TUM eröffnet in Garching den „Fort Knox der Physik“ für Quanten- und Biowissenschaften
Am Campus Garching der Technischen Universität München (TUM) ist ein neuer Laborbau für Physik und Biowissenschaften eröffnet worden. Der Freistaat Bayern hat dafür mehr als 87 Millionen Euro bereitgestellt, fünf Jahre dauerte die Bauzeit. Am 3. November 2026 arbeiten dort Forschende aus beiden Fachrichtungen unter einem Dach – mitten auf dem Campus der TUM München.
Auf 13.100 Quadratmetern verteilen sich 44 Standardlabore, 18 spezielle Messräume, 80 Büroräume und fünf Seminarräume. Die Labore sind so angelegt, dass sie sich an unterschiedliche Forschungsbereiche anpassen lassen. Für empfindliche Experimente gibt es erschütterungsgeschützte Laserlaboren und eigens ausgestattete Räume. Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) nannte den Neubau bei der Eröffnung deshalb den „Fort Knox der Physik“.
Quanten, Laser und die großen Fragen
Im Gebäude forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den fünf TUM-Exzellenzclustern BioSysteM, e-conversion, MCQST, NUCLEATE und ORIGINS. Ihre Themen reichen von Quantenphysik und Energietechnologien über neue Materialien bis zu Biotechnologie und Biomedizin. Blume zufolge werden dort auch grundlegende Fragen untersucht – von der Entstehung des Universums bis zum Magnetfeld der Sonne.
Was heute nach Grundlagenforschung ohne direkten Alltagsnutzen klingt, kann später ganz anders aussehen. Laserphysik hat unter anderem medizinische und biotechnologische Anwendungen ermöglicht; die Quantenmechanik bildet eine Grundlage moderner Computerchips. TUM-Präsident Thomas F. Hofmann betonte, Innovationen entstünden häufig gerade aus Forschung ohne unmittelbaren Anwendungsbezug. Dafür brauche es wissenschaftlichen Freiraum und leistungsfähige Infrastruktur.
Die Nähe der Arbeitsgruppen soll den fachübergreifenden Austausch erleichtern und neue Ideen anschieben. Physik und Biowissenschaften sitzen nun näher beieinander, nicht nur auf dem Papier. Auch Studierende bekommen Zugang: Sie können die Räume für praktische Übungen sowie für Bachelor-, Master- und Promotionsarbeiten nutzen.
Platz für Zusammenarbeit
Der Neubau soll optimale Bedingungen für Grundlagenforschung schaffen, die Verbindung von Physik und Biowissenschaften stärken und langfristig neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Innovationen ermöglichen. Hofmann bezeichnete die TUM School of Natural Sciences als wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Exzellenz und Innovationskraft der Universität.
Dass fünf der sieben TUM-Exzellenzcluster in dem Gebäude vertreten sind, verweist zugleich auf den größeren Rahmen der deutschen Forschungsförderung. Über Antragsskizzen und Anträge der Exzellenzstrategie entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission.
Das Committee of Experts besteht aus 39 ausgewiesenen Forschenden aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und bildet damit das gesamte Disziplinenspektrum ab. Die Mitglieder bringen außerdem langjährige Erfahrungen etwa aus dem Ausland, dem Hochschulmanagement, der Lehre oder der Wirtschaft mit. Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehören dem Gremium ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz.
Zu den Aufgaben zählen die Festlegung der Förderbedingungen, die Bewertung von Skizzen und Anträgen auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen sowie Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission. Das Gremium entscheidet außerdem, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Ergebnisse der Evaluation von Exzellenzuniversitäten.
In der Exzellenzkommission sitzen neben dem Committee of Experts die für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Minister des Bundes und der Länder. Auf Grundlage der Empfehlungen entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten. In Garching stehen dafür jetzt jedenfalls Räume bereit, in denen es um kleinste Teilchen, lebende Systeme und ziemlich große Fragen gehen kann.
