ist. Diese Themen werden weiterhin im Fokus der Forschung stehen, um das Verständnis und die Wertschätzung jüdischen Erbes auf breiter Basis zu fördern.
