Tschechiens Bildungsbilanz: Weniger Hochschulabschlüsse, mehr Druck auf Schulen und Lehrkräfte
Am 4. Oktober 2026 fällt der Blick von der TU Freiberg aus nach Tschechien: Der aktuelle OECD-Bildungsbericht zeichnet ein gemischtes Bild. Beim Hochschulabschluss liegt das Land deutlich zurück, auf dem Arbeitsmarkt zahlt sich Bildung dennoch spürbar aus. Und in den Schulen treffen steigende Ansprüche auf Lehrkräfte, die nicht immer entsprechend qualifiziert sind.
29 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Tschechien haben einen Hochschulabschluss. Im OECD-Schnitt sind es 43 Prozent. Rund zwei Drittel der Erwachsenen verfügen dagegen über einen Sekundarschulabschluss – deutlich mehr als der OECD-Durchschnitt von 39 Prozent.
Mehr mittlere Abschlüsse, aber auch mehr junge Menschen ohne Sekundarschule
Der Anteil der Menschen mit höchstens beruflichem Sekundarschulabschluss sank bei den 55- bis 64-Jährigen von 70 Prozent auf 52 Prozent bei den 25- bis 34-Jährigen. Gleichzeitig stieg der Anteil der 25- bis 34-Jährigen ohne Sekundarschulabschluss: von 6 Prozent im Jahr 2015 auf 7 Prozent im Jahr 2025. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein kleiner Ausschlag, ist für Bildungspolitik aber kein Nebengeräusch.
Ein Hochschulabschluss verbessert die Chancen auf Arbeit deutlich. Die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen sank in Tschechien von 3 Prozent im Jahr 2015 auf 2 Prozent im Jahr 2025; im OECD-Durchschnitt lag sie bei 5 Prozent. Auch beim Einkommen zeigen sich klare Unterschiede: Beschäftigte mit allgemeinbildendem Sekundarschulabschluss verdienten durchschnittlich 8 Prozent weniger als der nationale Durchschnitt. Bei einem beruflichen Sekundarschulabschluss lag das Einkommen 16 Prozent darunter, bei fehlendem Sekundarschulabschluss sogar 33 Prozent.
Flexibilität gehört ebenfalls eher zur akademischen Arbeitswelt. 31 Prozent der Hochschulabsolventen arbeiteten zumindest gelegentlich oder überwiegend von zu Hause. Bei Beschäftigten mit Sekundarschulabschluss war es etwa jeder Zehnte.
Schulen suchen Personal – und kämpfen mit dem Altersdurchschnitt
Im Schuljahr 2024/25 waren 8,5 Prozent der Lehrkräfte an öffentlichen Grund- und weiterführenden Schulen nicht entsprechend qualifiziert. Der OECD-Durchschnitt lag bei 9,1 Prozent. Werden private und kirchliche Schulen einbezogen, stieg der Anteil in Tschechien auf 10,4 Prozent. Besonders betroffen waren Mathematik und Naturwissenschaften – ausgerechnet Fächer, bei denen ohnehin nicht viel Luft im Stundenplan ist.
Rund ein Drittel der Sekundarschullehrer war älter als 55 Jahre. Bei Erwerbstätigen mit mindestens Masterabschluss waren es 23 Prozent. Zugleich kamen 9,5 Prozent der tschechischen Grundschullehrkräfte aus anderen Berufen; im OECD-Schnitt waren es 8,4 Prozent.
Mit den Arbeitsbedingungen waren 84 Prozent der Lehrer an weiterführenden Grundschulen zufrieden. Beim Gehalt fiel die Zustimmung allerdings deutlich kleiner aus: Nur 47 Prozent zeigten sich damit zufrieden. Lehrer einschließlich Schulleitern verdienten im Vorjahr durchschnittlich 53.346 Kronen brutto monatlich, 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Gesetzlich vorgesehen ist ein durchschnittliches Lehrergehalt von 130 Prozent des durchschnittlichen Bruttogehalts.
Besonders weit auseinander liegen die Einkommen im Vergleich zu anderen Hochschulabsolventen im öffentlichen Bildungsbereich. Lehrkräfte im Vorschulbereich verdienten 45 Prozent weniger, auf der ersten Grundschulstufe waren es 31 Prozent weniger. Da hilft auch ein frischer Anstrich im Lehrerzimmer nur begrenzt.
Mehr Geld für Bildung, aber noch unter dem OECD-Niveau
2023 gab Tschechien 3,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung von der Primar- bis zur Hochschulbildung aus. Der OECD-Durchschnitt lag bei 4 Prozent. Pro Schüler beziehungsweise Student wurden 11.861 US-Dollar ausgegeben, gegenüber 13.601 US-Dollar im OECD-Schnitt.
Ganz still steht die Entwicklung aber nicht. Der tschechische Anteil am BIP stieg von 3,2 Prozent im Jahr 2015 auf 3,7 Prozent im Jahr 2023. Im OECD-Durchschnitt sank er dagegen von 4,4 Prozent auf 4,2 Prozent. Für Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren stiegen die Ausgaben pro Kind von 5.643 US-Dollar im Jahr 2015 auf 7.638 US-Dollar im Jahr 2023.
Die Regierung will die Bildungsausgaben auf den OECD-Durchschnitt anheben. Durchschnittliche Lehrergehälter sollen bis 2029 auf 75.000 Kronen steigen, das Einstiegsgehalt bis zum Ende der Wahlperiode 50.000 Kronen erreichen. Ob das reicht, um junge Menschen dauerhaft vor die Klasse zu holen, wird sich nicht allein in Tabellen zeigen, sondern morgens im Schulgebäude – wenn die ersten Türen aufgehen und irgendwo schon jemand nach Kreide sucht.
Die zusätzlich genannte PDF-Quelle enthält laut vorliegender Angabe überwiegend binäre beziehungsweise komprimierte PDF-Daten und keine lesbaren Nachrichteninhalte. Eine sachliche Ergänzung daraus ist daher nicht möglich.
Quelle 1: OECD-Bildungsbericht zu Tschechien
Quelle 2: OECD_Bildungsreport_2025.pdf
