Wissenschaftler mit Meckel-Preis geehrt: Revolutionäre Anatomieforschung!
Am 9. Juli 2026 wurde Prof. Dr. Andreas Winkelmann, Professor für Anatomie an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) und Leiter des Instituts für Anatomie, mit dem renommierten Meckel-Preis ausgezeichnet. Diese Ehrung würdigt seine herausragenden wissenschaftlichen Verdienste in der Erforschung und Erhaltung medizinischer Sammlungen, insbesondere im Kontext der Geschichte und Ethik der Anatomie sowie der Provenienzforschung an menschlichen Überresten aus der NS- und Kolonialzeit. Der Meckel-Preis wird alle zwei Jahre vom Förderverein Meckelsche Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg e.V. verliehen und ist mit 1.000 Euro dotiert.
Der Meckelsche Preis hebt auch die Bedeutung der historischen anatomischen Sammlungen hervor, unter anderem die der Meckelschen Sammlungen in Halle. Diese zählen zu den bedeutendsten anatomischen Sammlungen im deutschsprachigen Raum und wurden von den Anatomen Philipp Friedrich Theodor Meckel und seinen Kollegen gegründet. Die Sammlungen beinhalten rund 8.000 medizinische und zoologische Exponate, deren Ursprung bis ins 18. Jahrhundert reicht. Seit 2015 gelten sie als „National wertvolle Kulturgüter Deutschlands“.
Forschung und Lehre
Prof. Winkelmann ist nicht nur für seine Forschungsarbeit bekannt, sondern auch für sein Engagement in der praktischen Lehre. Er hat sich dem Präparieren menschlicher Leichname als zentralem Bestandteil der anatomischen Ausbildung gewidmet. Am 3. Juli 2026 hielt er im Rahmen der Hallenser „Langen Nacht der Wissenschaften“ einen Vortrag mit dem Titel „Anatomen auf dem Seziertisch – Wer war der erste ‚Körperspender‘?“. Dies zeugt von seinem Bestreben, die komplexen Themen der Anatomie und deren historische Kontexte einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen.
Gegenwärtig leitet Winkelmann ein Forschungsprojekt, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird. In dem zweijährigen Projekt wird die Herkunft von menschlichen Überresten der Sámi in deutschen Sammlungen untersucht, um die Entstehung entsprechender Sammlungsbestände im Kontext kolonialzeitlichen Interesses an menschlichen Überresten zu beleuchten. Diese Arbeiten stellen einen bedeutenden Schritt in der Provenienzforschung dar, die sich mit der Geschichte von Sammlungen und den ethischen Implikationen ihrer Erhaltung beschäftigt.
Verbindung zur Anatomiegeschichte
Eines der markantesten Beispiele für die Historie anatomischer Sammlungen ist die Entscheidung von Philipp Friedrich Theodor Meckel, sein eigenes Skelett nach seinem Tod in der Sammlung aufzustellen. Diese Anekdote unterstreicht die enge Verbindung zwischen Wissenschaftlern und ihren Sammlungen und veranschaulicht die Herausforderungen, die sich aus Fragen der Ethik und Provenienz ergeben. Diese Themen werden nicht nur in Winklemanns Arbeiten behandelt, sondern finden auch in anderen Forschungsvorhaben in Deutschland Beachtung, wie etwa im Rahmen der Provenienzforschung an der Universität Leipzig, wo das Institut für Anatomie an einer Schädelsammlung arbeitet, die ähnliche ethische Fragestellungen aufwirft.
Die Meckelschen Sammlungen, die durch ihre langjährige Geschichte und ihren Umfang bestechen, sind ein wichtiger Bestandteil der deutschen anatomischen Forschung. Mit der Verleihung des Meckel-Preises an Andreas Winkelmann wird nicht nur dessen individuelle Leistung gewürdigt, sondern auch das anhaltende Bemühen um die Erforschung und den Erhalt medizinischer Sammlungen in einem sensiblen historischen Kontext hervorgehoben.
