An der TU Chemnitz wird gerechnet, gestrichen und vor allem gebangt. Wegen fehlender zusätzlicher Finanzmittel und steigender Kosten plant die Universität, bis 2029 Stellen zu sperren. Gesperrte Stellen dürfen anschließend nicht neu besetzt werden. Rechnerisch fehlt Geld für etwa 200 wissenschaftliche Mitarbeiterstellen, wenn alle vorgesehenen Stellen besetzt und die laufenden Ausgaben gedeckt werden sollen.

Die Zahl klingt nach Entlassungen auf einen Schlag, bedeutet das laut TU aber ausdrücklich nicht automatisch. Wie viele bereits besetzte Stellen tatsächlich wegfallen, ist bislang offen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nach Angaben der Universität nicht geben. Was der Sparkurs für Studierende konkret heißt – etwa für Vorlesungen oder Seminare –, lässt die TU bisher ebenfalls offen.

Alle Bereiche sind betroffen

Die Einsparungen treffen nach Angaben der Universität alle Fakultäten und Struktureinheiten. An der bestehenden Struktur soll vorerst trotzdem nichts geändert werden: Die TU Chemnitz hat derzeit acht Fakultäten mit insgesamt 25 Instituten. Schließungen von Fakultäten sind zunächst nicht vorgesehen.

Der Blick auf die Studierendenzahlen macht die Lage zusätzlich knifflig. Nach neun Jahren rückläufiger Zahlen stieg ihre Zahl 2025 erstmals wieder an. Ausgerechnet jetzt wird beim Personal gespart. Für den Universitätsalltag kann das bedeuten, dass auslaufende Arbeitsverträge nicht verlängert und frei werdende Stellen nicht wiederbesetzt werden – auch wenn niemand eine Kündigung auf dem Tisch liegen hat.

Genau darauf weist das Aktionsbündnis gegen Kürzungen an der TU hin. Die Initiatoren aus TU-Angehörigen und Gewerkschaften werben mit der Petition „Bildung statt Kürzungen“. „Keine Kündigungen“ bedeute nicht zwangsläufig „kein Stellenabbau“, erklären sie. Auch auslaufende Arbeitsverträge und nicht wiederbesetzte Stellen könnten am Ende zu einem Personalabbau führen. Das Bündnis fordert Investitionen in Lehre und Personal statt Kürzungen.

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Teil eines sächsischen Finanzproblems

Die Chemnitzer Zahlen stehen nicht isoliert da. Sachsens Hochschulen und Universitäten erwarten wegen gekürzter Sonderzuweisungen finanzielle Probleme. Die Grundfinanzierung durch den Freistaat bleibt bestehen, zweckgebundene Mittel etwa für Gleichstellung und Modernisierungen werden jedoch gekürzt. Insgesamt sinken die Zuschüsse aus diesen Sonderzuweisungen um 20 Prozent.

Mehrere Hochschulen können das genaue Ausmaß noch nicht beziffern. Die Universität Leipzig rechnet mit einem Haushaltsdefizit von 16 Millionen Euro, die TU Chemnitz mit einem Defizit von mehreren Millionen Euro. Die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden erwartet einen Fehlbetrag von 600.000 Euro; unter anderem wurden Zuschüsse für ein Frauenförderprogramm gestrichen. Die Hochschule will das Programm nun selbst finanzieren.

In Mittweida beeinträchtigen die Kürzungen nach Angaben der Hochschulleitung die Weiterentwicklung des Studienangebots. Die Hochschule hat im Verhältnis zur Studierendenzahl ein kleineres Grundbudget und ist deshalb stärker auf Sonderzuweisungen angewiesen. Dort studieren mehr Studierende pro Lehrperson als an jeder anderen sächsischen Hochschule.

Die TU Dresden rechnet derzeit nicht mit einem Defizit. Ihr Budget wird zu großen Teilen durch Grundfinanzierung, Drittmittel und Exzellenzförderung getragen, die genaue Höhe der Kürzungen ist aber noch offen. Sonderzuweisungen für den Bauunterhalt sollen im aktuellen Doppelhaushalt entfallen, etwa für Gebäudereparaturen. Auch die Großgeräteförderung ist betroffen. Mittel für innovative Lehramtsformate und den Umzug von Instituten wurden bereits zugesagt.

Keine geplanten Kündigungen, aber offene Nachbesetzungen

Stellenabbau ist an keiner der genannten Hochschulen geplant. Gleichzeitig ist die Nachbesetzung frei werdender Stellen, etwa nach Renteneintritten, teilweise ungewiss. Für die TU Chemnitz heißt das: Die Sperrung bis 2029 kann sich schleichend bemerkbar machen, ohne dass am ersten Tag eine große Kündigungswelle beginnt.

Das Wissenschaftsministerium erklärt, die finanzielle Grundausstattung sowie erwartete Tarif- und Besoldungserhöhungen seien abgesichert. Steigende allgemeine Kosten müssen die Hochschulen dennoch selbst auffangen. Sie sollen ihre Lage analysieren und im Rahmen ihrer Autonomie interne Maßnahmen ergreifen – und entscheiden, welche zusätzlichen, nicht gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben künftig noch finanziert werden können.

Für Studierende bleibt damit vorerst vieles in der Schwebe: Die acht Fakultäten und 25 Institute bleiben bestehen, konkrete Folgen für Lehrveranstaltungen nennt die TU aber noch nicht. Während draußen die Petition „Bildung statt Kürzungen“ um Unterstützung wirbt, wird intern weiter gerechnet – mit Stellen, Millionen und Kursen, die irgendwann vielleicht fehlen könnten.