Wohnungsnot in Trier: 600 Wohnheimplätze fehlen zum Wintersemester 2026/27
In Trier fehlen zum Wintersemester 2026/27 rund 600 Wohnheimplätze im Vergleich zur bisherigen Situation. Schon am ersten Tag der Orientierungswoche erreichten den AStA etwa 40 Anfragen von Studierenden, die keine Wohnung gefunden hatten. Manche ziehen von Couch zu Couch, andere schlafen vorübergehend in Airbnb-Unterkünften oder Hotels. AStA-Mitglieder nahmen Studierende sogar bei sich auf.
Auf der Forumsplatte standen deshalb Zelte. Der AStA organisierte die Protestaktion, auf Plakaten war unter anderem zu lesen: „Studieren im Zelt ist keine Option“. Ein Instagram-Beitrag des AStA zur Wohnsituation wurde rund 1.700-mal mit „Gefällt mir“ markiert.
600 Plätze weniger – und viel Ärger über die Universität
Das Studierendenwerk hat sein Angebot von etwa 1.500 auf 900 Plätze reduziert. Das Wohnheim in Olewig ist weggefallen, das Wohnheim am Kleeburger Weg weiterhin nicht wiedereröffnet. In Tarforst läuft seit Oktober eine Kernsanierung; das Haus soll im Herbst 2028 wieder verfügbar sein.
Für den Kleeburger Weg hatte die Eigentümerin, die Vermögensgesellschaft prop.com, eine Wiedereröffnung im Frühjahr 2026 angekündigt. Ein Termin wurde bislang nicht bestätigt. Nach Angaben der Universität verzögert sich das Projekt wegen noch ausstehender Genehmigungen des Landes. Geplant sind dort Mikrowohnungen für Studierende.
Der AStA kritisiert vor allem die Universitätsleitung. Sie müsse das Problem öffentlich wahrnehmen und gegenüber Landesregierung, Stadt und anderen zuständigen Stellen Druck ausüben. Als schnelle Hilfe hätte man sich etwa eine Rundmail der Universität mit freien Zimmern oder Untervermietungen gewünscht. Dem AStA geht es nach eigener Darstellung vor allem darum, dass die angespannte Lage anerkannt wird und jemand Verantwortung übernimmt.
Die Universität erklärte öffentlich, sie kenne die Schwierigkeiten und nehme sie ernst. Dem AStA reicht das nicht. Universitäten haben in Deutschland allerdings keinen gesetzlichen Auftrag, studentischen Wohnraum bereitzustellen; nach Landesrecht ist dafür das Studierendenwerk zuständig.
Eine belastbare Gesamtzahl der Studierenden, die aktuell eine Wohnung suchen, hat die Universität nach eigenen Angaben nicht. Universitätssprecherin Sophia Paulus betont, zusätzlicher Wohnraum falle in die Zuständigkeit des Studierendenwerks, und die Universität dürfe dafür keine eigenen finanziellen Mittel einsetzen. Präsidentin Eva Martha Eckkrammer habe sich mehrfach an AStA, Studierendenwerk und Stadt gewandt und das Thema in Präsidiumssitzungen behandelt. Außerdem gebe es regelmäßigen Austausch mit der Stadt, der Hochschule Trier und der regionalen Wohnungswirtschaft.
Warteliste, Übergangszimmer und eine kurze Atempause
Auf der Warteliste des Studierendenwerks stehen derzeit rund 1.000 Bewerber. Ende September 2025 waren es noch rund 1.700 gewesen. Geschäftsführer Andreas Wagner weist allerdings darauf hin, dass ein Wartelistenplatz nicht automatisch bedeutet, dass jemand ohne Unterkunft ist: Viele leben noch bei ihren Eltern oder in überfüllten Wohngemeinschaften.
In der ehemaligen Jägerkaserne in Trier-West richtete das Studierendenwerk als Übergangslösung 30 Zimmer mit insgesamt 42 Bettplätzen ein. Ursprünglich waren 35 Zimmer geplant, fünf konnten baulich nicht umgesetzt werden. Die Mieten liegen zwischen 160 und 320 Euro. Es gibt Gemeinschaftsduschen und Gemeinschaftstoiletten.
Die Unterkunft ist vom 1. Oktober bis Mitte Dezember befristet. Das Studierendenwerk nennt sie eine Not- und Interimslösung mit einem Wohnniveau, das vom üblichen Standard abweicht. Länger durfte sie laut Wagner wegen der Genehmigungsvorgaben nicht betrieben werden; die erforderliche Schwelle von sechs Monaten wurde nicht erreicht.
Ein früherer Ersatz für die weggefallenen Wohnheime sei wegen fehlender finanzieller Mittel und hoher Kosten nicht realisierbar gewesen, sagt Wagner. Auch Containerlösungen seien zu teuer. Derzeit führt das Studierendenwerk zwei bis drei ernsthafte Gespräche mit Investoren über neue Wohnheime, die es als Generalmieter betreiben könnte. Verträge gibt es noch nicht.
Was Universität und Stadt anbieten
Die Universität und die Hochschule Trier betreiben eine regionale Integrationsassistenz für internationale Studierende. Seit August wandten sich etwa 147 von rund 380 internationalen Erstsemestern an die Assistenz; die meisten seien vermittelt worden.
Außerdem gab es Gespräche über eine Couch- und WG-Börse. Die Universität zeigt sich deshalb von der AStA-Kritik überrascht und erklärt, der AStA habe sie im laufenden Semester bislang nicht auf den üblichen Wegen kontaktiert. Der AStA betreibt eine eigene Zimmer- und WG-Börse.
Die Kampagne „Gitt Eng“ von Studierendenwerk, Stadt und Hochschulen startete im Juli. Sie soll private Zimmer und Wohnungen gewinnen. Nach Angaben des Studierendenwerks kamen dadurch etwa 80 zusätzliche Zimmer beziehungsweise private Wohnungen zusammen; Ziel waren 100. Private Wohnraumanbieter können sich beim Studierendenwerk oder bei der Regionalen Integrationsassistenz melden. Die Stadt Trier verweist außerdem auf „Wohnen für Hilfe“, bei dem Wohnraum gegen Unterstützung im Alltag angeboten wird.
Wohnheime nahe Campus und Hochschule
Das Studierendenwerk verwaltet insgesamt 1.095 Zimmer. Die Wohnanlagen Tarforst, Enercase und Petrisberg liegen nahe der Universität, Martinskloster und Haus am Baum in der Nähe der Hochschule. Angeboten werden Einzelzimmer, Einzelappartements, Einzelappartements mit Kinderzimmer, Doppelappartements – sogenannte „Dubletten“ – und Kleinwohnungen.
Die Einheiten sind möbliert: Bett, Lattenrost und Matratze gehören ebenso dazu wie Kleiderschrank, Bücherregal und Singleküche. In allen Zimmern gibt es einen kostenlosen Internetanschluss mit einem monatlichen Datenvolumen von 210 Gigabyte; eine Erhöhung ist möglich. Die Warmmiete umfasst sämtliche Nebenkosten. Fahrrad- und Kfz-Stellplätze stehen ebenfalls zur Verfügung.
Von Trier aus sind die hochschulnahen Anlagen mit dem Bus innerhalb von maximal 15 Minuten erreichbar. Direkte Verbindungen halten vor den Wohnanlagen, das Semesterticket ermöglicht die kostenlose Nutzung der Busse. Waschmaschinen- und Trockenräume sind vorhanden. Ein Hausmeisterdienst bietet montags bis freitags tägliche Sprechzeiten, außer an Feiertagen; die Wohnheimverwaltung sitzt im Studihaus auf dem Uni-Campus.
Gerade für Studienanfänger können die Wohnanlagen soziale Kontaktmöglichkeiten bieten, die das Einleben in einer neuen Stadt erleichtern. Das Ziel: preisgünstiger Wohnraum in Campusnähe. Für viele, die im Herbst mit Koffern, Rucksack und einer viel zu langen Liste von Absagen nach Trier kommen, wäre schon ein Schlüssel in der Hand ziemlich viel.
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