Christian Würtz als neuer Bischof von Eichstätt: Neuanfang zwischen Reformen und Finanzskandal
Christian Würtz ist heute, am 4. Oktober 2026, im Eichstätter Dom als 83. Bischof von Eichstätt eingeführt worden. Der 55-Jährige, ehemaliger Freiburger Weihbischof, ist damit Deutschlands jüngster Diözesanbischof. Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Hubertus van Megen, überreichte ihm die päpstliche Ernennungsurkunde.
Würtz’ Wahlspruch lautet „Adveniat regnum tuum“ – „Dein Reich komme“. Neben dem Hirtenstab erhielt er das sogenannte Rationale, einen über dem Messgewand getragenen Schulterschmuck. Diese Insigne ist nur noch in drei weiteren europäischen Bistümern üblich. Den Gottesdienst leitete der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl.
Ein Neuanfang nach einem vakanten Jahr
Christian Würtz folgt Gregor Maria Hanke nach. Der Benediktiner war 2025 aus Altersgründen vorzeitig auf eigenen Wunsch als Bischof zurückgetreten; anschließend blieb der Bischofssitz in Eichstätt ein Jahr lang vakant. Zum Festgottesdienst wurden neben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann auch der emeritierte Bischof Hanke erwartet.
Das im 8. Jahrhundert von dem aus England stammenden Missionar Willibald gegründete Bistum zählt mehr als 330.000 Katholiken. Würtz sagte, er freue sich auf die Amtseinführung und darauf, mit den Menschen im Bistum unterwegs zu sein und sie kennenzulernen. Nach dem Gottesdienst veranstaltet das Bistum ein „Fest der Begegnung“. Der Bayerische Rundfunk überträgt den Gottesdienst ab 13:30 Uhr live im Fernsehen.
Geboren wurde Christian Würtz 1971 in Karlsruhe, wo er mit zwei Geschwistern aufwuchs. Er studierte zunächst Jura, später Theologie, und promovierte in beiden Fächern. Vor seiner Ernennung war er sieben Jahre Weihbischof im Erzbistum Freiburg und leitete dort das Priesterseminar. Als Kirchenrichter befasste er sich unter anderem mit der Gültigkeit von Ehen; außerdem war er für Hochschulen zuständig.
Im Freiburger Ordinariat beschrieben ihn Menschen als offen, zugänglich, humorvoll und unprätentiös. Zur Verabschiedung bekam er ein bayerisches Wörterbuch und ein Puzzle des Freiburger Münsters. Sein Humor blieb auch in Eichstätt Thema: Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Michael Gerber aus Fulda, gratulierte Würtz und verwies auf dessen Humor und theologische Argumentationskraft.
Frieden als Leitmotiv
In seiner Predigt erklärte Würtz, er wolle nach dem Vorbild der Empfehlungen des Apostels Paulus zum Frieden beitragen. Er verwies auf Menschen im Bistum, die sich durch Gebet und aktives Handeln für den Frieden einsetzten. Auch wenn der Erfolg ausbleibe, rief er dazu auf, weiter am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken.
An der Feier nahmen rund 180 Bischöfe, Priester und Diakone aus dem In- und Ausland teil. Bayern war durch Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann vertreten. Kardinal Reinhard Marx begrüßte Würtz als neues Mitglied der Freisinger Bischofskonferenz und verwies auf die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, die einzige katholische Universität Deutschlands.
Söder sagte weitere staatliche Mittel für die Universität zu. Das christlich-abendländische Wertefundament biete eine Grundlage für Frieden, Freiheit und Demokratie sowie für den Respekt vor dem Einzelnen, erklärte der Ministerpräsident. Zugleich rief er Würtz dazu auf, sein Amt engagiert und mutig anzugehen. Der neue Diözesanratsvorsitzende Roland Schwab bezeichnete die Amtseinführung als Anlass zur Freude und verband mit dem Neuanfang die Hoffnung auf gemeinsame weitere Schritte.
Erwartungen an Reformen und Finanzen
Im Bistum Eichstätt erwarten Würtz Herausforderungen, die mit dem weiterhin nachwirkenden Finanzskandal zusammenhängen. Christian Gärtner vom Landeskomitee der Katholiken in Bayern kritisiert, dass Gläubige angesichts von Sparmaßnahmen auf die Investitionen in den USA verweisen, bei denen mehrere Millionen Euro verloren gegangen seien. Das sitzt offenbar noch tief.
Viele Gläubige warten außerdem auf Würtz’ Positionierung im Reformprozess der katholischen Kirche. Anders als sein als konservativ geltender Vorgänger unterstützte Würtz den Synodalen Weg von Beginn an. Er stimmte für Segensfeiern gleichgeschlechtlicher Paare und für mehr Mitsprache von Laien. Zudem setzt er sich für eine stärkere Teilhabe von Frauen in der Kirche ein.
Die Rolle der Frau müsse neu betrachtet und bislang ungenutztes Potenzial erschlossen werden, sagt Würtz. Gleichzeitig betont er, die Kirche müsse sich fortlaufend reformieren und dürfe nicht stehen bleiben. Seine künftigen Positionen zu kirchenpolitisch umstrittenen Fragen werden im Bistum mit Spannung erwartet.
Von der KU Ingolstadt aus richtet sich der Blick damit auf einen Bischof, der zwei akademische Laufbahnen, Erfahrungen als Kirchenrichter und sieben Jahre Leitungserfahrung aus Freiburg mitbringt – und nun in Eichstätt erst einmal ankommen muss. Zwischen Rationale, Festgottesdienst, Finanzdebatte und Reformfragen beginnt sein neues Amt nicht gerade leise.
