Wälder spielen eine wesentliche Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. In der Europäischen Union bedecken sie etwa 40% der Landfläche und absorbieren jährlich rund 280 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Dies ist insbesondere wichtig angesichts der EU-Klimaziele, die sich bis 2050 auf CO₂-Neutralität konzentrieren. Eine aktuelle Übersichtsarbeit, geleitet von Prof. Dr. Mana Gharun von der Universität Münster, zeigt jedoch alarmierende Trends: Die Kohlenstoffaufnahme der Wälder hat sich zwischen 2010 und 2020 um fast ein Drittel verringert – von 466 auf 295 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente jährlich (Universität Münster).

Diese Veränderungen stehen im Zusammenhang mit einer Reihe von Faktoren. Während sich individuelle Veränderungen wie steigende Temperaturen, erhöhte CO₂-Werte und zusätzliche Stickstoffeinträge überwiegend vorhersehbar verhalten, wirken sie selten isoliert. Besonders entscheidend ist die Kombination von Erwärmung und Dürre, die die Kohlenstoffaufnahme signifikant verringern kann. Auch extreme Wetterereignisse, wie die Wintererwärmung 2020, haben negative Auswirkungen auf die Netto-Kohlenstoffaufnahme in den europäischen Wäldern. Weiterhin zeigen Modellprognosen, dass mehr als ein Drittel der europäischen Waldflächen durch Frostschäden gefährdet ist (Helmholtz Zentrum für Klimaforschung).

Abnehmende Kohlenstoffsenke

Die Fähigkeit der Wälder, als Kohlenstoffsenke zu wirken, nimmt jedoch nicht nur aufgrund des Klimawandels ab. Ein anderer Faktor ist die zunehmende Holzernte, die in den letzten Jahren verstärkt zur Energiegewinnung genutzt wird. Diese Entwicklung, gemeinsam mit den bereits erwähnten klimatischen Extremereignissen wie Dürre, Schädlingsbefall, starker Wind und Waldbrände, gefährdet die Rückhaltfähigkeit der Wälder. Zwischen 1990 und 2022 gelang es den Wäldern in der EU, etwa 10% der menschengemachten CO2-Emissionen zu absorbieren. In den letzten Jahren ist jedoch ein steiler Rückgang zu beobachten, und die durchschnittliche Kohlenstoffsenke sank zwischen 2020 und 2022 um etwa 27% im Vergleich zu dem Zeitraum von 2010 bis 2014 (GFZ Helmholtz-Zentrum).

Besondere Beachtung verdient die Tatsache, dass Monokulturen, die etwa 30% der Waldfläche in der EU ausmachen, weniger widerstandsfähig gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels sind. Um den Rückgang der Kohlenstoffaufnahme zu stoppen, sind tiefgreifende Änderungen in der Waldbewirtschaftung erforderlich. Dazu zählen verbesserte Methoden der Holzernte sowie eine verstärkte Überwachung der Kohlenstoffspeicher und der allgemeinen Waldgesundheit.

Forschungsbedarf und politische Maßnahmen

Die aktuelle Situation stellt auch die politischen Entscheidungsträger vor große Herausforderungen. Um zuverlässige Prognosen über Kohlenstoffflüsse zu erstellen und die Auswirkungen von extremen Wetterereignissen besser zu verstehen, fordern Experten dringend hochauflösende Satellitenbilder und kontinuierliche Luftbilddaten zur Waldüberwachung. Dies umfasst auch die Notwendigkeit, Wissenslücken in der Überwachung und Modellierung europäischer Wälder zu schließen. Künftige Maßnahmen müssen integrative Ansätze zur Berücksichtigung von ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten beinhalten, um die Kohlenstoffsenke zu schützen oder sogar zu vergrößern (Helmholtz Zentrum für Klimaforschung).

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