Am Standort Bochum beginnt heute, am 15.10.2026, ein Forschungsprojekt, das sich mit einer der tückischsten medizinischen Notlagen beschäftigt: An der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen startet das Graute-Oppermann-Graduiertenkolleg „PhaSe“ zur Sepsis-Forschung. Beteiligt sind Wissenschaftler:innen der Ruhr-Universität Bochum.

Finanziert wird das Kolleg drei Jahre lang mit 150.000 Euro von der Drs. Graute und Graute Oppermann-Stiftung. Initiiert wurde es von den Essener Wissenschaftlern Prof. Dr. Thorsten Brenner und Prof. Dr. Mirko Trilling. Der Name „PhaSe“ steht für „Phasenübergreifende Sepsis-Forschung: Prädisponierende Faktoren, akute Erkrankungsphase, Spätfolgen“ – also für den Blick vor, während und lange nach der akuten Erkrankung.

Forschung über drei Krankheitsphasen hinweg

Die 17 Doktorand:innen forschen in sieben Themenfeldern. Sie untersuchen Faktoren, die das Risiko für eine Sepsis beeinflussen, Vorgänge während der akuten Erkrankungsphase und langfristige Folgen nach einer Sepsis. Grundlagenforschung, klinische Forschung und translationale Ansätze werden dabei miteinander verbunden.

Einbezogen sind Forschungsschwerpunkte des Universitätsklinikums Essen: Herz- und Kreislauferkrankungen, Immunologie und Infektiologie, Onkologie, translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften sowie Transplantation. Von der RUB wirken Prof. Dr. Nina Babel und Prof. Dr. Michael Adamzik mit. Ihr Schwerpunkt liegt auf Störungen des Immunsystems einschließlich Sepsis.

Für die Medizinischen Fakultäten der UDE und der RUB bedeutet das Kolleg mehr Zusammenarbeit innerhalb der Universitätsallianz Ruhr. Zugleich soll es den wissenschaftlichen ärztlichen Nachwuchs fördern. Promovierende können für fächerübergreifende Forschungsprojekte vom Regelstudium freigestellt werden. Die Stiftung unterstützt seit 2018 interdisziplinäre klinische Forschung an der Medizinischen Fakultät der UDE.

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Wenn eine Erkältung plötzlich lebensgefährlich wird

Wie schnell eine Sepsis alles verändert, zeigt die Geschichte von Fabian. Der zuvor gesunde junge Mann erkrankt an einer bakteriellen Infektion mit Streptococcus pyogenes, die zunächst wie eine harmlose Erkältung wirkt. In der folgenden Nacht verschlechtert sich sein Zustand innerhalb kurzer Zeit dramatisch: Fabian erleidet einen septischen Schock, innerhalb weniger Stunden kommt es zum Multiorganversagen.

Per Hubschrauber wird er ins Universitätsklinikum Essen gebracht. Auf der Intensivstation schließen ihn die Ärzte an eine ECMO, eine künstliche Lunge, an und versetzen ihn ins künstliche Koma. Zahlreiche Medikamente sollen seine Körperfunktionen aufrechterhalten. Der Schockzustand und die Toxine des Erregers führen jedoch zu einer Minderdurchblutung; schließlich sterben seine Extremitäten ab.

Nach 20 Tagen wacht Fabian auf. Er erlebt, wie seine Arme und Beine weiter absterben. Wegen eines Luftröhrenschnitts kann er zunächst nur mit den Augen kommunizieren. Er verliert 45 Kilogramm, bekommt Panikattacken und leidet unter schweren Schlafproblemen. Familie, Freunde und das Team der Intensivstation helfen ihm, seinen Lebensmut zu bewahren. Schließlich steht fest: Beide Arme und sein linkes Bein müssen amputiert werden.

Was hinter dem Erreger steckt

Der RKI-Ratgeber zu Streptococcus pyogenes richtet sich an medizinische Fachkreise und den Öffentlichen Gesundheitsdienst. Er wurde erstmals 2000 veröffentlicht, im Mai 2018 überarbeitet und zuletzt 2019, 2023 sowie im Februar 2024 aktualisiert.

S. pyogenes sind grampositive, ketten- oder paarweise angeordnete Kokken und gehören zu den β-hämolysierenden Streptokokken. Sie werden als Gruppe-A-Streptokokken, kurz GAS, bezeichnet. Identifizieren lassen sie sich serologisch, molekularbiologisch, massenspektrometrisch oder biochemisch. Für die epidemiologische Typisierung werden unter anderem emm-Gen-Analysen genutzt; zunehmend kommen Gesamtgenomsequenzierungen hinzu. Unterschiedliche Virulenzgene beeinflussen, welche Gewebe der Erreger befällt, wie invasiv er vorgeht und wie er die Wirtsabwehr umgeht.

Der Mensch ist das Hauptreservoir, S. pyogenes ist nahezu ausschließlich humanpathogen. Viele Menschen tragen die Bakterien, ohne Beschwerden zu haben. Die Trägerrate hängt von Alter und Jahreszeit ab; in gemäßigten Klimazonen sind im Winter besonders Kinder betroffen. Streptokokken-Pharyngitiden kommen weltweit vor, vor allem bei 6- bis 12-Jährigen. Für Deutschland werden jährlich etwa 1–1,5 Millionen Fälle geschätzt. Häufiger ist die Erkrankung im Winter und Frühjahr.

Hunde und Katzen können bei engem Kontakt mit infizierten Halter:innen besiedelt werden. In Schleim- oder Blutresten bleibt der Erreger auf trockenen Oberflächen bis zu mehreren Monaten infektiös, vermehren kann er sich dort allerdings nicht. Pharyngitis wird überwiegend direkt oder indirekt übertragen, seltener über Tröpfchen oder Aerosole und nur selten über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser. Bei Pyodermien erfolgt die Übertragung durch Kontakt. Enges Zusammenleben in Schulen, Kasernen oder Heimen erleichtert die Ausbreitung; die Inkubationszeit beträgt meist ein bis drei Tage.

Das Spektrum reicht von lokalen eitrigen Infektionen über generalisierte und toxinvermittelte Erkrankungen bis zu immunologisch bedingten Folgeerkrankungen. Eine Tonsillopharyngitis kann Halsschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Unwohlsein verursachen, bei Kindern außerdem Bauchschmerzen und Erbrechen. Sinusitis, Otitis media und Pneumonie sind möglich; als wichtigste lokale Komplikation gilt der Peritonsillarabszess.

Auf der Haut können Impetigo contagiosa, Erysipel, Zellulitis, nekrotisierende Fasziitis oder Myositis auftreten. Impetigo zeigt sich typischerweise durch Pusteln und Krusten im Gesicht oder an den Beinen, meist ohne Fieber und ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Ko-Infektionen mit Staphylococcus aureus sind möglich. Streptokokken-Pyodermien treten vor allem in tropischen und subtropischen Regionen bei Kleinkindern auf und hängen stark mit Hygiene und sozioökonomischen Bedingungen zusammen.

Gelangen die Bakterien in die Blutbahn, kann eine Sepsis entstehen. Die Puerperalsepsis ist insbesondere in weniger entwickelten Ländern relevant. Beim Scharlach treten meist Angina und ein durch pyrogene Exotoxine ausgelöster Ausschlag auf: Das kleinfleckige Exanthem beginnt am ersten oder zweiten Krankheitstag am Oberkörper, spart Handflächen und Fußsohlen aus, verschwindet nach sechs bis neun Tagen und wird anschließend von groblamellärer Abschuppung gefolgt. Wiederholte Erkrankungen sind möglich, weil die Immunität toxinbezogen ist.

Besonders gefährlich ist das Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom, kurz STSS. Superantigene aktivieren polyklonal bis zu 20 Prozent der zirkulierenden T-Zellen. Schock und Multiorganversagen führen zu einer Letalität von etwa 30 Prozent – frühe Diagnose ist entscheidend. Zu den möglichen Folgeerkrankungen zählen akutes rheumatisches Fieber, akute Glomerulonephritis sowie neurologische Auffälligkeiten wie Athetosen und Chorea minor. Das rheumatische Fieber folgt nur auf Racheninfektionen, im Durchschnitt nach einer symptomfreien Latenz von etwa 19 Tagen. Eine akute Glomerulonephritis tritt nach Racheninfektionen im Mittel nach zehn Tagen, nach Hautinfektionen nach ungefähr drei Wochen auf. Neurologische Folgeerscheinungen beginnen typischerweise nach wenigen Wochen.

Diagnose, Behandlung und Schutz

Unbehandelte akute Infektionen können bis zu drei Wochen ansteckend sein, bei eitrigen Ausscheidungen länger. Nach wirksamer Antibiotikatherapie endet die Kontagiosität bei Racheninfektionen nach 24 Stunden; für Weichteilinfektionen wird eine ähnliche Zeitspanne angenommen.

Bei Kindern über drei Jahren mit Halsschmerzen, stark geschwollenen Halslymphknoten und Fieber wird ein Erregernachweis im Allgemeinen empfohlen. Bei Kindern unter drei Jahren, Erwachsenen und vorwiegend viralen Symptomen wie Rhinitis, Heiserkeit, Husten oder Mundulzera meist nicht. Geeignet sind Rachenabstriche;