Am 26. Mai 2026 veröffentlichten Forscher der Universität Göttingen zusammen mit Partnern von der Hochschule Osnabrück, dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik und der Universität Gießen eine umfassende Studie über den Einfluss von Nährwertkennzeichnungen, insbesondere des Nutri-Scores, auf das Kaufverhalten der Verbraucher. In dieser Studie wurden die Eye-Tracking-Daten von 199 Teilnehmenden in simulierten Einkaufssituationen analysiert, um die Aufmerksamkeit auf verschiedene Label zu messen.
Die Untersuchung verglich vier verschiedene Gruppen von Nährwertkennzeichnungen: einerseits mehrfarbige Nutri-Score-Labels, die sowohl auf der Verpackung als auch auf den Preisschildern platziert waren; zweitens graustufige Nutri-Score-Labels; drittens Verpackungen ohne Labels und schließlich der aktuelle Standard, der ein mehrfarbiges Label auf der Vorderseite der Verpackung zeigt. Die Ergebnisse zeigten, dass mehrfarbige Labels signifikant mehr Aufmerksamkeit von den Probanden erhielten als deren graustufige Pendants.
Ergebnisse der Studie
Insbesondere die Farben dunkelgrün und gelb, die entsprechend gute Nährwerte repräsentieren, hatten positive Auswirkungen auf die Kaufentscheidungen. Im Gegensatz dazu zeigte das rote E, das für ungünstige Nährwerte steht, keine abschreckende Wirkung auf die Kaufentscheidungen der Teilnehmenden. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Food Quality and Preference veröffentlicht und erhält Förderungen von der LI Food – Landesinitiative Ernährungswirtschaft des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Bauen.
Als zentrale Empfehlung wandten sich die Forscher an die Politik und den Handel mit der Botschaft, mehrfarbige Nutri-Score-Labels auf den Preisschildern zu integrieren. Die Originalveröffentlichung lautet: Weiß, I. et al. (2026). DOI: 10.1016/j.foodqual.2026.105933, wie uni-goettingen.de berichtet.
Vergleich mit anderen Label-Systemen
Zusätzlich zur Untersuchung des Nutri-Scores werfen verwandte Studien, wie in den Ergebnissen der Universität Hohenheim dargestellt, einen Blick auf europäische und israelische Nährwertkennzeichnungssysteme. Diese Systeme, die als Front-of-Package Labels (FOPL) bekannt sind, zielen darauf ab, die Lebensmittelauswahl der Verbraucher zu erleichtern und gesundheitlich bewusste Entscheidungen zu fördern. In einer Untersuchung, die die subjektive Wahrnehmung und Bewertung der Labels maß, wurde Eye-Tracking-Technologie verwendet, um die visuelle Wahrnehmung beider Systeme zu analysieren.
Die Ergebnisse verdeutlichten, dass das israelische FOPL-System in Bezug auf Verständlichkeit und Unterstützung bei gesunden Entscheidungen besser bewertet wurde als der Nutri-Score. Beide Systeme wiesen jedoch vergleichbare visuelle Wahrnehmungen auf, wobei das IFS-System häufiger fixiert wurde, was darauf hindeutet, dass Unterschiede im Label-Design großen Einfluss auf die Funktionalität und Verarbeitung von Nährwertinformationen haben könnten. Diese Forschung, die seit 2022 durchgeführt wird, wurde von einem Team unter der Leitung von Gerrit Hummel und Prof. Nanette Stroebele-Benschop realisiert, wie epsych.uni-hohenheim.de dokumentiert.
Eine gemeinsam betrachtete Dimension ist die Wechselwirkung zwischen den Herkunftsländern der Probanden und den Label-Systemen. Es zeigte sich, dass „fremde“ Label-Systeme eine höhere visuelle Wahrnehmung erzeugen konnten, während landeseigenen Systeme schnellere Fixierungen induzierten. Daraus ergeben sich wichtige Ansatzpunkte für künftige Forschungsarbeiten und gesundheitspolitische Entscheidungen.
In einem sich wandelnden Markt werden diese Ergebnisse sowohl für Entscheidungsträger in der Politik als auch für Konsumenten von zunehmender Relevanz sein, um die Grundlagen für eine gesundheitsbewusste Lebensmittelauswahl zu stärken.