ClimXtreme zeigt: Der Klimawandel verschärft Starkregen, Hitze und Dürre in Deutschland
Starkregen wird in Deutschland und Europa durch den Klimawandel tendenziell häufiger und intensiver. In Deutschland steigt die Intensität nach Ergebnissen des Forschungsverbunds ClimXtreme um etwa 6 bis 8,5 Prozent je Grad globaler Erwärmung. Am deutlichsten zeigt sich die Entwicklung bei seltenen, kurz andauernden Ereignissen – genau jenen Regenfällen, die binnen weniger Stunden Straßen, Keller und Unterführungen unter Wasser setzen können.
Sechs Jahre lang untersuchte ClimXtreme den Einfluss des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse in Europa: ihre physikalischen Ursachen, statistische Veränderungen, Attributionsfragen sowie Auswirkungen und Schäden. Koordiniert wurde das vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt geförderte Projekt von der Freien Universität Berlin. Beteiligt waren 17 deutsche Forschungseinrichtungen mit 25 Teilprojekten. Die wichtigsten Ergebnisse sind nun auf einer öffentlichen Wissensplattform verfügbar.
Als wesentliche Ursache für die zunehmende Starkregenintensität nennt der Verbund den höheren Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre bei steigenden Temperaturen. Wie viel Regen tatsächlich fällt, hängt zusätzlich von der Feuchtigkeit in höheren Luftschichten und der jeweiligen Wetterlage ab. Die regionalen und jährlichen Schwankungen bleiben groß. Das macht die Sache nicht gerade gemütlicher: Ein allgemeiner Trend bedeutet nicht, dass jedes Jahr und jede Region gleichermaßen betroffen ist.
Von Hitze bis Hagel
Die Plattform soll Politik, Verwaltung, Wirtschaft und weitere betroffene Bereiche bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Sie richtet sich unter anderem an Kommunal- und Landesverwaltungen, Betreiber kritischer Infrastrukturen, den Verkehrssektor, Forst- und Landwirtschaft sowie die Privatwirtschaft. Ergebnisse werden teilweise eigens für einzelne Nutzergruppen aufbereitet.
Auch Hitze- und Dürreextreme nehmen in Deutschland und Europa infolge des menschengemachten Klimawandels zu. Dabei verändern sich nicht nur die Temperaturen, sondern auch die physikalischen Rahmenbedingungen. Eine ClimXtreme-DWD-Studie zur Hitzewelle vom 18. bis 28. Juni 2026 stufte sie hinsichtlich Dauer, Intensität und räumlicher Ausdehnung als außergewöhnlich ein. Ohne anthropogenen Klimawandel wäre dieses Ereignis der Studie zufolge nahezu unmöglich gewesen.
Neben der globalen Erwärmung prägt die natürliche, dekadische Klimavariabilität die Ausprägung von Hitzewellen. Extreme Hitze- und Dürrebedingungen, die bislang erst für das Ende des 21. Jahrhunderts erwartet wurden, können früher auftreten. Für die 2030er Jahre liegt die Wahrscheinlichkeit einzelner Jahre mit Hitzewellen in einer für das Jahrhundertende erwarteten Intensität bei etwa 10 Prozent.
Eine Rolle spielen die allgemeine Verschiebung der Temperaturen nach oben, großräumige Zirkulationsmuster, anhaltende Blockierungen der atlantischen Luftströmung und sinkende Aerosolkonzentrationen in der Atmosphäre. Blockierungslagen beeinflussten insbesondere die europäischen Hitzewellen im Juli und August 2025. Modellrechnungen zufolge verlängerte sich der Zeitraum möglicher Hitzewellen bis in den Frühherbst. Was früher äußerst selten oder sogar unmöglich schien, kann künftig häufiger auftreten – mit höheren Temperaturrekorden und längeren Belastungsphasen.
Für extreme Niederschlagsdefizite wie im Frühjahr 2025 in Norddeutschland ließ sich kein eindeutiger Zusammenhang mit dem anthropogenen Klimawandel feststellen. Die Untersuchungen deuten jedoch auf eine Verschiebung der niederschlagsarmen Frühjahrsphase von Februar/März in den April hin. Bodendürre entsteht außerdem nicht nur durch fehlenden Regen, sondern auch durch höhere Temperaturen und dadurch zunehmende Verdunstung. In Südwesteuropa begünstigt das Waldbrände, unter anderem in Frankreich, Spanien und Griechenland.
Wie stark Dürre die Ernte trifft, hängt von der Pflanzenart ab. Für die Landwirtschaft wurde deshalb ein KI-basiertes Werkzeug entwickelt, das Ernteerträge modelliert und Risiken einschätzt.
Beim Hagel ist die Datenlage knifflig: Die Ereignisse spielen sich auf kleinen räumlichen Maßstäben ab, und das deutsche Radarnetz liefert bislang erst Daten über etwa 20 Jahre. In diesem Zeitraum nahm die Hagelaktivität in Süddeutschland zu, während sie in weiten Teilen des übrigen Deutschlands zurückging. Klimamodelle weisen übereinstimmend auf künftig mehr Hagel in Süddeutschland bei wärmeren Bedingungen hin. Für den Rest Deutschlands fallen die erwarteten Veränderungen schwächer und weniger eindeutig aus.
Starkregen, Sturm und Zahlen
Attributionsanalysen zeigen, dass der Klimawandel einzelne Ereignisse bereits verstärkt hat. Für die Überschwemmungen in Westdeutschland 2021 berechneten Forschende 3 bis 19 Prozent mehr maximalen Tagesniederschlag. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses war in der betroffenen Region um den Faktor 1,2 bis 9 erhöht.
Beim Sturmrisiko gibt es in den Beobachtungsdaten für Deutschland bislang keinen einheitlichen Trend. Klimamodelle prognostizieren weniger Tiefdruckgebiete über Westeuropa und der Deutschen Bucht. Besonders intensive Zyklonen könnten jedoch häufiger oder stärker werden, weil Stürme in einem wärmeren Klima durch verstärkte Wolken- und Niederschlagsbildung mehr Energie erhalten. Eine systematische Veränderung der extremen Windgeschwindigkeiten ist nach den aktuellen Auswertungen dennoch nicht erkennbar.
ClimXtreme entwickelte statistische Methoden, die räumliche und zeitliche Ausdehnung extremer Ereignisse berücksichtigen. Meteorologische Standardindizes reichen laut Projekt nicht immer aus, um Veränderungen und Folgen zu bewerten. Zu den Ergebnissen gehören verbesserte Intensitäts-Andauer-Häufigkeit-Kurven, kurz IDF-Kurven. Für Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und Landwirtschaft sind sie bei Anpassungsstrategien relevant. Die Methoden wurden veröffentlicht und als Software bereitgestellt.
Ein Forschungsprojekt des Gesamtverbands der Versicherer zeigt zudem: Kurze Starkregenereignisse von 1 bis 9 Stunden verursachen im Vergleich zu Ereignissen von 12 bis 72 Stunden die meisten Schäden. Zwischen 2001 und 2018 nahm ihre Häufigkeit nicht ab. Betroffen sein kann jeder Ort in Deutschland – auch dort, wo bislang noch kein Wasser durch die Straßen schoss.
Was Kommunen daraus machen
Das Umweltbundesamt erwartet infolge der Erderhitzung häufiger und heftiger auftretende extreme Wetterereignisse. Die Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundes prognostiziert bei ungebremstem Klimawandel steigende Risiken durch Hitze, Trockenheit und Starkregen in ganz Deutschland. Klimaschutz allein reicht daher nicht; Anpassung an die Folgen gehört dazu.
Im UBA-Projekt „Regen//Sicher“ entwickelten und erprobten die Modellkommunen Worms, Lübeck, Bad Liebenwerda und Elsterwerda Kommunikations- und Beteiligungsformate zur Starkregenvorsorge. Nachbarschaftsberatungen und Stadtteilworkshops sollen Bürgerinnen und Bürger zu Vorsorgemaßnahmen bewegen. Rückstauklappen und zusätzliche Versickerungsflächen gehören zu den privaten Möglichkeiten. Für Kommunen entstanden Materialien, Konzepte und Leitfäden zur Beteiligung der Bevölkerung.
Solingen bündelte Kanalnetzbewirtschaftung, Grundstücksentwässerung, Wasserbewirtschaftung und Überflutungsschutz in einem Sachgebiet. Ein zentraler Ansprechpartner koordiniert dort den Überflutungsschutz. Das Kanalnetz gilt nicht mehr als alleinige Lösung. Entsiegelung und Begrünung, die Rückhaltung von Wasser zur Verringerung des Abflusses sowie Notwasserwege für einen schadlosen Abfluss durch Siedlungsgebiete ergänzen die Planung.
Analyse- und Simulationsverfahren identifizierten Überflutungsschwerpunkte und besonders gefährdete Infrastrukturen. Bei Infrastrukturplanungen wird der Beitrag einzelner Maßnahmen zum Überflutungsschutz ämterübergreifend abgestimmt. Für private Grundstückseigentümer gibt es Flyer, eine Webseite, Beratung, eine Online-Selbsteinschätzung und eine Starkregen-Warn-App. Die „integrale Entwässerungsplanung“ wurde 2018 mit dem UBA-Preis „Blauer Kompass“ ausgezeichnet.
In Arnsberg führten zwei Starkregenereignisse im Sommer 2007 zur Überflutung mehrerer Ortsteile und zu einem Hochwasserschutzkonzept. Mehrere Bäche wurden renaturiert und verbreitert. Als 2010 erneut Starkregen fiel, konnten dadurch Schäden verhindert werden. Betroffene, Verwaltung, Bevölkerung und Ingenieurbüros waren für die schnelle Umsetzung systematisch einbezogen.
Gewässerrenaturierungen können Überschwemmungsflächen zurückgewinnen und Hochwasserrisiken reduzieren. Das UBA-Portal zur Renaturierung von Fließgewässern stellt möglichen Trägern Informationen bereit. Ziel sind naturnäher gestaltete Flüsse und Bäche sowie ein besserer ökologischer Zustand.
