Auf dem Trierer Hauptmarkt haben am 7. Oktober 2026 rund 150 Menschen der jüdischen Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 gedacht. Lieder erklangen, Plakate wurden hochgehalten, es gab eine Schweigeminute und Schilderungen des Massakers. Der Angriff begann um 6:29 Uhr.

Erinnert wurde an rund 1.200 Getötete und mehr als 250 verschleppte Geiseln. Viele der Opfer hatten sich damals zu einem Musikfestival getroffen. Die Veranstaltung in Trier war für 17 Uhr angekündigt und wurde von der Initiative in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. Trier sowie KIAN – Iranischer Verein in Trier für Kultur, Kunst und Politik durchgeführt.

Ein Zeichen für jüdisches Leben

Am 7. Oktober 2026 jährte sich der Terrorangriff der Hamas auf Israel zum dritten Mal. Die Initiative erinnerte an Menschen, die beim Nova-Festival und an anderen Orten getötet, verletzt oder als Geiseln verschleppt wurden. Zugleich bekundete sie Solidarität mit den Menschen in Israel und mit Jüdinnen und Juden in Deutschland.

Das Ziel: ein sichtbares Zeichen für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus. Auf dem Hauptmarkt blieb es nicht bei stillen Worten. Lieder, Schilder und die Schweigeminute gaben dem Gedenken eine konkrete Form – mitten in der Stadt, zwischen Alltag, Gesprächen und vorbeiziehenden Menschen.

Das Festival nahe Re’im

Das Supernova Sukkot Gathering fand nahe dem Kibbuz Re’im im Regionalverband Eschkol statt, etwa fünf Kilometer von der Grenze zum Gazastreifen entfernt, bei 31°23′52″ N, 34°28′18″ O. Es war die erste israelische Ausgabe des brasilianischen Universo Paralello. Mehr als 3.500 Menschen, überwiegend Israelis zwischen 20 und 40 Jahren, kamen auf das Gelände mit drei Bühnen, Campingzone sowie Bar- und Verpflegungsbereichen.

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Das Programm begann am 6. Oktober 2023 um 22 Uhr und sollte bis zum Nachmittag des 7. Oktober dauern. Die Produktionsfirma hatte am 6. September eine Genehmigung für eine Veranstaltung am 5. und 6. Oktober beantragt. Polizei und Militär stimmten am 20. beziehungsweise 29. September zu. Am 2. Oktober beantragten die Veranstalter, die Infrastruktur auch für das Nova-Festival vom Abend des 6. bis zum Nachmittag des 7. Oktober zu nutzen. Trotz Bedenken wegen reduzierter Truppenstärke am Feiertagswochenende wurde die Verlängerung am 4. Oktober genehmigt. Das Militär bewertete das Festival damals nicht als besonderes Sicherheitsrisiko.

Spätere Untersuchungen zeichneten ein anderes Bild der Vorbereitung. Die im Grenzgebiet stationierten Soldaten waren nicht über die Großveranstaltung informiert, ein Militärvertreter war nicht abgestellt. Zwischen Militär, Polizei, Rettungsdiensten und Veranstalter gab es keine ausreichende Abstimmung. Auffällige Hamas-Aktivitäten in der Nacht wurden nicht als unmittelbare Bedrohung bewertet, und das Festival tauchte in der militärischen Lagebeurteilung am Morgen des Angriffs nicht auf.

6:29 Uhr, dann Flucht

Um 6:29 Uhr begann massiver Raketenbeschuss aus Gaza. Gleichzeitig durchbrachen Hamas-Kämpfer die Sperranlage an 114 Stellen und griffen Militärstützpunkte und Gemeinden an. Gegen 6:35 Uhr erklärte der leitende Polizeibeamte Nivi Ohana das Festival für beendet. Musik und Lautsprecherdurchsagen forderten die Besucher zur Abreise auf; Ohana entsandte 42 Polizisten zum Gelände und ließ ab etwa 6:50 Uhr Fluchtwege öffnen.

Viele Menschen flohen zunächst über die Nationalstraße 232. Bewaffnete Angreifer beschossen Flüchtende unter anderem bei Alumim, Be’eri und Sa’ad. Die Polizei sperrte die Straße und wies die Menschen an, über Felder nach Osten in Richtung Patish zu laufen. Auch Luftschutzanlagen am Straßenrand wurden angegriffen. Eine fehlerhafte Meldung, wonach rund 90 Prozent der Besucher das Gebiet verlassen hätten, führte dazu, dass das Festival zunächst nicht in die militärische Lagebeurteilung einbezogen wurde.

Ab etwa 7:50 Uhr griffen Hamas-Kämpfer den Kibbuz Re’im an. Laut Untersuchungsbericht war das Festival kein ursprünglich geplantes Angriffsziel. Rund 100 Kämpfer, die eigentlich Netiwot angreifen sollten, wurden bei Be’eri nach Süden in Richtung Re’im umgeleitet. Um 8:12 Uhr erreichten sie eine Polizeisperre nahe dem Veranstaltungsgelände.

Gegen 8:20 Uhr traf ein beschädigter Merkava-Panzer des 77. Bataillons ein. Der Fahrer Ido Somech überfuhr von Angreifern genutzte Fahrzeuge und vertrieb Kämpfer. Der liegen gebliebene Panzer bot etwa 30 bis 50 Besuchern Schutz. Der Ladeschütze Ofir Testa wurde tödlich getroffen, Somech schwer verwundet – er überlebte.

Das Ausmaß des Massakers

Ab etwa 8:50 Uhr schossen die Angreifer auf Menschen, die über die Felder flohen. Kurz nach 9:15 Uhr drangen sie auf das Festivalgelände ein. Besucher wurden gezielt getötet oder entführt; andere versteckten sich in Büschen, Toiletten, Müllcontainern und hinter Bars. 171 Menschen starben auf dem Gelände und dem angrenzenden Abschnitt der Nationalstraße 232, weitere 173 auf Fluchtwegen und in umliegenden Orten.

18 Menschen starben, als ein Krankenwagen mit einer Panzerabwehrwaffe beschossen wurde. In einem öffentlichen Luftschutzbunker wurden 16 Menschen getötet. Der Soldat Aner Shapira warf sieben Handgranaten zurück, bevor er durch eine achte Granate starb. Bei der Ausschankstelle „Little Bar“ wurden 19 Menschen getötet, 14 weitere starben in einem gelben Abfallcontainer, in dem sie sich versteckt hatten.

Unter den bekannten Todesopfern waren der ehemalige Profifußballer Li’or Asulin, der Kraftdreikämpfer Niv Tel Tzur, der Musiker Jake Marlowe, die Kan-Redakteurin Ayelet Arnin, die Festivalorganisatoren Osher und Michael Vaknin, die DJs Matan Elmalem und Bar Shechter sowie die Deutsch-Israelin Shani Louk.

Noa Argamani wurde auf einem Motorrad nach Gaza verschleppt. Weitere Festivalbesucher wie Mia Schem, Romi Gonen, Omer Shem-Tov, Omer Wenkert, Eliya Cohen und Alon Ohel wurden ebenfalls entführt. Insgesamt wurden 44 Festivalbesucher als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. 16 dieser Geiseln waren bereits tot, starben in Gefangenschaft oder wurden dort ermordet.

Gegen 9:50 Uhr verließen die Angreifer das Festivalgelände, um nach Be’eri weiterzuziehen. Ab 10:20 Uhr erreichten weitere Palästinenser das Gelände und plünderten Leichen und Gegenstände. Die ersten israelischen Soldaten trafen um 11:35 Uhr ein. Gegen 11:50 Uhr begann die Rückeroberung, die gegen 15 Uhr abgeschlossen war. Dabei wurden etwa 20 Angreifer getötet und mehrere gefangen genommen. Die Bergung der Leichen begann am 8. Oktober gegen 8 Uhr.

Unter den 34 getöteten Sicherheitskräften waren 16 Polizisten, 16 Soldaten und zwei Angehörige des Schin Bet. Zu ihnen gehörten Oberst Roi Levy, Major Avraham Hovelashvili und Polizeichef Jayar Davidov.

Geiseln, Trauma und offene Fragen

Mehrere Geiseln wurden Ende November 2023 im Rahmen eines Waffenstillstands freigelassen. Vier Geiseln rettete eine israelische Operation am 8. Juni 2024 in Nuseirat. Weitere Freilassungen folgten im Januar und Februar 2025. Die letzten elf lebenden Festivalgeiseln kamen am 13. Oktober 2025 nach mehr als zwei Jahren Gefangenschaft frei. Zahlreiche getötete Geiseln wurden zwischen 2023 und 2025 aus Gaza geborgen und nach Israel überführt.

Israelische Berichte und Aussagen von Überlebenden nennen geschlechtsspezifische und sexuelle Gewalt während des Angriffs. Die Sängerin Yuval Raphael überlebte, indem sie sich mehrere Stunden unter Leichen tot stellte. Im April 2024 wurden mehr als 100 Überlebende in psychiatrischen Kliniken behandelt, mindestens 30 galten als stark suizidgefährdet. Kostenlose staatliche Therapien wurden zunächst auf zwölf, später