Universität des Saarlandes spricht Ehrenwürden nach NS-Aufarbeitung ab
Am 24. Juni 2026 entschied der Senat der Universität des Saarlandes, in 13 Fällen Ehrensenatorenschaften und Ehrenbürgerschaften symbolisch-deklaratorisch abzuerkennen. Diese Maßnahme ist das Resultat eines mehrjährigen Aufarbeitungsprozesses, der sich intensiv mit den Ehrenwürden und ihrer Belastung aus der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Der Senat ist zu dem Schluss gekommen, dass die betroffenen Personen heutiger Maßstäbe nach nicht mehr als ehrungswürdig gelten können. In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere Ehrungen aberkannt, darunter die Ehrensenatorenwürde von Heinrich Welsch im Jahr 2018 und die Ehrenbürgerwürde von Max Obé im Juli 2022.
Auch von der Ehrensenatorenwürde an Ernst Röchling distanzierte sich die Universität im Juli 2022. Der Senat ordnete eine grundlegende Überprüfung sämtlicher verliehener Ehrenwürden an und beauftragte PD Dr. Rainer Möhler mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts. Im Herbst 2025 wurden die Ergebnisse dieser Aufarbeitung in einem umfassenden Gutachten vorgelegt. Die Kommission, die zu diesem Zweck eingesetzt wurde, formulierte Empfehlungen für den Umgang mit diesen Erkenntnissen. Laut Informationen von uni-saarland.de umfasst das Gutachten von Dr. Möhler rund 100 Seiten und behandelt die politisch-moralischen Belastungen der betroffenen Ehrenwürdenträger während des Nationalsozialismus.
Ergebnisse der Aufarbeitung
In den Jahren von 1961 bis 2019 verlieh die Universität insgesamt 29 Ehrensenatoren-, 11 Ehrenbürger- und 5 Ehrenmedaillen. Bei der Überprüfung dieser Ehrenwürdenträger stellte sich heraus, dass 16 von 45 Trägern Hinweise auf NS-Belastungen aufwiesen. Diese 16 Personen wurden einer genaueren Betrachtung unterzogen, wobei letztendlich 13 Fälle genau analysiert wurden. Die belasteten Ehrenwürdenträger und ihre Verstrickungen sind vielfältig:
- Dr. Carl Erich Alken: SA-Mitglied, NSDAP-Mitglied.
- Luitwin von Boch-Galhau: Verantwortung für Zwangsarbeit.
- Walter Braun: NSDAP-Mitglied.
- Erich Eilebrecht-Kemena: Nutznießer der „Arisierung“.
- Franz Funk: Früher NSDAP-Mitglied.
- Dr. Kurt Heinen: NSDAP-Mitglied, mutmaßlicher „Arisierungsgewinner“.
- Hans Kuhn: NSDAP- und SA-Mitglied.
- Dr. Eduard Martin: Profiteur der antisemitischen Personalpolitik.
- Hermann Mühlenberg: Aktiver Nationalsozialist.
- Dr. Ernst-Heinz Schäfer: NSDAP-Mitglied, Engagement in der SA.
- Dr. Kurt Schluppkotten: Früher Nationalsozialist, wirtschaftliche Ausbeutung in besetzten Gebieten.
- Paul Simonis: Starkes Bekenntnis zum Nationalsozialismus.
- Egon Ulmschneider: NSDAP- und SS-Mitglied.
Verantwortung und Reflexion
Die Sprecherin des Senats, Prof. Dr. Astrid Fellner, unterstreicht die Verantwortung der Universität, sich kritisch mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Dies sei ein notwendiger Schritt, um transparent mit der Vergangenheit umzugehen und die eigenen Werte zu reflektieren. Universitätspräsident Ludger Santen betont, dass die Entscheidung zur Aberkennung von Ehrwürdenträgern kein Urteil über deren Lebensleistungen darstellt. Vielmehr bezieht sie sich auf die Beteiligung dieser Personen an NS-Unrecht und deren Rolle in einem Regime, das unermessliches Leid verursacht hat. Diese Maßnahmen sind Teil eines kontinuierlichen Prozesses der Reflexion und Aufarbeitung an der Universität. uni-saarland.de berichtet, dass dies ein wichtiger Beitrag zur historisch-kritischen Bildung sei, die auch zukünftigen Generationen zugutekommen soll.
