Am 23. Juni 2026 fand die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Mirjam Faissner an der Universität Lübeck statt. Der Vortrag, der unter dem Titel „Epistemische Ungerechtigkeit im Gesundheitswesen – Einzelfall oder strukturelles Problem?“ stand, zog eine Vielzahl von Interessierten in den Hörsaal des Instituts für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung. In ihrem Referat thematisierte Faissner den Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen Patient*innen und Fachpersonal in der Gesundheitsversorgung.

Ein zentrales Anliegen des Vortrags war die Analyse, warum sich viele Menschen im Gesundheitswesen oft nicht ernst genommen oder unverstanden fühlen. Prof. Faissner argumentierte, dass diese Erfahrungen eng mit strukturellen Mustern gesellschaftlicher Ungleichheit verknüpft sind. Besonders betroffen seien marginalisierte Gruppen, die häufig unter Stereotypisierungen und dem Ausschluss relevanten Wissens leiden, was ihre Gesundheitsversorgung beeinträchtigt.

Strukturelle Ungerechtigkeit im Gesundheitswesen

In einem breiteren Kontext beleuchtet das Projekt „Bioethik und strukturelle Ungerechtigkeit“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird und von 2024 bis 2027 laufen soll, die Herausforderungen im Gesundheitswesen. Geleitet von Dr. Regina Müller und Prof. Dr. Mirjam Faissner, zielt das Projekt darauf ab, Ansätze zur Untersuchung und Adressierung struktureller Ungerechtigkeit zu entwickeln. Hierbei liegt ein besonderes Augenmerk auf den Auswirkungen, die diese Ungerechtigkeiten auf marginalisierte Personengruppen haben.

Darüber hinaus werden in dem Projekt zahlreiche medizinethische Fragestellungen behandelt. Dazu zählen unter anderem die reproduktiven Rechte von queeren Menschen, sowie Themen wie struktureller Rassismus und Ableismus. Angesichts der COVID-19-Pandemie sind die monetären und strukturellen Ungleichheiten im Gesundheitssektor verstärkt ins Licht gerückt worden.

Interdisziplinäre Herangehensweise

Das Netzwerk, das sich mit diesen Themen auseinandersetzt, strebt eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Praktischer Philosophie, Medizinethik, Medizingeschichte, Gesundheitswissenschaften, Public Health, Soziologie und Gender Studies an. Eine wichtige Zielsetzung ist die wissenschaftliche Ausarbeitung einer Medizin- und Bioethik, die strukturelle Gerechtigkeit adressiert und auf aktuelle Problemstellungen im Gesundheitswesen anwendbar ist.

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Zudem plant das Netzwerk eine Reihe von Veranstaltungen, darunter Workshops und eine internationale Abschlusstagung, um die gewonnenen Erkenntnisse zu teilen. Die Resultate sollen in einem Special Issue veröffentlicht werden und sind auch in Form von multimedialen Blogeinträgen und einer öffentlichen Vorlesungsreihe zugänglich.

Zusammenfassend wird deutlich, dass sowohl die Antrittsvorlesung von Prof. Faissner als auch das Projekt zur strukturellen Ungerechtigkeit einen wesentlichen Beitrag zur aktuellen Debatte über Gerechtigkeit im Gesundheitswesen leisten. Sie bieten Denkanstöße und Handlungsmöglichkeiten, um die Bedingungen für marginalisierte Gruppen zu verbessern und eine gerechtere Gesundheitsversorgung zu fördern.