Heute, am 27. Oktober 2026, besucht Bundesforschungs- und Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) das Raumfahrtunternehmen TESAT in Backnang und die Universität Stuttgart. An der Uni spricht sie mit Studierenden und Forschenden über eine Frage, die ziemlich weit nach oben reicht: Wie kann Raumfahrt nachhaltiger werden?

Satelliten sind längst mehr als helle Punkte am Nachthimmel. Sie helfen bei der Navigation, der militärischen Aufklärung und der Kommunikation, außerdem sind sie für die Raketenabwehr wichtig. Gleichzeitig bleiben die Systeme verwundbar, etwa durch Cyberangriffe. Fällt die Technik aus, merkt man das unter Umständen nicht im All, sondern ganz unten – bei Diensten, die im Alltag selbstverständlich wirken.

Laser statt Funk: Besuch bei TESAT

In Backnang entwickelt TESAT Kommunikationssysteme, die Daten mithilfe von Laserstrahlen übertragen. Das vom Bund geförderte Forschungsprojekt „SCOT30“ arbeitet an dieser Technologie. Bär überreicht bei ihrem Besuch eine Förderurkunde und bezeichnet Satellitenkommunikation als wichtigen Bestandteil der Widerstandsfähigkeit Deutschlands. TESAT steht für sie zugleich für Hightech „Made in Germany“.

Baden-Württemberg ist neben Bayern Deutschlands bedeutendster Raumfahrtstandort. Rund 40 Prozent der Beschäftigten der deutschen Raumfahrtbranche arbeiten hier. Zu den wichtigen Adressen gehören Airbus in Ulm und Friedrichshafen sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen im Kreis Heilbronn. Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie erzielt jährlich rund fünf Milliarden Euro Umsatz – eine Zahl, die dem Blick in den Himmel ziemlich bodenständige Seiten gibt.

Weniger Schrott, mehr Forschung

An der Universität Stuttgart geht es bei Bärs Gespräch um nachhaltigere Raumfahrtmissionen. Ein Schwerpunkt ist die Verringerung von Weltraumschrott. Das Thema steht sowohl auf der Raumfahrtagenda der Bundesregierung als auch der Landesregierung. Neben den großen Programmen entstehen im Land auch Projekte mit erstaunlich irdischem Ausgangsmaterial: Studierende der Hochschule Offenburg schickten einen Wetterballon mit Hefepilzen, Mungobohnensprossen und Bakteriensporen in die Stratosphäre. Forschende aus Meckenbeuren entwickeln Mini-Labore, um Zellen unter Schwerelosigkeit zu untersuchen.

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Raumfahrt bedeutet heute ohnehin nicht nur Missionen zu fernen Planeten. Sie bringt Technologien hervor, die im Alltag landen: Satelliten-Navigation, feuerfeste Materialien und Memory-Schaum gehören zu den genannten Beispielen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert Raumfahrt als Bestandteil der Hightech-Agenda Deutschland. Sie soll die wirtschaftliche Stärke, die technologische Führungsrolle und die politische Handlungsfähigkeit des Landes sichern.

Erdbeobachtungsdaten des europäischen Copernicus-Programms helfen der Landwirtschaft, Wasser und Dünger effizient einzusetzen. Galileo liefert präzise Zeitdaten für Finanztransaktionen, Telekommunikation und Stromnetze. Bis 2030 soll Copernicus rund 35 Milliarden Euro zur europäischen Wirtschaft beitragen; Galileo soll innerhalb von 20 Jahren rund 90 Milliarden Euro erwirtschaften. Globale Krisen führen außerdem vor Augen, wie wichtig Raumfahrt für Umweltüberwachung und Klimaforschung, sichere Kommunikation, stabile Energienetze und zuverlässige Infrastruktur ist.

Europäische Kräfte, große Fragen

Das BMFTR setzt auf eigenständige wissenschaftliche, technologische und wirtschaftliche Projekte – zugleich aber auf enge Zusammenarbeit mit europäischen Partnern. Deutschland ist größter Beitragszahler der Europäischen Weltraumorganisation ESA, die 2025 ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Gemeinsame europäische Investitionen sollen technologische Unabhängigkeit sichern und Europas Position im All stärken.

Satelliten, Raumsonden und Weltraumteleskope erfassen kosmische Strahlung, ohne dass die Erdatmosphäre die Messungen stört. Die erdgebundene Astronomie schaut dagegen von der Erde aus ins Weltall: Observatorien, Teleskope und Detektoren empfangen Signale aus dem Kosmos und können dadurch besonders große Himmelsbereiche untersuchen. Im Zentrum stehen Fragen nach den Strukturen Schwarzer Löcher, dem Verhältnis von Raum und Zeit, der Entstehung der Milchstraße und des Sonnensystems sowie der tatsächlichen Größe des Universums.

Dafür werden die größten Teleskope der Welt eingesetzt. Ihre hochkomplexen Instrumente verlangen Investitionen über Jahrzehnte und entstehen häufig international. Beim Projekt 4MOST handelt es sich um ein neues Spektroskop am VISTA-Teleskop der ESO. Es kann rund 2.400 Himmelsobjekte gleichzeitig beobachten und soll ab 2026 den Südhimmel großflächig vermessen. Untersucht werden unter anderem die Entstehung der Milchstraße sowie die Entwicklung von Galaxien und Schwarzen Löchern.

Das SKAO ist ein internationales Radioteleskop-Observatorium mit Anlagen in Australien und Südafrika. Es erforscht die Entstehung des Universums und fundamentale Physik; Deutschland beteiligt sich mit Technologie, Forschung und Datenanalyse. Die Europäische Südsternwarte ESO betreibt mehrere Teleskope in Chile, darunter das Paranal-Observatorium und ALMA. Im Bau ist außerdem das ELT, das größte optische Teleskop der Welt. Deutschland ist ESO-Mitglied und größter Beitragszahler.

Hinter solchen Anlagen stehen Messinstrumente an der Grenze des technisch Machbaren, oft entwickelt mit spezialisierten Hightech-Unternehmen. Die Datenauswertung fordert komplexe Computercodes, die selbst die leistungsfähigsten Supercomputer herausfordern. Und manches, was heute selbstverständlich wirkt, hat Wurzeln in der astronomischen Forschung: Cerankochfelder, Bifokalgläser, GPS, CCD-Sensoren in Digitalkameras, WiFi-Technologie, medizinische Bildgebungsverfahren und moderne Dental-Laser.

Der Weg nach oben

Trägerraketen bringen Menschen und Material ins All und bilden die Grundlage für wissenschaftliche und wirtschaftliche Raumfahrt. Mit der europäischen Ariane-Rakete sichert Europa seinen unabhängigen Zugang zum All. Deutschland beteiligt sich an der Weiterentwicklung und Diversifizierung europäischer Trägersysteme. Angestrebt wird ein wirtschaftlich nachhaltiger, international wettbewerbsfähiger Zugang zum All; Deutschland und seine europäischen Partner entwickeln dafür Konzepte für den künftigen europäischen Raumtransport.

Das DLR ist Europas größte ingenieurwissenschaftliche Forschungseinrichtung für Luft- und Raumfahrt. Es arbeitet außerdem in den Bereichen Energie, Verkehr, Digitalisierung und Sicherheit. Zu den Forschungsschwerpunkten zählen Künstliche Intelligenz, emissionsfreie Luftfahrt, Navigation und Kommunikation einschließlich Satellitennavigation, Erdbeobachtung, Robotik, Energiespeichersysteme, Energieeffizienz, Verkehrsleitsysteme, elektrisches und autonomes Fahren, Cybersicherheit, der Schutz von Kommunikations- und Energieinfrastruktur, Drohnenabwehr und Quantencomputing.

Die Raumfahrtagentur innerhalb des DLR übernimmt im Auftrag der Bundesregierung hoheitliche Aufgaben bei der Planung und Umsetzung deutscher Raumfahrtaktivitäten auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Die PRS-Behörde ist im Zuge der Bündelung der Raumfahrtaktivitäten in der Bundesregierung beim BMFTR angesiedelt. Sie regelt den Nutzerzugang zum Public Regulated Service (PRS), dem öffentlich regulierten Galileo-Dienst, und dient als Kontaktstelle für die nationale PRS-Industrie. Erreichbar ist sie unter CPA@bmftr.bund.de.