Münchens Olympia-Bewerbung: Vier Sportstandorte im Landkreis und viele offene Infrastrukturfragen
Vom TUM-Campus in München aus reicht der Blick bei der Olympia-Bewerbung weit über die Stadtgrenze hinaus. Der Deutsche Olympische Sportbund hat München als deutschen Kandidaten für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele ausgewählt. Das wurde in München positiv aufgenommen, ist aber noch kein Zuschlag. Gemeinsam mit dem Freistaat Bayern und dem Bund muss die Stadt die internationale Bewerbung nun erst ausarbeiten.
Das Internationale Olympische Komitee soll voraussichtlich 2029 über den Austragungsort entscheiden. Als internationale Mitbewerber werden unter anderem Katar, Indien und die Türkei genannt. Bis dahin geht es um deutlich mehr als Sportstätten: Verkehr, Wohnen, Mobilitätsangebote und Stadtentwicklung gehören ebenso in die Unterlagen.
Vier Standorte im Landkreis München
Der Landkreis München könnte mit drei Kommunen und vier Standorten Teil des Bewerbungskonzepts werden. Vorgesehen sind Hockey im Sportpark Unterhaching, Schießen in Garching-Hochbrück, Rudern und Kanu auf der Regattaanlage in Oberschleißheim sowie Bogenschießen im Schlosspark Schleißheim.
Landrat Christoph Göbel (CSU) hat Unterstützung für die Münchner Bewerbung angekündigt. Unterhachings Bürgermeister Korbinian Rausch (CSU) setzt darauf, dass das vom FC Bayern sanierte Stadion im Sportpark für olympisches Hockey genutzt werden kann. Der FC Bayern hat die Arena gekauft und treibt ihre Sanierung voran. Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen erklärte, der Verein unterstütze die Bewerbung und sei mit Allianz Arena, BMW Park und Sportpark Unterhaching in die Planungen einbezogen. Erste Gespräche mit den Organisatoren habe es bereits gegeben.
In Garching-Hochbrück gehört die Schießanlage seit 2006 dem Bayerischen Sportschützenbund. Für ihre Aufwertung wären rund 50 Millionen Euro nötig. Beim Bogenschießen im Schlosspark Oberschleißheim wäre der Aufwand vergleichsweise gering. Deutlich teurer käme die Modernisierung der Regattaanlage von 1972: Dafür werden etwa 100 Millionen Euro veranschlagt.
Willi Bock von der Rudergesellschaft München hält die Anlage wettkampftechnisch für sehr geeignet. Vier Ruder- und vier Kanuvereine sind dort beheimatet. Das Umfeld sei allerdings wegen jahrzehntelang fehlender Investitionen sanierungsbedürftig. Der Geruch von Wasser und altem Holz dürfte dort also nicht das einzige Thema sein.
Mehr Nahverkehr, Wohnungen und offene Rechnungen
Die Stadt will die Bewerbung vor allem nutzen, um ohnehin geplante Entwicklungen zu beschleunigen. Der Olympiapark wird modernisiert, die Schwimmhalle ist saniert, Arbeiten am Olympiaturm und am Olympiastadion laufen. Neubauten und Infrastruktur sollen dauerhaft verwendbar sein; die olympischen Strukturen sollen auch nach den Spielen in die Stadt integriert werden. München setzt dabei auf kurze Wege und darauf, bestehende Sportstätten möglichst weiter zu nutzen.
Stadtbaurätin Elisabeth Merk sieht eine zentrale Herausforderung in der besseren Vernetzung der Infrastruktur. Im Gespräch sind unter anderem die Verlängerung der U4, der Bau der U9, ein S-Bahn-Ringschluss im Münchner Norden, Radschnellverbindungen und bessere Radverbindungen zwischen den Sportstätten. Das Mobilitätsreferat plant ohnehin Maßnahmen für öffentlichen Nahverkehr, Rad- und Fußverkehr sowie neue Mobilitätsangebote.
Aus dem Landkreis kommen weitere Vorschläge. Landtagsabgeordneter Maximilian Böltl (CSU) nennt die Verlängerung der U5 nach Ottobrunn, die Verlängerung der U6 von Garching nach Norden, eine Verlängerung der U2 nach Feldkirchen und Heimstetten sowie eine direkte Verbindung zwischen Messe und Flughafen. CSU-Kreisvorsitzender und Außen-Staatsminister Florian Hahn erwartet mögliche Modernisierungen beim öffentlichen Nahverkehr und bei Sportstätten – und Impulse für Wirtschaft und Tourismus in München und Oberbayern.
Olympia könnte den Projekten zusätzlichen Zeitdruck und politische Unterstützung geben, weil einige Vorhaben vor möglichen Spielen fertig sein müssten. Eine Garantie für Finanzierung, Umsetzung oder Fertigstellung ist die Bewerbung aber nicht. Dafür wären schnellere Genehmigungen und Finanzierungsentscheidungen nötig. München ist dabei auf den Freistaat und den Bund angewiesen.
Ein neues Olympisches Dorf ist im Nordosten Münchens vorgesehen. Die Planung knüpft an eine bereits länger geplante Wohnentwicklung an. Böltl brachte zusätzlich Studentenwohnungen in Garching als Satellit des Olympischen Dorfs ins Gespräch; sie könnten bereits vor den Spielen genutzt werden. Auch Teile des Olympischen Dorfs am TUM-Campus in Garching anzusiedeln, ist eine Idee.
Die Stadt München bevorzugt derzeit ein Gebiet zwischen Johanneskirchen, Daglfing und Aschheim. Die dort geplante städtebauliche Entwicklungsmaßnahme wäre mit Enteignungen verbunden und ist umstritten. Ihre Auswirkungen auf die Infrastruktur könnten bis in den Landkreis reichen.
Versprechen mit langem Vorlauf
Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer (CSU) erwartet Investitionen in Infrastruktur und Sportstätten, zusätzliche Einnahmen für Hotellerie und Gastronomie sowie neue Arbeitsplätze. Genau darin liegt für viele Kommunen der Reiz: Geld und Aufmerksamkeit könnten Projekte anschieben, die sonst jahrelang durch Ausschüsse, Genehmigungen und Finanzierungsschleifen wandern.
Gleichzeitig beginnt mit der DOSB-Entscheidung erst die konkrete Bewerbungsarbeit. Finanzielle und planerische Voraussetzungen müssen geschaffen werden. Die Stadt, der Freistaat und der Bund werden also nicht nur Pläne zeichnen, sondern auch klären müssen, wer wann wofür bezahlt. Bis zur erwarteten IOC-Entscheidung 2029 bleibt dafür Zeit – aber nicht unbegrenzt.
Am TUM-Campus in München klingt die Idee eines Olympischen Dorfs in Garching zunächst nach studentischem Wohnen mit sportlichem Etikett. Entscheidend wäre, ob daraus dauerhaft nutzbare Wohnungen und gute Verbindungen werden. Sonst bleibt am Ende womöglich vor allem die Erinnerung an große Pläne, lange Wege und Baustellen, die noch immer nicht fertig sind.
