Ehrenamtsteam packt bei Tafel und Sozialkaufhaus in Mittweida mit an
Am 21. September 2026 wurde es für das vierköpfige Team der Ehrenamtsplattform ehrensache.jetzt der Bürgerstiftung Dresden praktisch: Statt Schreibtisch und Vermittlungsarbeit stand beim Netz-Werk e.V. in Mittweida Anpacken auf dem Programm. Der Einsatz war Teil der Woche des bürgerschaftlichen Engagements, die 2026 unter dem Motto „Miteinander Zukunft gestalten“ stand.
Das Team teilte sich auf. Zwei Mitarbeitende halfen in der Tafel, zwei weitere arbeiteten im Sozialkaufhaus MöbelWert. In der Tafel wurden Lebensmittel ausgepackt, kontrolliert und sortiert. Nicht mehr verwendbare Waren kamen beiseite, die übrigen Kisten wurden für die Ausgabe vorbereitet und eingeräumt. Im MöbelWert wurden Schränke und Regale gereinigt, Kleidung auf Bügel gehängt und sortiert, Schuhe eingeräumt und Vorhänge für die Ausstellung aufgehängt.
Viele Handgriffe, bevor etwas ausgegeben wird
Die Arbeit passiert größtenteils im Hintergrund. Bevor Lebensmittel ausgegeben, Kleidung verkauft oder Möbel präsentiert werden können, muss eben jemand prüfen, wischen, tragen und ordnen. Nach dem Einsatz waren die Lebensmittelkisten sortiert, die Regale gereinigt, die Schuhe eingeräumt und die Kleiderbügel bestückt.
Maxi Lippmann, Tafelkoordinatorin für Mittweida, Döbeln und Freiberg, bezeichnete die praktische Unterstützung und den Austausch als wertvoll. An den drei Tafelstandorten sind laut Lippmann rund 7.000 Menschen als Kundinnen und Kunden registriert. Das ist eine Zahl, die selbst zwischen Kartons und Kleiderständern erst einmal im Kopf hängen bleibt.
Für das ehrensache.jetzt-Team war der Tag ein Perspektivwechsel: Sonst vermittelt es freiwilliges Engagement, diesmal übernahm es selbst konkrete Aufgaben. Beim Netz-Werk werden weiterhin Fahrerinnen und Fahrer gesucht, die Lebensmittel abholen und transportieren. Zusätzliche Helfende könnten nach Angaben des Vereins weitere Angebote ermöglichen und mehr Menschen erreichen.
Mehr als Tafel und Sozialkaufhaus
Zum Netz-Werk gehören neben der Tafel und dem Sozialkaufhaus unter anderem eine Nähwerkstatt für Reparaturen und Auftragsarbeiten, eine Fahrradwerkstatt sowie eine Möbelwerkstatt zur Reparatur und Aufarbeitung gebrauchter Möbel. Die aufgearbeiteten Möbel werden in der MöbelWert-Filiale verkauft. Das Motto dort lautet: „Schlau kauft aufgemöbelt“. Angeboten werden gebrauchte Möbel und andere Gegenstände; Bezieherinnen und Bezieher bestimmter Sozialleistungen erhalten auf ausgewählte Warensortimente 10 Prozent Nachlass.
Der Verein arbeitet seit 1993 mit arbeitslosen Menschen und Personen, die Unterstützung beim Einstieg ins Arbeitsleben benötigen. Zum Angebot zählen Beratung, Beschäftigung und Qualifizierung ebenso wie Renovierungs-, Reinigungs- und Entrümpelungsarbeiten. Bei Haushaltsauflösungen werden gut erhaltene Möbel und Gegenstände zur Wiederverwendung ausgesondert.
Auch abseits von Werkstätten und Warenregalen gibt es Unterstützung: Familienpatinnen und -paten begleiten Eltern und Kinder in belastenden Alltagssituationen. Die Alltagsbegleitung für Seniorinnen und Senioren umfasst beispielsweise gemeinsames Einkaufen, Spaziergänge und die Begleitung zu Terminen. Nach Vereinsangaben profitieren jährlich mehrere tausend Menschen von den verschiedenen Angeboten.
Ein Blick auf die Tafeln in Deutschland
Die Arbeit in Mittweida steht in einem größeren Zusammenhang. Anfang 2025 gab es in Deutschland * Tafeln; das waren ** weniger als im Vorjahr. Die meisten Tafeln waren in Bayern aktiv. Die erste gemeinnützige Tafel wurde 1993 in Berlin gegründet.
Tafeln sammeln überschüssige, noch verzehrfähige Lebensmittel bei Händlern und Herstellern. Sie geben diese kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag an bedürftige Menschen weiter, die von den Tafeln als „Kunden“ bezeichnet werden. Damit leisten Tafeln eine Form der Armenspeisung.
Wie groß der Bedarf ist, hängt auch vom Wohnort und von persönlichen Lebensumständen ab. In Ostdeutschland ist die Armutsgefährdung höher als in Westdeutschland; Bremen weist eine besonders hohe Armutsgefährdung auf. Ältere Menschen sind stärker armutsgefährdet als andere Altersgruppen, Frauen stärker als Männer, Ausländer stärker als Deutsche. Erwerbslose tragen ein höheres Armutsrisiko als Erwerbstätige, Alleinerziehende sind stärker gefährdet als Paare.
Von der TU Freiberg aus betrachtet liegt Mittweida nicht gleich ums Eck, der Einsatz zeigt aber, wie viel hinter einer funktionierenden Ausgabe steckt: Kisten, Regale, Kleiderbügel, Fahrten – und Menschen, die irgendwann einfach anfangen. Heute, am 28. September 2026, ist der Schreibtisch beim ehrensache.jetzt-Team wieder besetzt. Die nächsten Fahrerinnen und Fahrer werden beim Netz-Werk trotzdem weiter gesucht.
Quelle: diesachsen.de
Quelle: Statista
