Würzburg hat seit dem 21. Oktober 2026 einen weiteren Grund zu feiern: Prof. Dr. Stefan Dech wurde in der Münchner Residenz mit der Bayerischen Staatsmedaille für herausragende Verdienste um die Umwelt ausgezeichnet. Gemeinsam mit ihm erhielten 13 weitere Personen die Ehrung. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz vergibt die Medaille jährlich an bis zu 15 Personen, Organisationen oder Kommunen. Sie gilt als höchste Auszeichnung des Freistaats Bayern in diesem Bereich.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber würdigte Dechs Beitrag, die Erdbeobachtung als Instrument für Umweltanalyse, nachhaltige Planung und die Anpassung an den Klimawandel voranzutreiben. Dech ist Seniorprofessor am Earth Observation Research Cluster der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Das Earth Observation Center (EOC) gratulierte ihm zur Auszeichnung.

Forschung aus Würzburg, Daten aus aller Welt

Dechs Forschung liefert globale und regionale Erkenntnisse zum Klimawandel, zum urbanen Wachstum, zu Georisiken und zu weiteren Umweltthemen. Dafür nutzt er unter anderem Drohnen sowie satellitengestützte Daten. Seine Projekte führen gedanklich und ganz praktisch nach Europa, in die Arktis, nach Afrika, Asien und Südamerika. Die Arbeiten haben dazu beigetragen, Prozesse des globalen Wandels besser zu verstehen.

An der JMU war Dech am Aufbau des Lehrstuhls für Fernerkundung und des Earth Observation Research Clusters beteiligt. Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurde der Würzburger Lehrstuhl laut Laudatio zu einem international führenden Forschungszentrum ausgebaut. Von 1998 bis Ende September 2026 leitete Dech außerdem das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) beim DLR.

Ganz auf dem Bildschirm bleibt diese Forschung nicht. Kooperationen mit Nationalparks und Naturschutzpartnern brachten die Ergebnisse in die praktische Anwendung. Das Datenportal EO4CAM unterstützt bayerische Behörden und Kommunen bei klimaangepasster Stadtentwicklung sowie bei Fragen der Forst- und Landwirtschaft.

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Wenn Satellitenbilder Geschichten erzählen

Glauber hob auch Dechs Einsatz hervor, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich und zugänglich zu vermitteln. Bildbände und Ausstellungen, darunter eine Ausstellung im Gasometer, erreichten Millionen Menschen und machten auf die Herausforderungen des globalen Wandels aufmerksam. Durch Ausstellungen und Bücher bringt Dech Themen der Erdbeobachtung aus dem Forschungsbetrieb in die Öffentlichkeit – dorthin, wo nicht alle automatisch mit Fachbegriffen und Datenportalen vertraut sind.

Mit dem italienischen Extrembergsteiger Reinhold Messner, der 2026 ebenfalls zu den weiteren Preisträgern gehört, hat Dech bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Darin treffen hochauflösende Erdbeobachtungsdaten auf alpines Fachwissen. Eine ungewöhnliche Mischung, aber genau darin liegt ihr Reiz: oben am Berg und weit darüber, im Blick aus dem All.

Auch die Schauspielerin und Tierreporterin Annika Preil gehört zu den weiteren Ausgezeichneten des Jahres 2026. Die Staatsmedaille würdigt herausragende Verdienste um Umwelt- und Verbraucherschutz.

Was Fernerkundung eigentlich sichtbar macht

Satelliten umkreisen kontinuierlich die Erde und liefern regelmäßig Bilder ihrer Oberfläche. Zusammen mit Luftbildern geben sie Informationen über den Zustand der Erdoberfläche, die Meere und die Atmosphäre. Diese Daten werden als Fernerkundungs- oder Erdbeobachtungsdaten bezeichnet.

Fernerkundung funktioniert berührungslos. Gemessen wird die elektromagnetische Strahlung, die von der Erde reflektiert oder ausgestrahlt wird. Bilder können durch Kameras, Laserscanner oder Radarsensoren entstehen; zu den Hauptaufgaben gehören die Erfassung und Auswertung dieser Aufnahmen. Das klingt zunächst kühl und technisch, landet aber bei ziemlich handfesten Fragen: Wie verändert sich eine Stadt? Wo droht eine Katastrophe? Wie entwickelt sich ein Wald?

Die Anwendungsbereiche reichen vom Katastrophen- und Krisenmanagement über Umwelt- und Naturschutz bis zur Wetter- und Klimabeobachtung. Auch Sicherheit, Verkehr und Mobilität sowie maritime Anwendungen gehören dazu. Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) nutzt Fernerkundung deshalb in zahlreichen Arbeitsfeldern.

Eine wichtige Rolle spielt die Servicestelle Fernerkundung im Satellitengestützten Krisen- und Lagedienst (SKD). Sie versorgt Einrichtungen der Bundesverwaltung mit Satellitenbilddaten und -produkten und unterstützt sie bei deren Nutzung. Gerade für Krisensituationen und Einsatzlagen stellt der SKD Produkte und Dienstleistungen bereit. Zusätzlich hilft er der Bundesverwaltung bei der Bewertung raumbezogener Informationen.

Auf europäischer Ebene verfolgt Copernicus ein ähnliches großes Ziel: Die gemeinsame Initiative der Europäischen Union und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) soll ein unabhängiges europäisches Erdbeobachtungssystem aufbauen. Auf der BKG-Seite ist dazu ein Feuchtigkeitsindex auf Basis von Sentinel-2-L1C-Daten vom 30. Oktober 2025 abgebildet – ein kleiner Ausschnitt aus einem Datenstrom, der sonst schnell irgendwo zwischen Servern und Kartenfenstern verschwindet.

Dechs Auszeichnung passt damit ziemlich genau an den Ort, an dem sie sichtbar wird: an die Universität Würzburg, wo Erdbeobachtung nicht nur gemessen, sondern auch erklärt, weiterentwickelt und in konkrete Umweltfragen übersetzt wird.