Antje Boetius, eine der führenden Tiefsee- und Polarforscherinnen, wurde kürzlich mit zwei bedeutenden Auszeichnungen gewürdigt: dem Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste sowie dem Großen Verdienstkreuz mit Stern. Diese Ehrungen spiegeln ihre herausragenden Leistungen in der Meeresforschung wider, die international geschätzt werden. Der Orden Pour le mérite ist eine der angesehensten Auszeichnungen für Wissenschaft und Kunst in Deutschland, während das Große Verdienstkreuz mit Stern zu den höchsten staatlichen Auszeichnungen der Bundesrepublik gehört. Die Verleihung fand in Anwesenheit zahlreicher Ordensmitglieder statt, was Boetius als besonders wertvollen Teil ihres Erfolgs ansah.
Die Auszeichnungen wurden Boetius persönlich vom Bundespräsidenten überreicht. In ihrer Ansprache betonte sie die Bedeutung des Austauschs mit den anderen Ordensmitgliedern und würdigte die Unterstützung ihrer Wegbegleiter, einschließlich der Freien Hansestadt Bremen. Jutta Günther, die Rektorin der Universität Bremen, gratulierte Boetius und hob ihre Verdienste nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Gesellschaft hervor.
Forschung und Karrierestationen
Antje Boetius ist als Kooperationsprofessorin an der Universität Bremen sowie als Principal Investigator am Exzellenzcluster “Der Ozeanboden”, koordiniert durch MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, tätig. Ihre Forschungsarbeit hat das Verständnis für die biologischen Vielfalt und Stoffkreisläufe in Ozeanen erheblich erweitert. Besonders bemerkenswert sind ihre Ergebnisse zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Biogeochemie und Biodiversität des Pazifischen Ozeans. Ihr Wechsel zur Rolle der Präsidentin des Monterey Bay Aquarium Research Instituts (MBARI) in Kalifornien seit Mai 2025 kennzeichnet einen bedeutenden Schritt in ihrer Karriere.
Boetius war von 2017 bis 2025 Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Sie nahm an rund 50 Expeditionen auf internationalen Forschungsschiffen teil und leitet Forschungsgruppen, die sich mit der Entdeckung unbekannter Lebensräume der Tiefsee beschäftigen. Hierbei konzentriert sie sich auf extreme Lebensgemeinschaften unter Eis, an Seebergen und Schlammvulkanen.
Engagement für nachhaltige Forschung
In ihrer Rolle als Wissenschaftlerin und Vorreiterin engagiert sich Boetius auch für transdisziplinäre Forschungsansätze zur Erhaltung der Tiefsee. Der Schutz dieser einzigartigen Ökosysteme ist von wachsender Bedeutung, da menschliche Aktivitäten wie Fischerei, Ölförderung und der potenzielle Tiefseebergbau zunehmend bedrohen. Der Klimawandel setzt den Tiefsee-Ökosystemen ebenfalls zu, wie die Arbeitsgruppe „Deep Sea and Ocean Health“ des European Marine Board (EMB) feststellt. Laut deren Bericht, in dem die Tiefsee ab einer Tiefe von 200 Metern definiert wird, machen die Tiefsee-Ökosysteme etwa 90 Prozent des Ozeanvolumens aus und sind entscheidend für die globale biologische Vielfalt.
Die Forschungsgruppen, die Boetius leitet, arbeiten an der Analyse der Rolle der mikrobiellen Biodiversität im Meer. Jüngste Empfehlungen der EMB umfassen die Einrichtung eines internationalen Komitees für Tiefsee-Nachhaltigkeit sowie die Entwicklung standardisierter Methoden zur Umweltverträglichkeitsprüfung. Zudem sollten langfristige Tiefsee-Monitoring-Projekte zur Erfassung und zum Schutz der marinen Umwelt weiter gefördert werden. Boetius‘ Leidenschaft für die Themen gewährt ihr nicht nur Respekt in der wissenschaftlichen Gemeinschaft, sondern auch in der Gesellschaft, wo sie sich für Diversität und Chancengleichheit in der Wissenschaft einsetzt.
Ihre beeindruckende Karriere und die neuen Anerkennungen stehen sinnbildlich für das Engagement und die Innovation in der Meeresforschung. Antje Boetius nimmt eine zentrale Rolle in der Wissenschaft ein, und ihr Einsatz für den Schutz der Ozeane wird weiterhin von großer Bedeutung sein.
Für weitere Informationen über ihre beeindruckenden Arbeiten und die Herausforderungen der Tiefsee siehe uni-bremen.de, awi.de und geomar.de.