Wissenschaft verständlich vermitteln: Greifswalder Onlinevortrag zeigt Wege in die Öffentlichkeit
Wie Forschung den Sprung aus dem Labor, Seminarraum oder Büro in die Öffentlichkeit schafft, steht im Mittelpunkt eines Onlinevortrags der Universität Greifswald. Unter dem Titel „Wissenschaft managen / Managing Research – From the Realm of Research to the Public Domain: Communicating Science Effectively“ geht es am Dienstag, 12. Januar 2027, von 12:15 bis 13:45 Uhr um verständliche, selbstbewusste und wirksame Wissenschaftskommunikation.
Die Veranstaltung findet über Zoom statt. Angesprochen sind Forschende in der späten Promotionsphase und frühen Postdoc-Phase an der Universität Greifswald und der Universitätsmedizin Greifswald. Auch Forschende anderer Greifswalder Forschungseinrichtungen sind willkommen. Eine Anmeldung zur Vortragsreihe ist erforderlich.
Vom Fachpublikum bis zur allgemeinen Öffentlichkeit
Forschung erreicht sehr unterschiedliche Menschen: die wissenschaftliche Gemeinschaft, die Politik, Förderinstitutionen und die allgemeine Öffentlichkeit. Der Vortrag zeigt, wie sich Inhalte auf diese Zielgruppen zuschneiden lassen, ohne dass dabei die Substanz verloren geht. Geplant sind praktische Einblicke und Strategien für eine klare, effektive Kommunikation – im Gespräch mit Journalistinnen und Journalisten, über soziale Medien und im direkten Austausch mit der Öffentlichkeit.
Dr. Elisabeth Böker aus der Universitätskommunikation und Hauke Meier aus der Abteilung Kommunikation und Marketing der Universitätsmedizin Greifswald stellen außerdem die Unterstützungsangebote ihrer Einrichtungen vor. Fragen können eingebracht, Erfahrungen ausgetauscht und Kontakte geknüpft werden. Gerade der direkte Austausch dürfte für viele Teilnehmende hilfreich sein, denn oft fehlt im Forschungsalltag schlicht die Zeit, sich nebenbei noch eine komplette Kommunikationsstrategie aus dem Ärmel zu schütteln.
Die Reihe „Managing Research“ beschäftigt sich mit dem Aufbau erster eigener Postdoc-Forschungsprojekte sowie mit der Vorbereitung und Umsetzung erfolgreicher Anträge. Organisiert wird sie vom Zentrum für Forschungsförderung und Transfer (ZFF) sowie vom Zentrum für akademische und digitale Kompetenzen beziehungsweise der Graduiertenakademie der Universität Greifswald.
Kommunikation braucht Plan, Publikum und passende Formate
Wie breit das Feld inzwischen ist, zeigen Beiträge des Portals wissenschaftskommunikation.de. Am 24. Juli 2026 schrieb Shahd Habiba über ihre Jahre als Peer-Tutorin und darüber, dass die besten Erklärungen oft von Menschen kommen, die sich daran erinnern, selbst einmal Anfänger gewesen zu sein. Djamila Gebhardt widmete sich am 7. Juli 2026 rechtlichen Grundlagen öffentlicher Wissenschaftskommunikation – etwa bei Publikationsfotos auf LinkedIn, KI-generierten Bildern für Vorträge oder Kooperationen mit Marken. In der wissenschaftlichen Ausbildung werde dieses Wissen bislang kaum vermittelt.
Schon am 21. September 2022 erklärte die Journalistin und Mediencoach Viola Falkenberg, warum ein Konzept für den Einstieg in die Wissenschaftskommunikation notwendig ist. Dazu gehören Fragen nach den Anforderungen an kommunizierende Forschende, nach Zielgruppen und nach einem guten Plan. Eine praktische Orientierung liefert der sogenannte NaWik-Pfeil, den das Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation am 25. Mai 2021 vorstellte: Thema, Zielgruppe, Ziel, Medium sowie Stil und Format bilden dabei zentrale Dimensionen.
Weitere Werkzeuge setzen an ähnlicher Stelle an. Benedikt Fecher und Christian Kobsda vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft stellten am 26. August 2019 den Research Impact Canvas vor, einen strukturierten Leitfaden zur Planung von Aktivitäten in der Wissenschaftskommunikation. Lernforscher Martin Storksdieck von der Oregon State University betonte am 30. Oktober 2019, dass eine frühe Auseinandersetzung mit der Bedeutung der eigenen Forschung und dem persönlichen Kommunikationsstil auch der wissenschaftlichen Arbeit zugutekommen kann.
Manchmal ist das geeignete Format überraschend konkret: Das Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht nutzt 360-Grad-Videos als festen Bestandteil seiner Kommunikationsstrategie. Torsten Fischer und Patrick Kalb-Rottmann berichteten am 14. Oktober 2019 über ihre Erfahrungen damit. Andere Beiträge rückten Werte und institutionelle Strukturen in den Vordergrund. Die TU Chemnitz erklärte am 7. Januar 2020, wie sie „Teilhabe, Zusammengehörigkeit, Weltoffenheit“ vermittelt; dafür erhielt die Universität 2019 den Preis für Hochschulkommunikation. Im Zentrum steht das Konzept der „TUC-Familie“.
Wenn Öffentlichkeit auch Gegenwind bedeutet
Öffentliche Sichtbarkeit ist nicht nur eine Bühne. Ein Toolkit des Researcher Support Consortiums zeigt laut Maria Röhreich, wie Institutionen Strukturen für den schnellen und angemessenen Umgang mit Anfeindungen und Bedrohungen gegen Forschende schaffen können. Der Beitrag erschien am 20. November 2024.
Auch Transparenz in schwierigen Themenfeldern braucht Vorbereitung. Die Universität Hohenheim schuf mit einem Informationsportal, Leitfäden und enger Zusammenarbeit zwischen Rektorat und Hochschulkommunikation mehr Klarheit zum Thema Tierversuche. Rektor Stephan Dabbert und Kommunikationsleiter Florian Klebs beschrieben am 13. September 2019 die Zusammenarbeit im Alltag und in Krisenzeiten.
Am 22. September 2021 sprach Max Appenroth, Doktorand am Institut für Public Health der Charité und Diversity-Berater, darüber, wie sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Forschung öffentlich vermittelt werden kann. Ein anderer Blick auf Hochschulkommunikation kam am 18. August 2021 von Patrick Honecker, der seit Juli Chief Communications Officer der TU Darmstadt ist. Die Position ist direkt im Präsidium angesiedelt; Honecker und TU-Präsidentin Tanja Brühl sprachen über die Umstellung, ihre Zusammenarbeit und künftige Ziele.
Die Hochschulrektorenkonferenz veröffentlichte am 6. Juli 2022 Empfehlungen zur Hochschulkommunikation als strategischer Aufgabe. Peter-André Alt und Julia Wandt diskutierten das Rollenverständnis kommunizierender Wissenschaftler*innen, die Anerkennung ihrer Leistungen und Spannungen zwischen Kommunikations- und Hochschulleitungen. In Hessen sollte ein Netzwerk die Wissenschaftskommunikation an Hochschulen stärken. Beate Hentschel, Kommunikationsleiterin der Universität Kassel und Projektkoordinatorin, erläuterte am 23. Mai 2022 geplante Unterstützung für Forschende bei Medienarbeit und Social-Media-Kommunikation.
Von Vertrauen bis Citizen Science
Dass strategische Kommunikation nicht nur auf Organigrammen und Presseterminen beruht, zeigte ein Gespräch über die Universität Jena. Am 15. August 2019 beschrieben Präsident Walter Rosenthal und Kommunikationsleiterin Katja Bär Vertrauen, Offenheit und eine gemeinsame Werteorientierung als Grundlage ihrer Zusammenarbeit. Im Gespräch ging es um Strukturen, Wissenschaftskommunikation und strategische Kooperation.
Das „Panoptikum 23-13“ vom 29. Juni 2023 versammelte Veränderungen bei National Geographic, Kompetenzniveaus digitaler Wissenschaftskommunikation, Forschung zu ChatGPT, Wissenschaftsoptimismus und Citizen Science. Außerdem wurden aktuelle Jobs und Termine vorgestellt. Shahd Habibas Beitrag vom 24. Juli 2026 erinnert dabei an eine einfache, aber leicht vergessene Perspektive: Gute Erklärungen gelingen häufig dann, wenn jemand noch weiß, wie sich Unwissen anfühlt.
Für die Greifswalder Veranstaltung kann über die Graduiertenakademie eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt werden. Für strukturierte Programme der UMG gilt: Zwei ECTS gibt es, wenn mindestens acht thematisch unterschiedliche Kurse besucht werden.
Kontakt für die Anmeldung und weitere Fragen ist das Forschungsförderungszentrum, Wollweberstraße 1, 17489 Greifswald. Telefonisch ist es unter +49 3834 420 1185 erreichbar. Als E-Mail-Adresse ist im Veranstaltungshinweis managingresearchuni-greifswaldde angegeben.
