Freiburg steigt in den Kreis der deutschen Exzellenzuniversitäten auf
Ein neuer Name steht auf der Landkarte der deutschen Spitzenforschung: Die Universität Freiburg gehört seit Freitag zu den deutschen Exzellenzuniversitäten. Die Entscheidung fiel am 2. Oktober 2026 in Bonn. Für Freiburg bedeutet der Titel Prestige – und zusätzliche Fördergelder. An der Universität Tübingen, dem Ort dieses Berichts, dürfte man die Nachricht trotzdem mit einem wachen Blick verfolgen: Bei der Exzellenzstrategie geht es um viel Geld, wissenschaftliches Renommee und langfristige institutionelle Unterstützung.
Neben Freiburg wurden die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Universität zu Köln ausgezeichnet. Neu hinzu kommen außerdem zwei Verbünde: der Rhein-Main-Verbund aus TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt und Johannes-Gutenberg-Universität Mainz sowie das „Ruhr Innovation Lab“ aus Ruhr-Universität Bochum und TU Dortmund.
Wer dabei ist – und wer nicht
Vor der aktuellen Entscheidung gab es zehn einzelne Exzellenzuniversitäten sowie einen Verbund aus mehreren Universitäten in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Für weitere sieben Jahre werden RWTH Aachen, Universität Bonn, TU Dresden, Universität Hamburg, Universität Heidelberg, Karlsruher Institut für Technologie, Ludwig-Maximilians-Universität München, TU München und Universität Tübingen gefördert. Ebenfalls weiter im Kreis bleibt die Berlin University Alliance aus Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, TU Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Leer gingen die Leibniz-Universität Hannover und die Medizinische Hochschule Hannover aus. Nicht ausgewählt wurden auch der Verbund aus der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg und der Universität Bremen sowie die Universität Kiel. Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein sind damit weiterhin nicht unter den Exzellenzuniversitäten vertreten. Die Förderung der Universität Konstanz endet im kommenden Jahr, weil sie die Anforderungen nicht mehr erfüllt.
Deutschland hat 421 Hochschulen. Dass nur ein vergleichsweise kleiner Kreis den Exzellenzstatus trägt, macht die Auszeichnung entsprechend umkämpft. Seit 2019 wurden zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzstandorte gefördert; seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten unterstützt.
Zwei Linien, ein großer Fördertopf
Die Exzellenzstrategie, kurz ExStra, soll wissenschaftliche Spitzenleistungen fördern, Profilbildungen und Kooperationen unterstützen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken. Gleichzeitig geht es nicht nur um einzelne Leuchttürme: Auch die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftssystems insgesamt soll profitieren.
Dafür gibt es zwei Förderlinien. Exzellenzcluster finanzieren international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden. Die Förderlinie Exzellenzuniversitäten ist auf eine dauerhafte institutionelle Unterstützung erfolgreicher Universitäten und Verbünde angelegt. Eine bestimmte Anzahl an Forschungsclustern ist Voraussetzung dafür, sich als Exzellenzuniversität zu bewerben. 2025 wurden Projekte an 43 Universitäten in 13 Bundesländern für eine Clusterförderung ausgewählt.
Bund und Länder stellen im Rahmen der Exzellenzstrategie jährlich 687 Millionen Euro für Forschungsprojekte bereit. Der Bund übernimmt 75 Prozent, das jeweilige Sitzland 25 Prozent. Das jährliche Gesamtbudget lag zuvor bei 533 Millionen Euro und steigt ab 2026 auf 687 Millionen Euro. Grundlage ist eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern.
Für die Cluster-Förderlinie ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, zuständig. Der Wissenschaftsrat übernimmt die Förderlinie Exzellenzuniversitäten. Deren Verfahren umfasst die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds ebenso wie eine Neuausschreibung für neue Bewerber.
Wer über die Anträge entscheidet
Hinter den Förderentscheidungen steht das von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz eingesetzte Committee of Experts. Ihm gehören 39 ausgewiesene Personen aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten an; gemeinsam repräsentieren sie das gesamte Disziplinenspektrum. Erfahrung bringen die Mitglieder unter anderem aus dem Ausland, dem Hochschulmanagement, der Lehre und der Wirtschaft mit.
Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage wissenschaftlicher beziehungsweise fachwissenschaftlicher Begutachtungen und spricht Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission aus. Es entscheidet außerdem, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Ergebnisse der Evaluation der Exzellenzuniversitäten. Über Antragsskizzen und Anträge entscheiden Committee of Experts und Exzellenzkommission.
Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der DFG gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz. Die Exzellenzkommission besteht aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -ministern. Auf Grundlage der Empfehlungen des Expertengremiums entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten.
Die nächste Runde ist damit nicht einfach nur eine Liste neuer Schilder an Universitätseingängen. Hinter jedem Titel stehen Forschungsfelder, Bewerbungen, Begutachtungen und jahrelange Finanzierung. Und irgendwo zwischen Sitzungen, Anträgen und Ministerkonferenzen muss dann noch geforscht werden – in Freiburg, Tübingen, Jena, Köln und an all den anderen Standorten, an denen heute schon die nächsten Projekte vorbereitet werden.
