Am 8. Juni 2026 planen 15 Studierende der Europa-Universität Viadrina und der Touro University Berlin eine Exkursion nach Lublin und Umland, die vom 15. bis 20. Juni stattfinden soll. Diese Bildungsreise erfolgt in Zusammenarbeit mit der französischen Organisation Yahad-In Unum und hat das Ziel, neue Belege für Massenerschießungen von Jüdinnen und Juden in Ostpolen zu untersuchen. Die Teilnehmer werden dabei auch mit Zeitzeug*innen sprechen, was einen tiefen Einblick in die erlebte Geschichte ermöglicht. Führend sind Dr. habil. Frank Grelka und Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt, die die Exkursion im Rahmen eines Seminars leiten.

Das Programm beinhaltet Besuche bei wichtigen Gedenkstätten wie Majdanek und Bełżec sowie der Geschichtsinitiative Brama Grodzka. Diese Orte sind nicht nur geschichtsträchtig, sondern auch zentral für die Auseinandersetzung mit der Gedenkkultur und dem Erhalt materieller Spuren der Vergangenheit. Dr. Grelka, als Osteuropa-Historiker und Spezialist für die deutsche Besatzung Polens, sowie Prof. Lehnstaedt, Experte für Holocaust-Studien, werden die Diskussionen leiten, um die persönliche Dimension des Verbrechens aufzuarbeiten.

Der Holocaust durch Kugeln

In der Rahmen dieser Exkursion wird auch das Thema des „Holocaust durch Kugeln“ behandelt, eine systematische Vernichtungsstrategie des NS-Regimes, bei der etwa zwei Millionen Juden zwischen 1941 und 1945 durch Massenerschießungen ums Leben kamen. Diese Verbrechen, die vor allem in eroberten Gebieten der Sowjetunion, wie in Kiew und Kamjanez-Podilskyj, stattfanden, stellen einen grausamen Höhepunkt der nationalsozialistischen Gewalt gegen jüdische Menschen dar. Die Massenerschießungen wurden oft von SS- und Polizeieinheiten durchgeführt, unterstützt durch lokale Hilfstrupps und Zivilisten, und fanden häufig tagsüber in großen Gruppen statt.

Die größten Massaker, wie das an 33.771 Juden in Babyn Jar, wurden unweit von Kiew verübt. Dort, am 29. und 30. September 1941, wurden jüdische Bürger unter dem Vorwand einer Umsiedlung versammelt und dann in eine Schlucht getrieben sowie erschossen. Diese Gräueltaten sind ein zentraler Bestandteil des Holocaust, der oft von der Öffentlichkeit weniger Beachtung fand als die Geschehnisse in Ghettos oder Konzentrationslagern.

Gedenken und Erinnerung

Die Exkursion dient nicht nur der historischen Aufarbeitung, sondern auch der kritischen Reflexion über die Überreste dieser schmerzhaften Kapitel in der Geschichte. Darüber hinaus ist sie Teil der beständigen Bemühungen, die Erinnerung an die Massenmorde wachzuhalten und die Gedenkkultur im deutsch-polnischen Kontext zu stärken. Dies ist besonders wichtig, da viele der Opfer in der Heimat ihrer Mörder ermordet wurden und die Aufarbeitung dieser Verbrechen lange Zeit eine untergeordnete Rolle in der Erinnerungspolitik spielte. Das Massaker von Babyn Jar wurde beispielsweise erst spät in der kollektiven Erinnerung der Gesellschaft verankert und führte zu einem geringeren Bewusstsein für die Massenerschießungen im Allgemeinen.

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Die Exkursion wird durch die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, die Kulturwissenschaftliche Fakultät der Europa-Universität Viadrina und den Förderkreis der Universität gefördert. So entsteht ein Rahmen, in dem junge Menschen nicht nur das Wissen über historische Ereignisse erlangen, sondern auch die Bedeutung des Gedenkens und der Übertragung dieses Wissens in die Zukunft begreifen können. Diese Art von Lehre ist integraler Bestandteil der Mission der Viadrina zur Förderung von Verständnis und Toleranz in einer multikulturellen Gesellschaft.