Heute, am 15. Oktober 2026, reicht der Blick von Uni Marburg aus weit über Hessen hinaus: nach Riedstadt, an die A66, in Konzert- und Mediatheken – und sogar in einen Schweinestall, dessen Brand nun juristische Folgen hat. Dazwischen liegen Geschichten, die kleiner wirken, aber hängen bleiben.

Zum Beispiel Tobias Braun aus Frielendorf-Großroppershausen. Der Feuerwehrmann ist gehörlos, hat den Feuerwehr-Grundlehrgang bestanden und nimmt an Übungen teil. Sein Team unterstützt ihn dabei. Feuerwehrfrau Mirka Jasper und Bürgermeister Jens Nöll (SPD) sagen ausdrücklich: Braun soll trotz seiner Einschränkung tun können, was er möchte. Kein großes Getöse, eher praktische Zusammenarbeit – genau das scheint hier zu funktionieren.

Brand in Riedstadt: Anklage und viele offene Fragen

Nach dem Großbrand in einem Schweinemastbetrieb in Riedstadt-Wolfskehlen Ende Januar 2026 hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt Anklage erhoben. Im Raum stehen Brandstiftung und der Verdacht der Tierwohlgefährdung. Angeklagt ist eine Person aus Riedstadt, die dauerhaft Zugang zum Schweinestall hatte.

Die Zahlen sind erschütternd: 390 Schweine wurden tot aufgefunden, weitere 325 mussten wegen Rauchgasvergiftungen eingeschläfert werden – damit starben mehr als 700 Tiere. Mehr als 100 Feuerwehrleute waren stundenlang im Einsatz. Nach den Ermittlungen könnten rund 200 Schweine schon Wochen vor dem Brand verendet sein; in einer früheren Darstellung war von etwa 60 Tieren die Rede. Als mögliche Ursachen nennt die Staatsanwaltschaft eine unzureichende Versorgung, schlechte Ernährung und mangelhafte Hygiene.

Für den Tag nach dem Brand war ohnehin eine routinemäßige Kontrolle durch das Veterinäramt angekündigt. Eine Obduktion ergab, dass die Afrikanische Schweinepest nicht die Ursache für die früheren Todesfälle war. Jetzt muss das Amtsgericht Groß-Gerau zunächst über die Zulassung der Anklage entscheiden. Einen Termin für einen möglichen Prozess gibt es noch nicht.

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Wie kranke oder verletzte Schweine frühzeitig erkannt und versorgt werden sollen, beschreibt der Leitfaden „SchweineWohl – Umgang mit kranken und verletzten Tieren“ des Netzwerks Fokus Tierwohl. Er richtet sich an Tierhaltende und Tierbetreuende und arbeitet sich durch ganz konkrete Fragen: Wann muss ein Tier separiert werden? Wann braucht es eine tierärztliche Behandlung? Und wann muss ein Tier von seinem Leiden erlöst werden?

Der Leitfaden setzt auf regelmäßige, sorgfältige Tierbeobachtung, beschreibt Unterschiede zwischen gesunden und kranken Schweinen und ordnet äußerlich erkennbare Anzeichen passenden Maßnahmen zu. Ein Entscheidungsbaum führt durch die einzelnen Schritte. Erkrankte oder verletzte Tiere sollen unverzüglich und entsprechend ihrer Erkrankung versorgt werden, die Behandlung in Absprache mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt erfolgen. Das Material gibt es auch auf Englisch, Polnisch, Rumänisch und Ukrainisch zum Download.

500 Jahre Universität Marburg – und ein Blick zurück

Die Universität Marburg wurde am 1. Juli 1527 von Landgraf Philipp gegründet. Ihr 500. Geburtstag steht zwar erst 2027 an, gefeiert wird aber schon jetzt, rund ein Jahr vorher. Eine Fahrradstaffel brachte den symbolischen Staffelstab aus Homberg (Efze) nach Marburg.

Für das Jubiläumsjahr sind rund 300 Veranstaltungen geplant: Workshops, Theaterstücke und Feste. Im Landgrafenschloss eröffnet am Donnerstag eine Ausstellung zur Geschichte der Universität. Wer nicht in jedes verschlossene Forschungslabor kommt, kann dort zumindest virtuell hineinschauen: Eine interaktive Karte macht auch nicht mehr existierende Gebäude zugänglich. Zum Rückblick gehört außerdem die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit – ein Teil der Geschichte, der nicht zwischen Feierlaune und Festprogramm verschwinden darf.

Auf der A66 krachte es am Dienstagabend bei regennasser Fahrbahn an der Anschlussstelle Gründau-Rothenbergen. Vier Menschen wurden verletzt, eine 43-Jährige schwer, drei weitere leicht. Nach bisherigen Erkenntnissen verlor eine 18-Jährige beim Auffahren auf die Autobahn die Kontrolle über ihr Auto und prallte gegen eine Betonleitwand.

Ein Lkw wich daraufhin nach links aus und übersah mutmaßlich einen nachfolgenden 30-jährigen Autofahrer. Der wich ebenfalls aus und kollidierte mit dem Wagen der 43-Jährigen. Ihr Auto wurde anschließend auf das der 18-Jährigen geschoben. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Fahrerflucht gegen den Lkw-Fahrer und bittet Zeugen um Hinweise.

Was sonst noch durch Hessen und die Welt läuft

Eine geplante Zuckersteuer könnte Softdrinkpreise ab 2027 nach oben treiben: Im Gespräch sind 32 Cent mehr pro Liter Cola und bis zu sechs Euro mehr pro Kiste Limonade. Der hessische Getränkehersteller Hassia prüft deshalb neue Rezepturen.

In Gießen könnten am Donnerstag wegen eines möglichen Bombenfunds bis zu 6.000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Bei Bauarbeiten in einer wichtigen Zufahrtsstraße wurden möglicherweise Kampfmittelreste entdeckt. Und ein Flug von Aegean Airlines von Thessaloniki nach Frankfurt wurde nach München umgeleitet, nachdem die Crew den Notfall-Code 7700 gesendet hatte.

Wärmepumpen bleiben trotz wechselnder gesetzlicher Vorgaben und politischer Kontroversen gefragt; staatliche Subventionen fördern den Absatz. Papst Leo XIV. wurde operiert. Nach Angaben im Artikel steht fest, dass er Lungenkrebs hat. Außerdem hat die Bundesregierung eine Pflegekommission eingesetzt, die Vorschläge für eine Reform erarbeiten soll. Pflegende Angehörige verfolgen die Debatte, darunter ein Ehepaar, das über seinen Alltag berichtet.

Jazz, No Angels und ein Podcast mit schweren Erinnerungen

In Frankfurt läuft das Deutsche Jazzfestival an fünf Abenden im hr-Sendesaal und bei einer Clubnacht im Rhein-Main-Gebiet. Die Konzerte werden live in hr2-kultur übertragen. Ali Neander tritt mit der hr-Bigband und „Guitar Unlimited“ auf. Dazu kommen „Sketches of Frankfurt“ der Darius Blair / Finn Heine Group mit Sasha Berliner sowie ein Auftritt der hr-Bigband mit der britischen Saxofonistin Emma Rawicz.

Fürs Sofa bietet sich die dreiteilige Dokumentation „No Angels – Das sind WIR!“ in der ARD Mediathek an. Die No Angels waren Deutschlands erste Castingband, ihre Debütsingle „Daylight In Your Eyes“ erreichte nach zwei Tagen Platinstatus. Zur Band gehören Nadja Benaissa, Lucy Diakovska, Sandy Mölling und Jessica Wahls.

Frankfurt spielt dabei eine eigene Rolle: Jessica Wahls und Nadja Benaissa wurden hier geboren. Wahls wuchs in Rosbach vor der Höhe auf, Benaissa hat familiäre Wurzeln in Langen. Die Dokumentation erzählt von Erfolgen und Tiefpunkten, aber auch von Identität, Familie, Freundschaft, psychischer Gesundheit und Selbstbestimmung.

Im Podcast „Deutschland3000 mit Eva Schulz“ ist Fabian Rashagai zu Gast. Der Comedian ist aus sozialen Medien sowie Formaten wie „Falsch aber lustig“ und dem Podcast „Musste durch“ bekannt. Als Rashagai Anfang 20 war, erkrankten seine Eltern schwer und starben innerhalb weniger Monate. In der Folge spricht er über die Auswirkungen dieser Zeit, den Umgang mit wachsender Bekanntheit und seine Karriereziele. Irgendwie passt das zu einem Tag mit sehr unterschiedlichen Nachrichten: Man klickt sich durch und bleibt dann doch an einer Geschichte hängen.

Und irgendwo in Mörfelden-Walldorf liegt im Oktobernebel eine Momentaufnahme von Birgit Flesch. Ihr Titel: „Oktobernebel“.