Das Lernprojekt „AKTIV die Folgen des Ruhrbergbaus aufarbeiten“ erlangt an der Ruhr-Universität Bochum zunehmend Aufmerksamkeit. Geleitet von Jana Lena Jünger und Dr. Stefan Zeppenfeld, verfolgt das Projekt das Ziel, Studierenden die Möglichkeit zu geben, ihre eigene Umgebung zu erkunden und montanhistorische Orte zu erforschen. Die Finanzierung erfolgt durch die Freiraum-Förderung der Stiftung Innovation in der Hochschullehre und ist bis März 2027 angesetzt, umfasst also vier Semester. Die Studierenden wählen gezielt Orte mit historischer Bedeutung aus und erforschen dazu verschiedene Zeitperioden und Geschichten.

Durch das Projekt sollen bestehende Narrative, insbesondere in den Bereichen Umweltgeschichte und Gendergeschichte, ergänzt und sichtbar gemacht werden. Die Studierenden bringen dabei Hilfe und Interesse für diese spannenden Themen mit. Etwa drei Viertel der Teilnehmenden stammen aus dem Ruhrgebiet, was das Projekt besonders relevant für die Region macht.

Interaktive Ergebnisse und innovative Lehrmethoden

Die Lehrmethoden des Projekts sind partizipativ und innovativ. So lernen die Teilnehmer Methoden der Geschichtswissenschaft, wie Oral History sowie den Umgang mit Luftbildern und Altlasten-Karten. Die Ergebnisse des ersten Semesters können bereits auf einer interaktiven Karte und im Podcast „Revierrelikte – Ruhrgebiet im Wandel“ nachverfolgt werden. Dieser Podcast wird während der Projektlaufzeit in mehreren Staffeln aktualisiert. Themen der kommenden Episoden sind unter anderem die Geschichte von Bochums Rotlichtviertel im Kontext der Industrialisierung und die unsichtbare Arbeit der Wäscherinnen während des Wirtschaftswunders.

Das Projekt „AKTIV“ betrachtet die Folgen des Strukturwandels im Ruhrgebiet sowohl für die Umwelt als auch für die Gesellschaft. Ein zentraler Punkt ist die anhaltende Auseinandersetzung mit den Folgen des Niedergangs der Montanindustrie, die seit den 1960er Jahren massive Veränderungen in der sozialökonomischen Struktur der Region verursacht hat. Es wird auf die bedeutenden Arbeitsplatzverluste in monostrukturellen und bildungsfernen Regionen hingewiesen, die im Ruhrgebiet besonders ausgeprägt waren.

Öffentliche Veranstaltungen und zukünftige Themen

Somit korreliert das Projekt eng mit der laufenden Forschung zur Montangeschichte und dem Strukturwandel in der Region. Besonders hervorzuheben sind die öffentlichen Abendveranstaltungen, die zur Diskussion und Sichtbarmachung der behandelten Themen beitragen sollen. Die erste Veranstaltung fand im Umspannwerk Recklinghausen statt, während die nächste am 13. Oktober auf der Zeche Zollern, moderiert von Markus Dichmann, geplant ist.

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In der Vergangenheit wurde der Strukturwandel, der Ende der 1950er Jahre begann und sich durch eine Kohlen- und Stahlkrise auszeichnete, im Kontext verschiedener Branchen untersucht. Diese in der Forschung oft wenig beachteten letzten Entwicklungen, etwa in nicht-montanindustriellen Bereichen, wie der Fleischproduktion, stehen nun mehr in den Fokus. In weiteren Projektveranstaltungen soll das Bewusstsein für die vielschichtigen Auswirkungen dieses Wandels geschärft werden.

Insgesamt zielt das Projekt „AKTIV“ darauf ab, Lehrinhalte an die Lebensrealität der Studierenden anzupassen und ihnen ein tiefes Verständnis für die Geschichte ihrer Umgebung zu vermitteln. Es lädt zur aktiven Teilnahme ein und integriert persönliche biografische Erfahrungen, um die Geschichte des Ruhrgebiets in den verschiedenen Facetten sichtbar zu machen. Weitere Informationen sind auf den Webseiten von news.rub.de, aktiv-geschichte.de und ruhr-uni-bochum.de verfügbar.