Studium Generale in Tübingen: Klima, Rechtsextremismus, Wissensvielfalt und kulturelles Erbe im Fokus
Am Dienstag, 13. Oktober 2026, beginnt das Studium Generale der Universität Tübingen mit fünf öffentlichen Vorlesungsreihen ins Wintersemester. Es geht um Klima und Klimaschutz in Tübingen, Provenienzforschung und kulturelles Erbe, Rechtsextremismus und Religionen, Wissensvielfalt und nachhaltige Entwicklung sowie um sichtbare Geschichte in osteuropäischen Städten.
Der Klimaschwerpunkt kommt nicht von ungefähr. Der Deutsche Wetterdienst meldete für Baden-Württemberg im Sommer 2026 die niedrigste Bodenfeuchte seit Beginn der systematischen Erfassung im Jahr 1991. Trockenheit ist damit längst nicht mehr bloß ein Thema für Wetterkarten, Gärten und den kurzen Blick auf den Pegelstand.
Religion, Wissen und die Frage nach Verantwortung
Den Auftakt macht am 13. Oktober um 18:15 Uhr im Hörsaal 25 die 13-teilige Reihe „Rechtsextremismus und Religionen“. Veranstalter sind das Center for Religion, Culture and Society (CRCS) der Universität Tübingen und das Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex). Untersucht werden Wechselwirkungen zwischen religiösen Praktiken beziehungsweise Identitäten und extrem rechten sowie nationalistischen Ideologien – interdisziplinär und aus internationaler Perspektive.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Instrumentalisierung von Religion in antidemokratischen Diskursen und mögliche Zusammenhänge zwischen Religion als kultureller Praxis und ausgrenzenden gruppenbezogenen Ideologien.
Am Montag, 19. Oktober, folgt ebenfalls um 18:15 Uhr im Hörsaal 25 die Reihe „Kulturelles Erbe im Wandel: Provenienz, Restitution und gesellschaftliche Verantwortung“. Sie fragt nach der Verantwortung von Museen, Universitäten und anderen Institutionen für die Geschichte ihrer Sammlungen. Rechtliche, politische, archäologische und postkoloniale Perspektiven treffen dabei auf Fragen zu Eigentum, Unrecht, Provenienzforschung, internationaler Zusammenarbeit und Restitution.
Auch die Zusammenarbeit mit Partnern und Herkunftsgesellschaften kommt zur Sprache. Ebenso geht es darum, welche Verantwortung Museen und Universitäten künftig tragen.
Am Dienstag, 20. Oktober, 18:15 Uhr, Hörsaal 21, richtet die Reihe „Wertvolles Wissen?! Zur Vielfalt des Wissens für Nachhaltige Entwicklung“ den Blick auf epistemische Gerechtigkeit. Wann wird der Anspruch auf besseres oder überlegenes Wissen problematisch? Wer entscheidet, welche Wissensformen zählen? Diskutiert werden Ungerechtigkeiten bei der Wissensproduktion und die Frage, wie Wissenschaftler gemeinsam mit anderen Akteuren Analysen und Lösungen für sozial-ökologische Probleme entwickeln können.
Was Tübingen mit dem Klima macht
„Kann Tübingen Klima? Vom Wissen und Handeln for Future“ startet am Donnerstag, 15. Oktober, um 18:15 Uhr im Hörsaal 25. Tübinger Wissenschaftler, im Klimaschutz und in der Klimapolitik engagierte Menschen sowie Experten der Stadtentwicklung stellen bisherige Entwicklungen vor. Dabei geht es nicht nur um das Wissen über ökologische Krisen, sondern um den oft mühsamen Schritt vom Wissen zum praktischen Handeln.
Die Ringvorlesung zu ökologischen Krisen, Nachhaltigkeit und Zukunftsperspektiven wird jeweils donnerstags um 18:00 Uhr c.t. im Hörsaal 25 veranstaltet. Im Mittelpunkt stehen menschengemachte Naturzerstörung, Klimaerwärmung und Biodiversitätsverlust – aber auch Wissen und Handlungsoptionen für menschen- und lebensfreundliche Verhältnisse.
Organisiert wird die Veranstaltung von Prof. Dr. Matthias Möhring-Hesse von der Katholisch-Theologischen Fakultät Tübingen, Dr. Christiane Bertram von Scientists for Future und dem Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung, Hans-Ullrich Brändle und Julienne Götz von Health for Future sowie Thilo Schäfer von Teachers for Future und dem Umweltzentrum Tübingen.
Expert:innen aus Ethik, Geo- und Umweltwissenschaften, Medizin, Pädagogik und Psychologie, Siedlungsplanung und Sozialwissenschaften teilen ihr Wissen. Tübinger Wissenschaftler:innen, klimapolitisch engagierte Menschen und Fachleute der lokalen Stadtentwicklung diskutieren bereits erreichte Fortschritte, Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität sowie lokale und globale Voraussetzungen für eine menschen- und lebensfreundliche Zukunft.
Das Wissen aus Stadtgesellschaft, Stadtverwaltung und Universität soll zusammengetragen und praktisch nutzbar gemacht werden. Zur Sprache kommen außerdem die gesundheitlichen, sozialen, politischen und ethischen Folgen ökologischer und gesellschaftlicher Krisen. Der lokale Rahmen ist dabei ziemlich konkret: Tübingen steht 950 Jahre nach seiner Gründung, die Universität 550 Jahre nach ihrer Gründung.
Städte zwischen Erinnerung und Umbruch
Am Mittwoch, 21. Oktober, beginnt um 18:15 Uhr im Hörsaal 25 „Eastern Cityscapes. Von der Ostsee bis zum Mittelmeer“. Die Vorträge untersuchen, wie imperiale und sozialistische Vergangenheit heutige Stadtlandschaften prägt, etwa in Bukarest und Warschau.
Städte erscheinen dabei als Erinnerungsorte. Architektur, Infrastruktur und öffentliche Räume verändern sich durch politische Umbrüche, manchmal sichtbar, manchmal erst auf den zweiten Blick. Ein Beispiel ist Krementschuk in der Ukraine, dessen jüngere Geschichte den Stadtraum stark geprägt hat.
Weitere Vorträge beschäftigen sich mit der Darstellung von Städten in Texten und Literatur sowie mit Grenzstädten, Metropolen, regionalen Zentren und geteilten Städten. Die Reihe eröffnet vergleichende Perspektiven auf Geschichte und Gegenwart Osteuropas – vom Ostseeraum bis zum Mittelmeer.
Alle Vorlesungen finden montags bis donnerstags um 18:15 Uhr im Hörsaalgebäude Kupferbau, Hölderlinstraße 5, statt. Die Veranstaltungen sind kostenlos und stehen Studierenden aller Fachrichtungen sowie allen anderen Interessierten offen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Für die Klima-Ringvorlesung nennt der bereitgestellte Artikeltext keine einzelnen Veranstaltungstermine. Aktuelle Informationen und kurzfristige Änderungen stehen auf der Website des Studiums Generale der Universität Tübingen.
