Die humanitäre Lage im Flüchtlingscamp Mavrovouni auf der griechischen Insel Lesbos bleibt herausfordernd. Im September 2020 wurde das Camp nach einem verheerenden Brand im zuvor bestehenden Moria-Camp eingerichtet. Aktuell leben dort rund 1.100 Menschen, obwohl die Bevölkerungszahl starken Schwankungen unterliegt. Die Menschen im Camp kommen vornehmlich aus Afghanistan, Sudan, Somalia, Jemen, Palästina oder Kurdistan, was die Situation zusätzlich komplex macht. Die Dynamik im Camp ist sowohl von menschlichen Schicksalen als auch von politischen Rahmenbedingungen geprägt. Dies berichtet die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Die Arbeit im Camp wird von der NGO Eurorelief koordiniert, die auch in anderen Flüchtlingslagern wie Samos und Malakasa aktiv ist. Studierende, die sich im Rahmen von Praktika und Freiwilligendiensten engagieren, leisten einen wichtigen Beitrag in verschiedenen Bereichen. Dazu gehören die Verteilung von Kleidung, Hygieneartikeln und Essen, Bau- und Instandhaltungsarbeiten sowie die Einrichtung von Safe Spaces für Frauen, Männer und Kinder. Diese verschiedenen Projekte fördern auch die nicht-formale Bildung und bieten Freizeitaktivitäten für die zahlreichen Kinder im Camp.
Engagement der Studierenden
Im Zuge ihres Praxissemesters über das Erasmus+-Programm verbrachte Simone Birkel Zeit im Flüchtlingscamp. Für sie war der Aufenthalt eine intensive Erfahrung, die viele praktische Kenntnisse vermittelte. „Die Arbeit ist praxisnah und geprägt von schnellen Veränderungen“, beschreibt sie ihren Eindruck. Studierende, wie Finja und Fynn, berichten von tiefgreifenden Einsichten und einer veränderten Perspektive hinsichtlich Migration. Finja möchte die Wahrnehmung der Thematik in den Medien hinterfragen und betont die Wichtigkeit von Begegnungen auf Augenhöhe.
Die Studierenden arbeiten in internationalen Teams und nehmen an verschiedenen Trainings und Reflexionen teil. Viele von ihnen lernen nicht nur aus Büchern, sondern durch persönliche Begegnungen mit den Bewohnern des Camps. Diese Vielfalt an Erfahrungen ist besonders wertvoll und wird durch die Zusammenarbeit mit Eurorelief gefördert, die konkrete Praktikumsmöglichkeiten bietet.
Psychosoziale Unterstützung und Workshops
Zusätzliche Unterstützung erhält das Mavrovouni Camp von einem internationalen Team aus Tschechien, Deutschland, Litauen und Polen, das seit mehreren Wochen psychosoziale Hilfe bereitstellt. Im Jahr 2022 zählte das Camp 1.922 Bewohner, darunter 484 Kinder, und die Grundbedingungen haben sich durch die engagierte Arbeit zahlreicher Hilfsorganisationen verbessert. Trotz dieser Fortschritte leben manche Familien weiterhin in beengten Verhältnissen, so dass teilweise zwei Familien eine 18 Quadratmeter große Isobox teilen müssen.
Hilfsprojekte, wie die sogenannten Healthcare Clowns, schaffen eine unterstützende Umgebung für Kinder und deren Familien. Workshop-Angebote, wie der Circus Smile, der täglich stattfindet, enden stets mit einer Aufführung, die bei den Bewohnern sehr beliebt ist. Solche Initiativen bringen Freude und Ablenkung in den oftmals schwierigen Alltag der Camp-Bewohner. Vor allem die Mütter schätzen die wertvolle Zeit mit ihren Kindern, die diese Workshops bieten.
Ein musikalischer Workshop für alleinstehende Männer wurde ebenfalls in Zusammenarbeit mit Eurorelief durchgeführt. Hierbei brachten die Clowns Musikinstrumente mit und organisierten rhythmische Spiele, die zu einer fröhlichen musikalischen Zusammenkunft führten. Selbst als die Polizei gerufen wurde, fand sie eine ausgelassene Feier vor und konnte den positiven Verlauf der Veranstaltung bestätigen.
Insgesamt belegen die positiven Rückmeldungen von Teilnehmern, dass die Workshops hilfreiche und ermutigende Elemente in den Lebensalltag der Hilfsarbeitenden und Camp-Bewohner integrieren. Die Initiativen fördern emotionale Verbindungen, soziale Interaktionen und tragen zur Stressreduktion in Krisensituationen bei, wie Emergency Smile berichtet.
Der nächste Vortrag über die Erfahrungen der Studierenden sowie Informationen zu weiteren Praktika mit Eurorelief findet am Mittwoch, dem 12. Mai, um 19:30 Uhr im Bürgerschaftsbüro am Marktplatz 18 in Eichstätt statt. Dies bietet allen Interessierten die Möglichkeit, einen Einblick in die vielfältigen und oft bewegenden Erfahrungen zu erhalten, die mit dem Engagement im Flüchtlingscamp verbunden sind.