Zukunftsdebatte: Wie geht es weiter mit der Ukraine und Russland?
Am Montag, den 22. Juni 2026, findet an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) das Jerzy Giedroyc Forschungskolloquium statt. Die Veranstaltung beginnt um 18.15 Uhr im Hauptgebäude, Raum 109 (Senatssaal). Unter dem Titel „Nachdenken über die Ukraine – und über Russland“ werden zwei prominente Historiker diskutieren: Prof. Dr. Karl Schlögel, ein ehemaliger Viadrina-Professor, und Dr. Gerd Koenen, ein Experte für deutsch-russische Beziehungen. Beide Wissenschaftler bringen umfassende Kenntnisse zur Ukraine und ihrer historischen Verflechtungen mit.
Prof. Dr. Karl Schlögel, bekannt für seine detailreichen Alltagsbeobachtungen und raumbezogene Geschichtsschreibung, wurde 2025 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Dr. Gerd Koenen ist Autor des vielbeachteten Buches „Die Farbe Rot“, das als Standardwerk zur Geschichte des Kommunismus gilt. Die Veranstaltung setzt sich das Ziel, neue Impulse für eine „Europäisierung aus dem Osten“ zu geben, ein Anliegen, das durch die jüngsten Entwicklungen in der Ukraine und Russland an Relevanz gewonnen hat.
Historisches und aktuelles Geschehen
Russland führt seit über zehn Jahren einen Krieg gegen die Ukraine, der mit der Besetzung und Annexion der Krim 2014 begann. Ziel dieser Intervention ist es, die Selbstbestimmung und Freiheit der Ukrainer zu unterdrücken und den westlichen Integrationskurs der Ukraine zu verhindern. Diese Situation führte vor allem in der deutschsprachigen Öffentlichkeit zu einer Überforderung, da es an Korrespondenten und unabhängiger Expertise zur Ukraine mangelte.
Die Einrichtung der Deutsch-Ukrainischen Historischen Kommission im Jahr 2015 war ein entscheidender Schritt zur Förderung der Ukraineforschung in Deutschland. Parallel dazu wurde an der Universität Basel das Projekt „Ukrainian Research in Switzerland“ ins Leben gerufen, welches ukrainischen Forschern Stipendien und Workshops anbietet. Darüber hinaus wurde 2018 an der Viadrina eine Professur für Verflechtungsgeschichte der Ukraine eingerichtet.
Förderung und Herausforderungen der Ukraineforschung
In den letzten Jahren sind an zahlreichen deutschen Universitäten Lehrstühle mit Ukraine-Profilen besetzt worden. Beispielsweise gründete die Universität Münster die „Ukrainian Studies in Münster“ (USiM) und etablierte ein Lektorat für die ukrainische Sprache. Auch das „Zentrum für interdisziplinäre Polenforschung“ an der Viadrina wurde in ein Zentrum für polnische und ukrainische Studien umgewandelt, was zeigt, wie wichtig die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Region geworden ist.
Trotz der gesteigerten Aufmerksamkeit und der besseren Medienberichterstattung, die seit 2014 entstanden ist, bleibt eine umfassende Expertise in wesentlichen Bereichen wie der ukrainischen Armee und sozialen Fragen begrenzt. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat eine Ausschreibung für ein „Zentrum für interdisziplinäre Ukrainestudien“ veröffentlicht, was das wachsende Interesse und die Notwendigkeit für tiefere Kenntnisse über die Ukraine unterstreicht.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Ukraine nie zuvor so viel Unterstützung aus dem Westen erhalten hat. Dennoch bleibt fraglich, ob diese Hilfe ausreicht, um die Unabhängigkeit des Landes sicherzustellen. Die Diskussionen und Forschungsansätze, die bei dem Jerzy Giedroyc Forschungskolloquium zur Sprache kommen werden, könnten wichtige Antworten auf diese zentralen Fragen bieten.
