Werner Rothmaler (1908–1962) war eine herausragende Persönlichkeit in der ostdeutschen Botanik und ein bedeutender Pflanzensystematiker. Er leitete von 1953 bis 1962 das Institut für Agrarbiologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Seine Liebe zur Botanik zeigte sich bereits in seiner Schulzeit, als er das Gymnasium ohne Abitur abbrach und eine Gärtnerlehre in Weimar und Potsdam begann. Rothmaler war bekannt für seine „Exkursionsflora“, ein fundamentales Werk in der Pflanzensystematik, das Wissenschaftler und Studierende in ihrer praktischen Arbeit unterstützte. Diese Veröffentlichung stellte sicher, dass wissenschaftliche Genauigkeit in der Pflanzenbestimmung auch für Laien zugänglich war.
Der Botaniker bereitete bereits 1930 eine Forschungsreise nach Spanien vor, die entscheidend für seine spätere Karriere werden sollte. Von 1933 bis 1940 arbeitete er unter schwierigen Bedingungen auf der Iberischen Halbinsel und entwickelte sich zu einem exzellenten Kenner der spanischen Flora. Diese Jahre bildeten das Fundament seiner wissenschaftlichen Laufbahn, die 1953 mit dem Ruf nach Greifswald begann. Nach seinem Tod hinterließ Rothmaler ein Erbe, das durch präzise Beschreibungen und eine klare Nomenklatur die Pflanzensystematik und Floristik Mitteleuropas maßgeblich prägte.
Wissenschaftlicher Werdegang und internationale Vernetzung
Die neue Biografie von Henry Witt, Sabine Witt und Susanne Dotzer beleuchtet Rothmalers umfangreichen wissenschaftlichen Schriftwechsel sowie seine internationale Vernetzung. Diese Publikation ergänzt frühere Ausgaben mit neuen Quellen, darunter Archivunterlagen und persönliche Einträge, die ein klareres Bild seiner iberischen Jahre vermitteln. Besonders hervorzuheben ist auch seine tiefe Freundschaft zur Bauhaus-Familie Feininger, die in der Biografie detailliert behandelt wird. Das Buch ist im Callidus Verlag erschienen und trägt die ISBN 978-3-949534-41-6.
Rothmalers Engagement für die Botanik zeigte sich auch in seiner Lehrtätigkeit. Er gründete 1953 den wissenschaftlichen Studentenzirkel „Jean-Baptiste de Lamarck“ an der Universität Greifswald und förderte zahlreiche Nachwuchswissenschaftler, darunter den späteren Hochschullehrer Michael Succow. Rothmalers Weg zur Professur war von kontinuierlichem Lernen geprägt, wobei er nach dem Krieg eine Habilitation in Halle erreichte und 1950 mit dem Werk „Allgemeine Taxonomie und Chorologie der Pflanzen“ auf sich aufmerksam machte.
Der Einfluss der Botanik auf die wissenschaftliche Forschung
Systematische Botanik ist ein Fachgebiet, das die Vielfalt der Pflanzenwelt in Raum und Zeit erforscht. Die Fundamentierung dieses wissenschaftlichen Zweigs reicht zurück ins Italien der Renaissance, wo die ersten Herbarien und Botanischen Gärten entstanden. Durch wichtige Persönlichkeiten wie Carl Linnaeus, der im späten Barock praktische Ordnungsprinzipien zur Gliederung des Pflanzenreichs einführte, erlebte die Botanik bedeutende Fortschritte.
Im 19. Jahrhundert trugen verbesserte wissenschaftliche Geräte und Darwins Evolutionstheorie zur Wissensvermehrung bei, während die Digitalisierung und neue Methoden im 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Wissenszuwachs führten. Die traditionsreiche botanische Forschung in Berlin, die unter anderem von renommierten Botaniker wie Ludwig Diels geprägt wurde, gilt als zentral für die Entwicklung der systematischen Botanik. Berlin hat sich bis heute als „Mekka der Botanik“ etabliert und ist durch zahlreiche Forschungsprojekte auf allen Kontinenten aktiv.