Wer in der späten Promotionsphase steckt oder gerade als Postdoc durchstartet, kennt das Gefühl: Die nächste Forschungsstation liegt vielleicht nicht in Greifswald, sondern irgendwo hinter einer Landesgrenze – und im Kopf tauchen sofort Fragen zu Finanzierung, Antragstellung und Versicherung auf. Genau dort setzt der Onlinevortrag „Wissenschaft managen / Managing Research – International mobility and research stays abroad“ an. Er findet am Dienstag, 3. November 2026, von 12:15 bis 13:45 Uhr über Zoom statt.

Eingeladen sind Forschende in der späten Promotions- und frühen Postdoc-Phase an der Universität Greifswald und der Universitätsmedizin Greifswald. Auch Forschende anderer Greifswalder Forschungseinrichtungen können teilnehmen. Roberta Wirminghaus vom International Office und Sara Hackert vom Research Support Centre/ZFF sprechen über Fördermöglichkeiten für kurze, mittlere und längere Auslandsaufenthalte, über Aufenthalte zu Lehr- und Forschungszwecken, praktische Schritte bei der Antragstellung sowie internationale Mobilität und den Aufbau grenzüberschreitender wissenschaftlicher Netzwerke.

Zwischen Forschungsprofil und Förderantrag

Die Veranstaltung gehört zur Reihe „Managing Research“. Sie vermittelt Grundlagen für die Vorbereitung, Antragstellung und Umsetzung des ersten Postdoc-Forschungsprojekts. Organisiert wird sie vom Centre for Research Support and Transfer (ZFF) und dem Centre for Academic and Digital Skills/Graduate Academy der Universität Greifswald.

Ein Postdoc-Stipendium kann die Zeit zwischen Promotion und dem nächsten Karriereschritt überbrücken: für einen Auslandsaufenthalt, den Aufbau eines eigenen Forschungsprofils, eine Publikationsphase oder die Vorbereitung auf eine Nachwuchsgruppenleitung, Habilitation oder Professur. Im Unterschied zur klassischen Postdoc-Stelle steht meist die eigenständige wissenschaftliche Qualifikation im Mittelpunkt. Stipendiat:innen arbeiten häufig nicht weisungsgebunden und können Forschungsthema, Gastinstitution und Arbeitsorganisation teilweise selbst wählen.

Nur: „Stipendium“ oder „Fellowship“ ist kein einheitlicher Rechtsbegriff. Möglich sind direkte monatliche Zahlungen, ein befristeter Arbeitsvertrag an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung oder Sachmittel-, Reise-, Personal- beziehungsweise Gruppenaufbaumittel. Das wirkt sich auf Gehalt, Steuer, Kranken- und Rentenversicherung, Arbeitslosenansprüche und Elternzeit aus. Vor der Bewerbung sollten deshalb Voraussetzungen, Fristen, Fachgebiete und örtliche Regelungen des jeweiligen Programms auf dem Tisch liegen.

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Typische Stolpersteine bleiben die Befristung, fehlende Sozialversicherung sowie strenge Mobilitäts- und Fristenregeln. Viele Forschungsstipendien gelten nach § 14 SGB IV nicht als Arbeitsentgelt; eine automatische Sozialversicherung über den Arbeitgeber besteht dann meist nicht. Ob Steuerfreiheit greift, hängt vom Programm und den steuerrechtlichen Voraussetzungen ab. Im Zweifel: Förderbedingungen prüfen und steuerliche Beratung einholen, bevor das Geld am Ende anders aussieht als gedacht.

Programme für die ersten Jahre nach der Promotion

Das DFG-Walter-Benjamin-Programm fördert Postdocs in der frühen Karrierephase bis zu zwei Jahre. Geforscht werden kann in Deutschland oder im Ausland. In Deutschland läuft die Förderung formal über eine Stelle, im Ausland über ein Stipendium; die Höhe richtet sich nach dem Förderort. Für unverheiratete, kinderlose Wissenschaftler:innen galten 2026 beispielsweise 3.975,30 Euro monatlich in Dänemark und 4.282,62 Euro monatlich in Boston/USA.

Das DAAD-Kurzstipendium richtet sich an Forschungsvorhaben deutscher Wissenschaftler:innen im Ausland und läuft drei bis sechs Monate. Vorgesehen sind ein Grundbetrag von 2.188 Euro monatlich plus länderspezifischem Auslandszuschlag. Je nach Situation können Kinderzulagen, Reisekostenpauschalen und Sachkostenbeiträge dazukommen. Ab 2027 wird das Programm nur noch zweimal jährlich vergeben; die Vergabe im Oktober entfällt.

Für längere internationale Wege kommen die MSCA Postdoctoral Fellowships der EU infrage. Sie stehen Postdocs aus acht Fachbereichen offen: Chemie, Wirtschaftswissenschaften, Informationswissenschaft und Ingenieurwesen, Umwelt- und Geowissenschaften, Lebenswissenschaften, Mathematik, Physik sowie Sozial- und Geisteswissenschaften. Meist wickelt die aufnehmende Einrichtung die Förderung ab, häufig gibt es einen Arbeitsvertrag. Grundbetrag, Mobilitätszulage und gegebenenfalls Familienzuschläge gehören zu den Bestandteilen.

Innerhalb Europas dauern die Fellowships 12 bis 24 Monate, außerhalb Europas 24 bis 36 Monate. European Fellowships sind für Forschende jeder Nationalität offen, die in einem EU-Mitgliedstaat oder assoziierten Staat forschen möchten. Global Fellowships richten sich an Staatsangehörige von EU-Mitgliedstaaten oder assoziierten Staaten sowie an Personen mit mindestens fünf Jahren ununterbrochener Tätigkeit dort. Anschließend folgen Forschung in einem Drittland und eine verpflichtende zwölfmonatige Rückkehrphase in die EU oder einen assoziierten Staat.

Voraussetzung ist eine abgeschlossene oder bis zur Einreichungsfrist erfolgreich verteidigte Promotion. In der Regel dürfen Bewerber:innen höchstens acht Jahre Forschungserfahrung nach der Promotion haben; Ausfallzeiten können berücksichtigt werden.

Beim DAAD PRIME gilt ausdrücklich „Stelle statt Stipendium“: Unterstützt werden internationale Erfahrungen über eine befristete Stelle an einer deutschen Hochschule, nicht über direkte Stipendienzahlungen. Die 18 Monate teilen sich in zwölf Monate Entsendung ins Ausland und sechs Monate Reintegrationsphase an einer deutschen Hochschule. Angesprochen sind Postdocs aller Nationalitäten, die internationale Erfahrung sammeln und langfristig in Deutschland arbeiten möchten.

Auch die Alexander-von-Humboldt-Stiftung bietet Wege nach draußen: Das Feodor-Lynen-Forschungsstipendium ermöglicht sechs bis 24 Monate im Ausland und ist für alle Fachrichtungen offen. Das NSTC-Forschungsstipendium führt für drei bis zwölf Monate nach Taiwan, ebenfalls ohne Einschränkung auf bestimmte Fachrichtungen.

Wenn aus Mobilität eine eigene Gruppe werden soll

Wer nicht nur reisen, sondern eine eigene Forschungseinheit aufbauen möchte, findet im DFG-Emmy-Noether-Programm eine längerfristige Perspektive. Postdocs und Juniorprofessor:innen können damit sechs Jahre lang eigenverantwortlich eine Nachwuchsgruppe leiten. Das Programm dient der Vorbereitung auf eine Professur; die Bewerbung erfolgt in der Regel bis vier Jahre nach der Promotion. Meist erwartet die DFG mindestens zwei Jahre Postdoc-Erfahrung, substanzielle internationale Forschungserfahrung und ein exzellentes Forschungsvorhaben. Ausländische Bewerber:innen sollen schriftlich erklären, ihre wissenschaftliche Karriere anschließend in Deutschland fortzusetzen.

Die Carl-Zeiss-Stiftung Nexus unterstützt herausragende junge Wissenschaftler:innen mit 1,5 Millionen Euro beim Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe. Das Forschungsthema muss mindestens zwei MINT-Disziplinen verbinden, die Gruppe an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder Thüringen angesiedelt sein. Für die Ausschreibung 2027 im September 2026 werden höchstens 100 Projektskizzen angenommen – da heißt es, nicht erst im letzten Moment loszulegen.

Mit dem „1000-Köpfe-plus-Programm“ wurden Fördermöglichkeiten für internationale Forschende verschiedener Karrierestufen ausgebaut. Das Programm stärkt unter anderem Förderlinien der Humboldt-Stiftung und der DFG und soll bessere Perspektiven für Forschende schaffen, die ihre Karriere in Deutschland fortsetzen oder hier neu aufbauen möchten. Das Humboldt-Forschungsstipendium richtet sich an überdurchschnittlich qualifizierte Forschende aus dem Ausland mit eigenem Forschungsvorhaben in Deutschland. Postdocs erhalten monatlich 3.000 Euro zuzüglich Nebenleistungen; eine Bewerbung ist in der Regel bis vier Jahre nach der Promotion möglich, Ausfallzeiten können berücksichtigt werden.

Was nach dem Flug kommt

Auslandsaufenthalte gehören zur Postdoc-Phase und können den weiteren akademischen Werdegang sowie die Weiterqualifikation fördern. Wie häufig Forschende ins Ausland gehen, hängt von der Fachkultur ab; in den Naturwissenschaften ist das verbreiteter als in anderen Disziplinen. Ein Aufenthalt kann neue Themenbereiche erschließen, Raum für ein Thema nach persönlichen Interessen oder strategischen Karriereüberlegungen geben und auf gefragte fachliche Schwerpunkte vorbereiten.

In Förderanträgen sollte nachvollziehbar werden, wie bisherige Forschungserfahrungen zur Bearbeitung des neuen Themas beitragen. In der Postdoc-Phase geht es ohnehin um mehr als Fach- und Methodenwissen: um die eigenständige Planung von Forschungsprojekten, gegebenenfalls erfolgreiche Förderanträge, nachweisbare Eigeninitiative, Erfahrungen mit renommierten Gastgebern oder Forschungseinrichtungen und die Durchführung eines Projekts in ungewohnter Umgebung. Veröffentlichungen zählen als wichtiges Erfolgskriterium. Dazu kommen kulturelle Erfahrungen und vertiefte oder neu erworbene Sprachkenntnisse.

Ein Postdoc-Aufenthalt kann für Menschen, denen die Forschung während der Promotion Freude gemacht hat, eine konzentrierte Zeit im selbst gewählten Themen