Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt
Heute, am 6. Oktober 2026, hat der Landtag von Sachsen-Anhalt in Magdeburg Tobias Rausch von der AfD zu seinem Präsidenten gewählt. In geheimer Abstimmung erhielt er 48 Ja-Stimmen, 29 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen. Damit bekam Rausch neun Stimmen mehr, als die AfD Landtagsmandate besitzt.
Das BSW, das über fünf Mandate verfügt, hatte angekündigt, für Rausch zu stimmen. Nach Darstellung des SPIEGEL kamen außerdem vier Stimmen aus anderen Fraktionen hinzu. AfD und BSW verfügen zusammen über 44 Stimmen. Peter Maxwill, Korrespondent des SPIEGEL, sprach von einer deutlichen Mehrheit.
Ein AfD-Politiker an der Spitze des Parlaments
Nach Angaben des Deutschlandfunks ist Rausch der erste Politiker einer Partei, die in Teilen als rechtsextrem eingestuft wird, an der Spitze eines deutschen Landesparlaments. Der SPIEGEL bezeichnet ihn als ersten AfD-Politiker und nach eigener Darstellung als ersten Rechtsextremisten in der deutschen Nachkriegsgeschichte an der Spitze eines Landesparlaments.
Rausch forderte einen offeneren Umgang mit der AfD. Die Zeit politischer „Brandmauern“ müsse vorbei sein, sagte er. Zugleich kündigte er an, sein Amt überparteilich auszuüben und Sachpolitik über Parteipolitik zu stellen. Zuvor hatte er sich selbst als „kein Hardliner, sondern pragmatisch“ bezeichnet.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Cornelia Sziborra-Seidlitz reagierte deutlich: Ihre Partei werde sich nicht einschüchtern lassen und Freiheit sowie Menschenwürde in Sachsen-Anhalt verteidigen. Alterspräsidentin Eva von Angern (Linke) hatte zu Beginn der konstituierenden Sitzung an die Verantwortung der Abgeordneten für Demokratie und Minderheitenschutz appelliert. Sie warnte vor einer Verrohung der politischen Debatte und kritisierte, politische Gegner würden entmenschlicht und niedergebrüllt.
Auch der Vizeposten geht an die AfD
Am Nachmittag wählten die Abgeordneten den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider zum Vizepräsidenten. Auf ihn entfielen 44 Ja-Stimmen und 38 Nein-Stimmen, Enthaltungen gab es keine. Mit seiner Wahl galt der Landtag als konstituiert.
Tillschneider ist Islamwissenschaftler sowie stellvertretender Landes- und Fraktionsvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt. In der Vergangenheit war er durch politische Provokationen im Magdeburger Parlament aufgefallen; zudem wurde seine Nähe zu Russland mehrfach kritisiert. Nach der Wahl kündigte er an, das Amt „ganz professionell und unauffällig“ ausüben zu wollen. Bedenken gegen seine Wahl wies er zurück und verwies auf seine Erfahrung im Rechts- und Sozialausschuss.
Die Sitzung verlief zunächst überwiegend nüchtern und sachlich. Später trat die AfD laut SPIEGEL durch Kommentare, Tuscheln und lautes Gelächter offensiver auf. Wie sich das politische Klima im Landtag in den kommenden Wochen und Monaten verändert, bleibt offen.
Die nächste offene Frage: Wer wird Ministerpräsident?
Die weitere politische Entwicklung hängt nicht allein vom Ergebnis der Präsidentenwahl ab. Unklar ist vor allem, wer künftig Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt wird – und ob überhaupt jemand gewählt werden kann.
Ulrich Siegmund von der AfD, der Sieger der Landtagswahl, will sich erst im Dezember zur Wahl des Ministerpräsidenten stellen. Siegmund erklärt, eine Mehrheit organisiert zu haben. Woher diese Mehrheit kommen soll, ist bislang allerdings nicht absehbar. Für eine Regierungsbildung wäre zudem eine stabile Mehrheit erforderlich, die Siegmund im Wahlkampf als Voraussetzung genannt hatte.
Sollte keine Mehrheit für einen Regierungschef und eine Regierung zustande kommen, könnten die Gespräche ergebnislos enden. Neuwahlen wären dann möglich. Noch ist das Zukunftsmusik, aber der politische Kalender in Magdeburg dürfte in den nächsten Wochen ziemlich voll werden.
Weidel fordert Gespräche mit der CDU
Die AfD-Spitze sieht sich durch die Wahl in Magdeburg bestätigt. Co-Parteichefin Alice Weidel begrüßte das Ergebnis und sagte, die AfD habe mit einer klaren Wahl Rauschs gerechnet. Sie forderte die CDU auf Bundesebene auf, wieder Gespräche mit der AfD zu führen. Die AfD strecke der CDU die Hand entgegen, erklärte Weidel, Deutschland könne sich ein „Weiter so“ nicht leisten.
Nach Weidels Angaben sprach die AfD-Landtagsfraktion mit anderen Fraktionen und Einzelabgeordneten über gemeinsame Umgangsregeln. AfD-Co-Chef Tino Chrupalla bezeichnete Rauschs Eröffnungsrede als „sehr gut“ und verbindend. Rausch habe darin Gesprächsbereitschaft signalisiert.
Ob aus dieser Gesprächsbereitschaft im Landtag tatsächlich belastbare Mehrheiten werden, ist offen. Vor dem Magdeburger Parlament liegen jedenfalls mehrere Baustellen gleichzeitig – und manche davon lassen sich nicht einfach mit einer weiteren Abstimmung wegwischen.
