Am KIT in Karlsruhe ist ein neues Kapitel für das Bauen der Zukunft aufgeschlagen worden. Der Parlamentarische Staatssekretär Sören Bartol unterzeichnete gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg eine Eckpunktevereinbarung und übergab Förderbescheide. Bund und Länder legen damit den Grundstein für das Bundesforschungszentrum für klimaneutrales und ressourcenschonendes Bauen (BFZ).

Der Anlass ist ziemlich handfest: Klimawandel und hoher Ressourcenverbrauch zählen zu den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – und der Bausektor trägt dazu bei. Das BFZ soll deshalb mehrere Standorte in Deutschland verbinden, vorhandene Forschung stärken und neue Wege für ein Bauwesen eröffnen, das weniger CO₂ verursacht und sparsamer mit Material umgeht.

Ein Zentrum im Verbund

Gegründet werden soll das BFZ 2026 als Verein. Zu den Gründungsmitgliedern gehören der Bund, die Länder Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg sowie wissenschaftliche Einrichtungen dieser Länder. Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg sind dabei gleichberechtigte Gründungsmitglieder.

Das Zentrum ist nicht als einzelner Neubau mit einem großen Schild am Eingang gedacht, sondern als Verbundstruktur. Neue Forschungsfragen und Forschungsformate sollen an bestehenden Einrichtungen oder auf deren Grundlage bearbeitet werden. So lassen sich vorhandene Expertise und Reputation nutzen, flexible Strukturen schaffen und Doppelstrukturen vermeiden. Die Landesstandorte dienen als Verbindung zu den Forschungseinrichtungen der jeweiligen Länder.

Der Aufbau beginnt 2026 mit einer Pilotförderung von drei Forschungsclustern. Beteiligt sind Einrichtungen aus Wissenschaft, Praxis und Kommunen. Ein international besetztes Wissenschaftsgremium soll den Aufbau begleiten und evaluieren. Das BFZ startet damit also nicht allein, sondern mit internationaler Begleitung und einem Netzwerk, das Forschungsergebnisse schneller in die Anwendung bringen soll.

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Der Auftrag zur Einrichtung und Finanzierung stammt aus dem Koalitionsvertrag und führt einen Prozess fort, der bereits in der vorherigen Legislaturperiode begonnen wurde. Das vom Haushaltsausschuss des 20. Deutschen Bundestages gebilligte Konzept setzt auf ein Netzwerk und eine dezentrale Ansiedlung: Die Aufgaben sollen an den Standorten der Gründungsländer wahrgenommen werden.

Karlsruhe, Stuttgart, Biberach – und viele Partner

Baden-Württemberg beteiligt sich mit rund 40 Forschungseinrichtungen. Dazu gehören das Karlsruher Institut für Technologie, die Universität Stuttgart mit dem Exzellenzcluster IntCDC, die Hochschule Biberach und acht Institute der Fraunhofer-Allianz Bau.

In Sachsen soll die Forschung zum klimaneutralen Bauen dauerhaft in Bautzen angesiedelt werden. Thüringen bringt sich über das Innovationszentrum Bau in Weimar ein und soll wichtige Geschäftsstellenfunktionen übernehmen. Baden-Württemberg will insbesondere Kompetenzen aus Wissenschaft und Wirtschaft für kreislaufgerechtes Bauen und digitale Methoden beisteuern.

An der Universität Stuttgart und am KIT entstehen Experimentalplattformen. Dort sollen unter anderem digitale Planung, zirkuläre Bauweisen und biogene Baustoffe wie Holz erforscht und erprobt werden. Ungenutzte Bestandsgebäude sollen dafür als reale Versuchsfelder dienen – für Sanierung, Umnutzung und Erweiterung nachhaltiger Konzepte. Zwischen Labor, Baustelle und Amtsstube soll der Austausch enger werden: Erfahrungen aus der Praxis fließen zurück in die Forschung, neue Erkenntnisse sollen rascher in der Bauwirtschaft ankommen.

Das BFZ soll Bauforschungsaktivitäten in Deutschland bündeln und unterstützen, den Innovationstransfer verbessern und die internationale Sichtbarkeit sowie Vernetzung der deutschen Bauwirtschaft stärken. Auf dem Papier klingt das trocken. In der Praxis geht es um die Frage, ob eine gute Idee den Sprung aus dem Forschungsbericht auf die Baustelle schafft.

Weniger Material, längere Nutzung

Die Größenordnung des Problems zeigt ein Blick auf die Rohstoffe: Die Bauindustrie in Deutschland benötigt jährlich mehrere hundert Millionen Tonnen Kies, Sand und Schotter. Verwendet werden diese Materialien unter anderem für Asphalt im Straßenbau und für Beton in Gebäuden. Sie stammen überwiegend aus der direkten Entnahme aus der Natur.

Der größte Hebel liegt deshalb nicht unbedingt im nächsten spektakulären Neubau, sondern in der längeren Nutzung dessen, was bereits steht. Nach Angaben zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie könnten dadurch potenziell 655 Millionen Tonnen Material eingespart werden. Strategien sollen helfen, bestehende Gebäude möglichst lange zu erhalten und systematisch auf eine weitere Nutzung zu prüfen.

Büro- und Gewerbeflächen brauchen vielleicht irgendwann eine andere Aufteilung, ein Gebäude kann eine Nachnutzung bekommen oder mit langlebigen Materialien weiterbetrieben werden. Kontinuierliche Instandhaltung und Sanierungen können Abrisse hinauszögern. Das klingt weniger glamourös als ein Neubau, ist aber oft der entscheidende Teil der Rechnung.

Gebäude sind zudem Rohstofflager. Beton, Stahl, Holz und Glas verschwinden beim Abriss nicht einfach aus der Welt – sie können bei sorgfältigem Ausbau erneut als Bauteile verwendet oder zu neuen Baustoffen verarbeitet werden. Rohstoffe sollen möglichst lange im Kreislauf bleiben. Genau dort treffen sich die Ziele des BFZ: Ressourcenverbrauch reduzieren, CO₂-arme Baustoffe und Bauverfahren entwickeln, zirkuläre und ressourceneffiziente Bauweisen etablieren und Forschung sowie Praxis enger verknüpfen.

Weiterführende Informationen enthält das Kapitel „Bau- und Gebäudebereich“ der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Als Datenquelle wird die European Environment Agency mit „Building renovation: where circular economy and climate meet“ genannt.