Traumatisierten Flüchtlingskindern wirksam helfen: Fortschritte durch BetterCare!
Unbegleitete minderjährige Geflüchtete stehen vor enormen Herausforderungen in Deutschland. Oft haben sie traumatische Erfahrungen gemacht, die ihr psychisches Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Eine Studie der Universität Bamberg, veröffentlicht in der Fachzeitschrift The Lancet Global Health, zeigt nun, dass ein gestuftes Versorgungsmodell die psychische Gesundheit dieser vulnerable Gruppe wirksam verbessern kann. Unter dem Projekt BetterCare, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt koordiniert wird, wurden 627 Jugendliche aus 58 Einrichtungen in sieben Bundesländern untersucht.
Die Jugendlichen, die im Durchschnitt 16 bis 17 Jahre alt sind und aus rund 40 Herkunftsländern stammen, berichteten von durchschnittlich sechs traumatischen Erlebnissen. 43 Prozent dieser Geflüchteten wiesen klinisch relevante Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auf. Das gestufte Versorgungsmodell sieht ein frühzeitiges Screening vor, gefolgt von niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten und evidenzbasierter Traumatherapie, um den Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht zu werden. Insbesondere wurde das traumapädagogische Gruppenprogramm „Mein Weg“ für Jugendliche mit milden bis moderaten Symptomen angeboten, während solche mit schwereren Symptomen traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie erhielten.
Ergebnisse des BetterCare-Modells
Nach einem Jahr der Implementierung zeigte sich eine signifikante Verringerung der posttraumatischen Belastungssymptome unter den Jugendlichen, die im Rahmen des BetterCare-Modells behandelt wurden. Auch depressive und Angstsymptome reduzierten sich stärker im Vergleich zur Regelversorgung. Diese positiven Ergebnisse traten in einem herausfordernden Umfeld auf, das auch die Corona-Pandemie und den Abzug internationaler Truppen aus Afghanistan umfasste.
Trotz der vielversprechenden Resultate nahm jedoch nur etwa die Hälfte der Jugendlichen die empfohlenen Therapien in Anspruch. Gründe für die geringe Inanspruchnahme sind oft Unsicherheiten bezüglich des Aufenthaltsstatus und eine mangelnde Vertrautheit mit psychotherapeutischen Angeboten. Um dem entgegenzuwirken, wurden Fachkräfte der Jugendhilfe und Psychotherapie geschult, um Barrieren abzubauen und traumafokussierte Angebote zu implementieren, was die dringend benötigte Unterstützung für diese Jugendlichen verbessert.
Strukturelle Herausforderungen
Im Jahr 2024 lebten schätzungsweise über 40.000 unbegleitete geflüchtete Kinder und Jugendliche in Deutschland ohne ihre Eltern. Sie haben häufig Gewalt, Krieg und Verfolgung erlebt, was zu einer hohen psychischen Belastung führt. Prof. Dr. Rita Rosner, die das Verbundprojekt BetterCare leitet, subventioniert mit rund drei Millionen Euro, hebt die Notwendigkeit einer zielgerichteten psychosozialen Versorgung hervor. Die Partner des Projekts umfassen unter anderem die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Ulm und das Deutsche Jugendinstitut in München.
Die Studie weist auch auf die bestehenden strukturellen Herausforderungen hin, die eine umfassende Versorgung erschweren. Beispielsweise fehlt es an ausreichenden Psychotherapeuten, die auf die spezifischen Bedürfnisse unbegleiteter junger Geflüchteter eingehen können. Von den 164 ausgebildeten Fachkräften in diesem Bereich sind viele engagiert, aber dennoch bleibt der Zugang zur psychischen Versorgung begrenzt.
Das Gruppenprogramm „Mein Weg“ wird weiterhin in Jugendhilfeeinrichtungen eingesetzt und bietet den Teilnehmenden eine sinnvolle Unterstützung. In den vergangenen Jahren haben rund 8000 Personen von den Programmen und Weiterbildungen profitiert, die auf die Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Versorgungspraxis abzielen. Es bleibt jedoch eine kontinuierliche Herausforderung, alle Jugendlichen in die erforderlichen Therapien einzubeziehen und ihre psychische Gesundheit nachhaltig zu fördern.
In Anbetracht dieser Erkenntnisse ist es von entscheidender Bedeutung, die bestehenden Programme weiterzuentwickeln und die strukturellen Hürden im Gesundheitswesen abzubauen, um den unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie so dringend benötigen. uni-bamberg.de berichtet, dass ein gezielter Ansatz, der sich an den individuellen Bedürfnissen orientiert, für die Zukunft dieser jungen Menschen entscheidend sein könnte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Projekt BetterCare durch innovative Ansätze und engagierte Fachkräfte positive Veränderungen herbeiführen kann. Dennoch ist ein langfristiger Einsatz nötig, um die psychische Gesundheit unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter in Deutschland zu sichern. Der Weg zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen und zur Abbau von Barrieren ist weiterhin ein zentrales Anliegen.ku.de und blog.uni-bamberg.de bekräftigen diese Herausforderungen weiter und beleuchten die laufenden Bemühungen um Verbesserung und Unterstützung.
