Heute, am 5.11.2026, richtet sich der Blick an der TU Berlin bereits auf die nächste große US-Wahl. Die Demokraten haben bei den US-Parlamentswahlen einen deutlichen Erfolg gegen die Republikaner von Präsident Donald Trump gefeiert. Doch der Jubel dürfte nicht lange reichen: Für die Partei beginnt jetzt die schwierigere Frage, wie sich dieser Rückenwind für die Präsidentschaftswahl 2028 nutzen lässt.

Die Wahl findet nach den Zwischenwahlen im November 2026 statt. Trump darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten, die Republikaner müssen also einen neuen Kandidaten bestimmen. Als mögliche Bewerber gelten derzeit Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio. Bei den Demokraten gibt es dagegen noch keinen klaren Favoriten. Das parteiinterne Rennen dürfte erst nach den Zwischenwahlen richtig anlaufen – obwohl sich mehrere mögliche Bewerber schon jetzt in Stellung bringen.

Moderate Linie oder umfassender Kurswechsel?

Im Zentrum des demokratischen Streits steht die künftige politische Ausrichtung. Einen moderateren Kurs vertreten unter anderem Gretchen Whitmer und Andy Beshear. Der linke Flügel um Alexandria Ocasio-Cortez und Abdul El-Sayed fordert dagegen umfassende Sozialreformen: eine allgemeine gesetzliche Krankenversicherung und höhere Investitionen in den Klimaschutz gehören zu den zentralen Forderungen.

Wie offen dieses Rennen ist, zeigte sich bereits bei den Vorwahlen. In Wisconsin gewann der moderatere David Crowley, in Michigan setzte sich der linke Kandidat Abdul El-Sayed durch. Für Laura von Daniels von der SWP ist das ein Hinweis darauf, dass ein linkes Profil Wahlerfolge nicht grundsätzlich verhindert. Cathryn Clüver Ashbrook warnt allerdings, Flügelkämpfe könnten mit Blick auf die Präsidentschaftswahl in zwei Jahren zum Problem werden.

Die Democratic Socialists of America, kurz DSA, bleiben innerhalb der Demokraten eine Minderheit. Trotzdem verschieben sie die Debatte. Sie mobilisieren vor allem jüngere Wähler und stärken soziale Themen, sagt der USA-Experte Josef Braml. Zugleich seien sie „Bereicherung und Belastung“: Republikaner könnten die gesamte Demokratische Partei als sozialistisch und weltfremd darstellen. Laura von Daniels erwartet deshalb eine Verschärfung des innerparteilichen Machtkampfs. Dazu kommt die Frage, ob der Generationenwechsel gelingt. Viele Talente gibt es, meint Braml, aber noch keine überzeugende Führungsfigur.

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Ein weiterer Konflikt führt direkt nach Israel. Linke Demokraten kritisieren die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und stellen auch US-Waffenlieferungen an Israel infrage. Diese Debatte dürfte die Partei in den kommenden Monaten beschäftigen – ebenso wie die Kriege im Gazastreifen und im Iran.

Wer für 2028 schon auf der Rampe steht

Jon Ossoff gilt als einer der Namen für die Zukunft. Der 39-jährige Senator aus Georgia ist politisch eher der Mitte zuzuordnen, war früher Journalist und wurde wiederholt als Hoffnungsträger sowie möglicher Präsidentschaftsanwärter bezeichnet.

Alexandria Ocasio-Cortez ist die bekannteste Stimme des linken Flügels. Die 36-jährige Kongressabgeordnete aus New York bezeichnet sich als demokratische Sozialistin und arbeitet eng mit Senator Bernie Sanders zusammen. Mit ihrem Einsatz für mehr soziale Gerechtigkeit erreicht sie viele demokratische Anhänger; bei öffentlichen Auftritten wird sie häufig mit den Initialen „AOC“ gefeiert. Eine Kandidatur schließt sie nicht aus, offiziell angekündigt hat sie sie bislang nicht. „Mein Ziel ist es, dieses Land zu verändern“, sagte sie. Innerhalb der Partei bezweifeln allerdings manche, dass sie mit ihren Positionen eine Mehrheit der US-Amerikaner überzeugen könnte.

Wes Moore, Gouverneur von Maryland, ist landesweit bekannt, kommunikativ stark, pragmatisch und sozial orientiert. Er versucht, gesellschaftspolitisch linkere Positionen mit moderaten Strömungen und Rücksicht auf Unternehmen zu verbinden. Eine Kandidatur hat er inzwischen ausgeschlossen. Gretchen Whitmer, Gouverneurin von Michigan, hat Spekulationen über eigene Ambitionen wiederholt heruntergespielt.

James Talarico, neuer Senator von Texas, muss sich laut Braml zunächst auf Bundesebene bewähren. Abdul El-Sayed könnte wegen seiner linken Positionen Schwierigkeiten haben, landesweit genügend Unterstützung zu gewinnen. So bleibt vorerst ein ziemlich volles Feld ohne klare Nummer eins.

Die Gouverneure und die langen Schatten der Vorwahl

Andy Beshear ist 48 Jahre alt, Gouverneur von Kentucky und in seiner zweiten Amtszeit. Kentucky wird überwiegend von Republikanern regiert; Trump gewann den Bundesstaat 2024 mit mehr als 30 Prozentpunkten Vorsprung vor Harris. Seit 2026 ist Beshear Vorsitzender der Vereinigung demokratischer Gouverneure. Auf eine mögliche Präsidentschaftskandidatur angesprochen, sagte er, er fühle sich bei dem Gedanken wohl. Das klingt vorsichtig – aber nicht nach Rückzug.

Gavin Newsom, 58-jähriger Gouverneur von Kalifornien, wird bereits länger als möglicher Kandidat genannt. Nach zwei Amtszeiten darf er im Herbst nicht erneut als Gouverneur antreten. Newsom gehört zu den bekanntesten Demokraten und kritisierte Trump zuletzt wiederholt scharf, unter anderem im Februar auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Nach den Zwischenwahlen will er sich ernsthaft mit einer Kandidatur 2028 befassen.

J. B. Pritzker, 61-jähriger Gouverneur von Illinois, konzentriert sich zunächst auf seine Wiederwahl im Herbst. Eine spätere Präsidentschaftskandidatur schließt er nicht aus. Mit Blick auf 2028 will er sich stärker engagieren, weil die Demokraten nach seiner Ansicht nicht verlieren dürften. Zuletzt kritisierte er landesweit Trumps harte Einwanderungspolitik. Pritzker ist Erbe des Hyatt-Hotelimperiums und als Milliardär weniger auf Wahlspenden angewiesen. Genau das könnte aber zum Problem werden: Seine Herkunft aus einem wohlhabenden Umfeld lädt zu der Kritik ein, er habe keinen Bezug zu den wirtschaftlichen Sorgen vieler Amerikaner.

Josh Shapiro, 52, regiert Pennsylvania, einen für Präsidentschaftswahlen wichtigen Swing State. Trump gewann Pennsylvania 2024, Shapiros persönliche Beliebtheit blieb davon laut Artikel jedoch unberührt. Im Herbst strebt Shapiro seine Wiederwahl an, danach will er sich an der Debatte über die politische Richtung der USA beteiligen. Als jüdischer, pro-israelischer Demokrat könnte er wegen der wachsenden Kritik innerhalb der Partei an Israel und den Kriegen im Gazastreifen und im Iran unter Druck geraten.

Auch Mark Kelly hält sich eine Tür offen. Der 62-jährige ehemalige Astronaut und Marinepilot ist Senator für Arizona, einen wichtigen Swing State, und bei Wahlspendern beliebt. Als Vertreter des konservativeren Parteiflügels könnte er allerdings auf Widerstand beim progressiveren Teil der demokratischen Basis stoßen.

Kamala Harris wäre eine Kandidatin mit ungewöhnlich langer Vorgeschichte. Die 61-jährige ehemalige Vizepräsidentin verlor 2024 gegen Trump, nachdem sie spät als Ersatz für Joe Biden kandidiert hatte. Bereits 2020 hatte sie sich erfolglos um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bemüht. Eine erneute Bewerbung wäre ihr dritter Anlauf. Auf entsprechende Fragen sagte sie kürzlich: „Vielleicht, vielleicht. Ich denke darüber nach.“

Trump, der Kongress und ein enger Handlungsspielraum

Auch Donald Trumps Politik könnte die Ausgangslage für 2028 prägen. Seine aggressive Zollpolitik und der unbeliebte Iran-Krieg hätten die Lebenshaltungskosten erhöht. Unzufriedenheit mit dem Regierungsstil des 80-jährigen Trump trug dazu bei, dass Republikaner auch in Rennen mit zuvor besseren Erfolgsaussichten verloren.

Entscheidend wird sein, ob Trump in den kommenden zwei Jahren mit dem Kongress zusammenarbeitet oder ihn weiterhin umgeht. Die neuen Mehrheiten der Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus werden erst mit Beginn der neuen Legislaturperiode Anfang Januar wirksam. Wie viel ihrer politischen Agenda sie dann umsetzen können, ist offen. Die angespannte Finanzlage der USA begrenzt den Spielraum, außerdem kann Trump Gesetzesvorhaben mit seinem Veto blockieren.

Ein Blick zurück macht die amerikanische Wahlmechanik nicht übersichtlicher, aber greifbarer: Joe Biden gewann die US-Präsidentschaftswahl 2020 und wurde der 46. Präsident der Vereinigten Staaten. Kamala Harris wurde als erste Frau Vizepräsidentin der USA. Um 03:30 Uhr endete damals der Liveblog nach der Siegesrede von Biden und Harris.

In den folgenden Tagen und Wochen standen unter anderem die Ergebnisse der Bundesstaaten auf dem Programm, besonders die finalen Resultate in Georgia, North Carolina, Arizona und Alaska, außerdem die Wahlen zum US-Senat und zum US-Repräsentantenhaus, das weitere Vorgehen von Donald Trump und den Republikanern sowie Bidens schrittweise