Zukunft der Pflege: Hochschulen fordern Reform für akademisierte Berufe!
Am 18. Juni 2026 wurde Dr. Veronika Anselmann an der PH Schwäbisch Gmünd zur Professorin für Pflegewissenschaft mit dem Schwerpunkt Pflegepädagogik ernannt. Ihre Ernennung folgt einer erfolgreichen Evaluation ihrer Forschungsleistungen, die sie während ihrer Juniorprofessur ab 2020 unter Beweis stellte. Anselmanns Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in der beruflichen Bildung, der Gestaltung von Lernumgebungen für die pflegerische Aus- und Weiterbildung, der Lehrerinnen- und Lehrerbildung sowie den qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden. Aktuell leitet sie mehrere Forschungsprojekte, die sich auf digitale Kompetenzen und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Pflegeausbildung und -praxis konzentrieren. Zudem ist sie Direktoriumsmitglied der Creative Hall Assisted Living, einer Innovationswerkstatt für digital unterstütztes Leben im Alter, wie PH Gmünd berichtet.
Im Kontext der akademisierten Pflege fand am 5. November in Berlin die Fachtagung „Die Zukunft der Gesundheitsversorgung – der Beitrag akademisierter Pflegender“ statt, organisiert von der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft und der Dekanekonferenz Pflegewissenschaft. Vertreterinnen und Vertreter aus der Gesundheitspolitik, Hochschulen sowie Träger und Einrichtungen der Versorgungspraxis diskutierten die entscheidende Rolle der Pflegewissenschaft angesichts des demografischen Wandels. Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin, hob die Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft bei der Novellierung des Pflegeberufsgesetzes hervor. Ein zukunftsweisender Ansatz wurde von Prof. Dr. Renate Stemmer präsentiert, die die Akademisierung als Teil der Lösung für die Herausforderungen im demografischen Wandel bezeichnete.
Herausforderungen und Chancen in der Pflegeausbildung
Um den Bedürfnissen des Gesundheitssystems gerecht zu werden, entwickeln Hochschulen arbeitsmarktfähige Studiengänge, die der Generalistik entsprechen. Diese Form der Ausbildung, die seit dem 1. Januar 2020 in Deutschland gilt, soll eine einheitliche Grundlage für die Gesundheits- und Krankenpflege, die Kinderkrankenpflege und die Altenpflege schaffen. Trotz einer konzeptionell starken Basis zeigt die praktische Umsetzung gemischte Ergebnisse. Kleinere Einrichtungen kämpfen mit den Herausforderungen der neuen Struktur, während digitale Kompetenzen weiterhin als Mangelware gelten. Die digitale Pflegebildung, so die Kritiker, müsste systematischer angegangen werden, um der Digitalisierung im Pflegealltag gerecht zu werden, wie DG Pflegewissenschaft berichtet.
Die Akademisierung der Pflegefachkräfte in Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen. Der Anteil akademisch ausgebildeter Pflegender liegt aktuell bei knapp einem Prozent, während empfohlen wird, diesen auf 10 bis 20 Prozent zu erhöhen. An den Hochschulen sind über 10.000 Studierende in Pflegewissenschaft oder Pflegemanagement eingeschrieben, insbesondere in Bachelorstudiengängen. Jährlich absolvieren zwischen 1.500 und 1.700 Absolventinnen und Absolventen Programme, die sie auf komplexe Pflegeaufgaben vorbereiten. Dennoch erfordert die erfolgreiche Implementierung akademisierter Pflegekräfte klare Visionen seitens der Träger und die Schaffung von Strukturen in Gesundheitseinrichtungen.
Die Zukunft der Pflege im demografischen Wandel
Die Pflege in Deutschland steht vor bedeutenden Herausforderungen. Der demografische Wandel, der Fachkräftemangel, die Ambulantisierung und die Digitalisierung verlangen neue Ansätze und Rollenprofile innerhalb der Pflege. Torsten Rantzsch, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Pflegedirektorinnen und -direktoren, und Matthias Wokittel von FuturaMed betonen die Wichtigkeit, die Grenzen der Generalistik zu überwinden und digitale Kompetenzen zu stärken. Eine unzureichende Ausstattung der Ausbildungszentren und das Fehlen einer koordinierten nationalen Strategie zur Digitalisierung behindern die flächendeckende Implementierung notwendiger Innovationen.
Um die Pflegeberufsausbildung entscheidend zu verbessern, sind spezifische berufliche Einstiegsprofile für Bachelorabsolventen erforderlich, die sich von den klassischen Ausbildungsprofilen unterscheiden. Ein ebenfalls wichtiger Aspekt ist die internationale Anerkennung der deutschen Pflegeabschlüsse, die eine qualifizierte Zuwanderung ermöglicht. Programme wie der „ePflegebericht“ in Bayern tragen zur schnelleren Anerkennung ausländischer Abschlüsse bei und sind im Rahmen des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes von Bedeutung, um eine gut qualifizierte Pflege zu garantieren.
Insgesamt wird deutlich, dass die Zukunft der Pflege entscheidend für das gesamte Gesundheitssystem ist. Pflegefachpersonen sollten nicht nur am Patientenbett tätig werden, sondern auch in koordinierten und beratenden Funktionen agieren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer Verbindung von technischer Innovation und menschlicher Nähe, um Versorgungslücken zu schließen und die Pflege als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Sektoren zu begreifen, so die Auskünfte von Bibliomed Pflege.
