Eine neueste Studie des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung, der Universitätsmedizin Halle und der Universität Münster führt aktuelle Erkenntnisse über Resilienz und deren neurobiologische Grundlagen auf. Resilienz wird in diesem Zusammenhang als die Fähigkeit definiert, bei widrigen Umständen eine langfristig gute psychische Gesundheit aufrechtzuerhalten. Kern der Untersuchung ist die Erkenntnis, dass Resilienz kein fester Zustand ist, sondern einem aktiven Wandlungsprozess im Gehirn unterliegt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Science Partner Journal Research“ veröffentlicht, wie umh.de berichtet.
Eine Gruppe von 103 Teilnehmenden wurde untersucht, wobei deren psychische Verfassung sowie belastende Lebensereignisse erfasst wurden. Die Teilnehmer wurden emotionalen Bildern ausgesetzt, wodurch ihre Gehirnaktivität mittels Elektroenzephalografie (EEG) analysiert wurde. Die Studie hat gezeigt, dass resilientere Personen schneller und mit weniger Fehlern auf die Reize reagierten. Ihre Gehirnregionen arbeiteten dabei strukturierter zusammen. Besonders der Frontallappen spielte eine wesentliche Rolle, indem er eine stärkere Steuerung bei diesen Teilnehmenden zeigte und folglich eine bessere kognitive Kontrolle über den visuellen Kortex ermöglichte.
Neurobiologische Mechanismen der Resilienz
Zusätzlich zu den menschlichen Probanden wurde im Rahmen der Studie eine Tieruntersuchung mit Mäusen durchgeführt, die sozialem Stress ausgesetzt waren. Die resilienten Mäuse, die ebenfalls Stress erlebten, zeigten einen Rückgang der spontanen Aktivität im visuellen Kortex und konnten visuelle Reize präziser verarbeiten. Dies legt nahe, dass Stress, unter bestimmten Bedingungen, auch kognitiv förderlich sein kann. Der wesentliche Mechanismus, der hinter dieser Resilienz steht, ist die Plastizität des Gehirns, welche dessen Fähigkeit zur aktiven Umstrukturierung umfasst.
Die Studie wird von mehreren Institutionen gefördert, einschließlich der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Bundesministeriums für Forschung. Sie ist Teil eines größeren Forschungsvorhabens, dessen Förderzeitraum von 2016 bis 2021 reicht. Dieses Projekt zielt darauf ab, Schutzmechanismen zur Aufrechterhaltung der psychischen Gesundheit während und nach Lebenskrisen zu untersuchen, was einen Paradigmenwechsel in der Betrachtung von psychischen Erkrankungen darstellt. In diesem Kontext wird der Fokus auf die Resilienz gelegt, statt ausschließlich auf die Krankheiten selbst, wie in den Projektinformationen bei gepris.dfg.de dargelegt.
Interdisziplinäre Ansätze und Projekte
Die Forschung umfasst eine interdisziplinäre Herangehensweise, die molekular-zelluläre, Netzwerk-basierte, behaviorale und kognitive Analysen kombiniert. Im Rahmen dieses Projekts sind verschiedene Teilprojekte geplant, die sich unter anderem mit der aktiven Resilienzmechanismen in dopaminergen Neuronen oder dem Zusammenhang zwischen hippocampaler Netzwerkaktivität und resilientem Verhalten befassen. Die Ziele umfassen auch die Entwicklung neuer Präventionsstrategien zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs bei Stressantworten. Insbesondere wird die Flexible Regulierung von Stress als Schlüssel zur Minderung von Erkrankungsrisiken hervorgehoben.
Die umfassende Untersuchung zur Resilienz bietet nicht nur neue Einsichten in neurobiologische Grundlagen, sondern auch wertvolle Ansatzpunkte für die Gewinnung effektiverer Präventionsmaßnahmen im Bereich psychischer Gesundheit. Die Erkenntnisse könnten in Zukunft dazu beitragen, besser auf stressbedingte Herausforderungen reagieren zu können, sowohl im individuellen als auch im gesellschaftlichen Kontext.