Am 23. April 2026 vermeldet das Zentrum Gender & Diversity (ZGD), dass sie erfolgreich Seminare zu den Themen Diversität, Intersektionalität und gesellschaftlichen Ungleichheiten durchführen. Diese Bildungsangebote zielen darauf ab, ein tiefes Verständnis für die Komplexität von Ungleichheiten zu fördern und gleichzeitig die pädagogischen Rahmenbedingungen zu verbessern.
Besonders hervorzuheben ist, dass Lasse Ahrens, Justus Ahlers und Simon Baalmann die ersten Studierenden der Bucerius Law School sind, die im Juni 2025 das Zertifikat „Intersektionalität & Diversity“ erlangt haben. Sie absolvierten dazu verschiedene Lehrveranstaltungen an Hochschulen in Hamburg zwischen 2023 und 2025.
Inhaltliche Relevanz und praktische Impulse
Die Absolventen betonen die hohe inhaltliche Relevanz des Programms. Simon Ahlers weist darauf hin, dass der Begriff „Diversity“ oft unscharf verwendet wird, während Lasse Ahrens anmerkt, dass das Jurastudium sich zu stark auf die Anwendung von Recht konzentriert. Die Gestaltung von Gesetzen, so Ahrens, komme oft zu kurz.
Maximilian Baalmann spricht von den eingeschränkten interdisziplinären Berührungspunkten, die an Hochschulen mit nur einem Studiengang existieren. Dennoch umfasst das Programm mindestens vier Veranstaltungen und erfordert die Absolvierung von insgesamt 10 ECTS-Punkten. Die Studierenden besuchten Kurse an der HAW, der Universität Hamburg und beim ZGD.
Besonders prägend für die Teilnehmenden war der intersektionale Ansatz. Der Praxisbezug, insbesondere im Kurs über geflüchtete Familien, erwies sich als zentral. Die Studierenden erlebten, wie rechtliche Vorgaben oft nicht mit den realen Lebensumständen der Betroffenen übereinstimmen. Diese Erkenntnisse haben das juristische Denken der Studierenden nachhaltig beeinflusst.
Herausforderungen und Diskussionskultur
Die Teilnehmer äußern, dass der organisatorische Aufwand für das Programm erheblich war. Der hohe Aufwand für die 10 ECTS-Punkte bedeutete oft, dass die Veranstaltungen außerhalb des Campus und während Pflichtvorlesungen stattfanden. Die Diskussionskultur war in einigen Fällen herausfordernd, da grundlegende gesellschaftliche Fragen auf der Agenda standen.
Isabelle Müller-Pfister, Diversity-Koordinatorin an der Bucerius Law School, hebt die Bedeutung des Zertifikats für die juristische Praxis hervor. Die Studierenden sind sich einig, dass sich der Aufwand gelohnt hat, da das Zertifikat einen multiperspektivischen Zugang zu Diversity eröffnet und sie praktische Impulse, etwa für ihr kommunalpolitisches Engagement, erhalten haben.
Ein breiterer gesellschaftlicher Kontext
<pDie Tagung "Intersektional forschen, Diversität (er)fassen", die am 10. November 2017 stattfand, beleuchtet weitere gesellschaftliche Perspektiven zur Diversität. Diese Fachtagung, organisiert von der Stiftung Universität Hildesheim und der Leibnitz Universität Hannover, behandelte unter anderem die historische Einordnung von Intersektionalität und die Bedeutung von Diversität im Bildungskontext. Fokusthemen waren unter anderem die Wechselwirkungen zwischen Diversität, Neoliberalismus und Chancengleichheit in der Bildung.
Vorträge von namhaften Akademikern diskutierten die zunehmende Bedeutung von Diversität und die Notwendigkeit, neue Gerechtigkeitsformen zu entwickeln. Bei dieser Veranstaltung wurde auch die Rolle von Millennials als „super-diverse“ Gruppe hervorgehoben, insbesondere im Zusammenhang mit Migration und interkultureller Vernetzung durch Programme wie Erasmus.
Diese Konferenzen und Programme sind Teil eines fortwährenden Diskurses über die Komplexität von Diversität und den Einfluss intersektionaler Perspektiven auf verschiedene gesellschaftliche Bereiche. Die Studierenden an der Bucerius Law School und die neuartigen Ansätze, die sie in ihrem Studium verfolgen, sind Beispiele dafür, wie Bildungsinstitutionen aktiv zur Schaffung eines umfassenderen Verständnisses von Diversität beitragen können.
Zusammenfassend stellt sich heraus, dass die Kombination aus theoretischem Wissen und praktischem Bezug für Studierende und die Gesellschaft von entscheidender Bedeutung ist, um den Herausforderungen im Bereich der sozialen Gerechtigkeit zu begegnen. Dies wird auch durch die Diskussionen und Erkenntnisse aus der Bildungsforschung gestützt, wie sie etwa in der bpb.de thematisiert werden.