Ebola-Ausbruch in Zentralafrika: Wie sich das Bundibugyo-Virus über Reisewege verbreitet
Heute, am 27. Oktober 2026, schaut man an der Uni Saarland mit Sorge auf die Ebola-Lage in mehreren afrikanischen Ländern. Nigerias erste Ebola-Patientin ist am Montagmorgen von Abuja in die Schweiz evakuiert worden. Sie flog gemeinsam mit ihrem Ehemann, einem Schweizer Diplomaten, in einem speziell ausgerüsteten Flugzeug. Strenge Schutzmaßnahmen begleiteten den Transport.
Bestätigt hat das Nigerias Gesundheitsminister Muhammad Ali Pate auf X. In welchem Schweizer Krankenhaus die Frau behandelt wird, teilten die Behörden nicht mit. Ihr Zustand habe sich deutlich verbessert: Sie sei stabil, bei Bewusstsein und kommunikationsfähig. Pate betonte allerdings ausdrücklich, dass sie deshalb nicht zwingend nicht mehr ansteckend sei.
Von Uganda über Nigeria bis Kenia
Nigeria hatte am 20. Oktober den ersten Ebola-Fall des Landes bestätigt. Medienberichten zufolge soll die Patientin ugandische Staatsbürgerin sein und aus Uganda eingereist sein. Wo sie sich infizierte, wird nach Angaben der Africa CDC noch untersucht.
In Uganda wurden im aktuellen Ausbruch 20 bestätigte Ebola-Fälle registriert, die auf einen Patienten aus dem Kongo zurückgeführt wurden; zwei Menschen starben. Uganda erklärte seinen Ausbruch Ende August für beendet, nachdem 42 Tage lang kein neuer Fall aufgetreten war. Trotzdem zeigen die weiteren Infektionen, wie schnell sich das Virus entlang von Reise- und Handelswegen bewegen kann.
Auch im angrenzenden Kenia gibt es aktive Ebola-Fälle. Der erste kenianische Patient war aus dem Kongo über Uganda nach Kenia gereist. In Nairobi sind derzeit neun Ebola-Fälle registriert, darunter zwei Todesfälle.
Der größere Zusammenhang liegt in der Demokratischen Republik Kongo. Seit dem 15. Mai 2026 ist im Nordosten des Landes ein Ebolafieber-Ausbruch durch das Bundibugyo-Virus bekannt. Vermutlich begann er bereits im April, offiziell wurde er im Mai in der Provinz Ituri festgestellt. Zentrum und mutmaßlicher Ursprung liegen in Ituri und Nord-Kivu, betroffen sind außerdem Süd-Kivu, Haut-Uele, Bas-Uele und Tshopo.
Ein Ausbruch unter schwierigen Bedingungen
Die WHO rief am 17. Mai 2026 eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite, kurz PHEIC, aus. In einer anderen Darstellung wird der 16. Mai als Datum der Erklärung genannt. Nach Angaben der WHO handelt es sich um den größten Ebolafieber-Ausbruch in der Geschichte der DRC; mehrere Tausend Menschen erkrankten. Die WHO veröffentlicht aktuelle Fallzahlen, betroffene Regionen und eine Karte zum Ausbruch.
Die ersten bekannten Ereignisse lesen sich fast wie ein Protokoll aus einem überhitzten Krisengebiet: Ein 59-jähriger Mann zeigte am 24. April Symptome und starb am 27. April in Ituri. Am 5. Mai meldete die WHO eine unbekannte Krankheit mit hoher Sterblichkeit, darunter vier verstorbene Gesundheitsfachkräfte. Am 15. Mai bestätigten Labortests in acht von 13 Blutproben eine Infektion mit dem Bundibugyo-Virus. Am selben Tag erklärte die DR Kongo den 17. Ebola-Ausbruch des Landes.
In Ituri herrscht seit Jahren ein Konflikt zwischen Hema-verbündeten Milizen und Lendu. Seit 1999 starben dabei mehr als 50.000 Menschen. Seit dem Wiederaufflammen des Konflikts 2017 wurden rund 500.000 Menschen vertrieben. Gesundheits-, Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur sind stark beeinträchtigt, viele Vertriebene leben in überfüllten Lagern. In Ituri und Nord-Kivu benötigen laut WHO etwa vier Millionen Menschen humanitäre Hilfe, zwei Millionen sind auf der Flucht und zehn Millionen von akutem Hunger bedroht.
Dann wird selbst ein Behandlungszentrum zum Risiko: Am 21. und 23. Mai wurden Ebola-Behandlungszentren angegriffen. Beim zweiten Angriff flohen 18 Verdachtsfälle. Die WHO bewertete das Gesundheitsrisiko am 22. Mai als sehr hoch für die DR Kongo, hoch für Uganda und angrenzende Staaten sowie global als gering.
Was das Virus ausmacht
Das Bundibugyo-Virus ist seit 2007 bekannt und gehört zur Gattung Orthoebolavirus. Flughunde gelten als mögliches Erregerreservoir. Übertragen wird das Virus von Tieren auf Menschen durch Blut oder Sekrete sowie zwischen Menschen durch Körperflüssigkeiten oder kontaminierte Oberflächen. Unsichere Bestattungen und unzureichende Infektionsprävention in Gesundheitseinrichtungen können die Ausbreitung verstärken.
Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Zunächst treten Fieber, Müdigkeit sowie Muskel-, Kopf- und Halsschmerzen auf. Später können Magen-Darm-Beschwerden, Organfunktionsstörungen und teils Blutungen folgen. Das klingt trocken, ist es aber nicht: Für Betroffene beginnt es oft mit Beschwerden, die zunächst auch zu vielen anderen Krankheiten passen könnten.
Bei den bisherigen Ausbrüchen 2007 und 2012 wurden 131 beziehungsweise 38 laborbestätigte Fälle registriert. Die festgestellte Letalität lag bei 30 bis 40 Prozent und damit unter der des häufiger auftretenden Zaire-Stamms. Die Fallsterblichkeit hängt bei Ebola wesentlich von der Qualität der unterstützenden medizinischen Behandlung ab.
Zu Beginn des Ausbruchs gab es keine zugelassene spezifische Therapie und keinen Impfstoff gegen das Bundibugyo-Ebolavirus. Der zugelassene Impfstoff gegen das Zaire-Ebolavirus wirkt gegen diesen Erreger nicht. Remdesivir und der Antikörpermix MBP134 sollen in einer klinischen Studie untersucht werden. Ein Impfstoffkandidat der University of Texas Medical Branch war noch nicht am Menschen auf Sicherheit getestet.
Nach Angaben des RKI gibt es für das Bundibugyo-Virus bislang keine zugelassenen Medikamente und keine zugelassenen Impfstoffe. Im Ausbruchsgebiet laufen Studien zu Behandlung und Postexpositionsprophylaxe mit vielversprechenden Wirkstoffen; ein Impfstoffkandidat wird in einer Phase-1-Studie getestet.
Der Fall-Verstorbenen-Anteil lag insgesamt bei 32,8 Prozent. Bei den letzten Bundibugyo-Ausbrüchen betrug er etwa 30 bis 50 Prozent. Zum Vergleich wurden 66,6 Prozent für das Zaire-Ebolavirus und 48,5 Prozent für das Sudan-Ebolavirus genannt.
Fallzahlen ändern sich laufend
Die WHO-Tabelle weist für die DR Kongo 9.066 bestätigte und 334 wahrscheinliche Fälle aus; dazu kommen 4.361 bestätigte und 2.389 wahrscheinliche Todesfälle. Für Uganda werden 20 bestätigte und ein wahrscheinlicher Fall genannt, außerdem zwei bestätigte und 18 wahrscheinliche Todesfälle. Frankreich meldete einen bestätigten Fall, Kenia ebenfalls einen.
Über alle Länder hinweg ergibt das 9.088 bestätigte und 335 wahrscheinliche Fälle sowie 4.364 bestätigte und 2.408 wahrscheinliche Todesfälle. Die Gesamtsterblichkeit liegt bei 48 Prozent. Die Daten stammen für die DR Kongo vom 12. Oktober 2026, für Uganda vom 21. Juli 2026, für Frankreich vom 6. Juli 2026 und für Kenia vom 6. Oktober 2026. Durch laufende Untersuchungen und tägliche Neueinstufungen von Verdachtsfällen können sich die Fallzahlen ändern.
Zu Beginn gab es Fälle in Uganda. Im Juni 2026 wurde eine aus der DRC nach Frankreich eingereiste Person positiv getestet. Im Oktober 2026 folgte eine Infektionskette in Kenia, ausgehend von einer über Uganda eingereisten Person aus der DRC. Ebenfalls im Oktober 2026 wurde in Nigeria ein Fall bei einer über Uganda eingereisten Person festgestellt.
Die Chronologie enthält noch weitere Stationen: Uganda bestätigte am 15. und 16. Mai zwei Fälle. Ein US-amerikanischer Arzt infizierte sich vermutlich am 11. Mai in der DR Kongo und wurde am 20. Mai zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht; seine Familie wurde überwacht. Am 21. Mai wurde ein Fall in Süd-Kivu bestätigt. Im Juni wurde ein französischer Arzt nach seiner Rückkehr aus der DR Kongo positiv getestet. Ein aus der DR Kongo importierter Fall wurde später auch in Kenia erfasst.
Africa CDC bezeichnete die Ausbreitung Anfang Oktober als ungewöhnlich schnell. Mercy Corps warnte vor einer möglichen Ausbreitung in den Südsudan, der an Ituri und Haut-Uele grenzt. Wegen Bevölkerungsmobilität sowie Handels- und Reiseverbindungen gelten die Nachbarländer der DRC als stark gefährdet für eine weitere Ausbreitung.
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Das ECDC schätzt das Risiko für Menschen in der EU als sehr gering ein. Die Wahrscheinlichkeit einer
