Gen-Z-Proteste treffen in Hamburg auf Wehrpflichtdebatte und Halloween-Einsatzplanung
In Hamburg wird am Samstag um 14 Uhr am Jungfernstieg demonstriert – zumindest, wenn es nach der Initiative „Gen Z regelt“ geht. Sie mobilisiert über soziale Medien und nennt auf ihrer Website mehr als 9000 erwartete Teilnehmer. Angemeldet ist eine eigene Versammlung der Gen-Z-Bewegung nach Angaben der Hamburger Polizei allerdings nicht.
Offiziell stehen für den Samstag zwei Demonstrationen im Kalender. Das „Feministische Gruselkabinett“ plant eine „Feministische Halloween-Demo“ ab dem Johannes-Brahms-Platz. Die Route führt bis zur Kreuzung Holstenstraße/Paul-Roosen-Straße, erwartet werden etwa 300 Menschen. Außerdem ist eine Demonstration „Gegen Wehrpflicht“ angemeldet, organisiert von einer Privatperson. Sie startet am Jungfernstieg, zieht über die Mönckebergstraße zum Lohmühlenpark und könnte bis zu 2000 Teilnehmer zählen.
Gen-Z-Protest ohne eigene Anmeldung
Zwischen „Gen Z regelt“ und den Organisatoren der Anti-Wehrpflicht-Demonstration habe es Gespräche gegeben, berichtet die Polizei. Deshalb geht sie davon aus, dass sich die Gen-Z-Initiative dieser Versammlung anschließt. Welche Wirkung die TikTok-Mobilisierung tatsächlich entfaltet, lässt sich aus Sicht der Beamten derzeit nicht einschätzen. 9000 angekündigte Menschen sind eben noch keine 9000 Menschen auf der Straße.
Die Polizei erwartet einen weitgehend störungsfreien Verlauf, will aber mit mehreren Hundertschaften in der Innenstadt präsent sein. Gegen mögliche Straftäter und Störer kündigt sie ein konsequentes Vorgehen an. Auch die Händler stellen sich auf volle Straßen ein: Vor den Geschäften werden unter anderem lose Gegenstände entfernt, damit sie nicht herumfliegen oder zweckentfremdet werden.
Neben den Demonstrationen richtet sich der Blick auf mögliche Halloween-Krawalle, wie es sie in Hamburg in den vergangenen Jahren gegeben hatte. Schwerpunkte des Einsatzes sind Harburg, Wilhelmsburg, Billstedt und Steilshoop. Weitere Stadtteile werden ebenfalls beobachtet. Das Konzept setzt auf Präsenz und flexible Reaktion; Drohnen sollen für Übersicht und Beweissicherung sorgen.
Zur Vorbeugung sind Stadtteilpolizisten an Schulen unterwegs. Jugendschützer besuchen Jugendtreffs, Schulen und Moscheegemeinden. Die Polizei betont, friedliche Demonstrationen und Halloweenfeiern ermöglichen zu wollen – bei Störungen oder Straftaten werde sie aber einschreiten.
Ein Protesttag, zwei Blickrichtungen
Auch in Berlin bereitet sich die Polizei auf den bundesweiten Jugendprotesttag am Samstag, 31. Oktober 2026, vor. Die Initiative „Gen Z steht auf“ mobilisiert über soziale Netzwerke in mehreren deutschen Städten. Auf der Agenda stehen bessere Schulen und Bildungseinrichtungen, bezahlbarer Wohnraum, bessere berufliche Perspektiven und eine stärkere Berücksichtigung junger Menschen in der Politik.
Umstritten sind außerdem mögliche Modelle für eine Wiedereinführung verpflichtender Wehrdienste. Die Organisatoren fordern höhere Ausgaben für Bildung und soziale Infrastruktur statt militärischer Aufrüstung. Nach bisherigem Kenntnisstand rufen sie zu friedlichen Aktionen auf. Wie viele Menschen kommen und wie groß die Aktionen in Berlin werden, ist noch offen.
Die Berliner Polizei beobachtet deshalb, welche Gruppen zu den Demonstrationen aufrufen und ob sich neben Schülern und anderen friedlichen Teilnehmern gewaltbereite Akteure beteiligen könnten. Eine größere Beteiligung radikaler Gruppen ist bislang nicht nachgewiesen. Für verschiedene Einsatzlagen wird trotzdem geplant – damit friedliche Demonstrationen stattfinden können und Straftaten oder Auseinandersetzungen verhindert werden.
Die Gewerkschaft der Polizei warnt davor, dass extremistische Gruppen die Proteste für eigene Aktionen nutzen könnten. GdP-Landesvorsitzender Stephan Weh verweist auf eine frühere Schülerdemonstration in Berlin-Friedrichshain: Nach bisherigen Berichten verhielten sich dort Außenstehende aggressiv, anschließend kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Zugleich betont die Gewerkschaft, dass friedliche Proteste geschützt werden müssen.
Halloween macht die Planung komplizierter
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen Jugend- und Schülerproteste in Frankreich, bei denen es teilweise zu Gewalt kam. Belastbare Hinweise auf organisatorische Verbindungen zwischen den deutschen Protesten und gewalttätigen Gruppen in Frankreich gibt es nicht. Aus den Ausschreitungen dort lässt sich also nicht ableiten, dass es am 31. Oktober in Deutschland ähnlich laufen wird.
Der Termin fällt mit Halloween zusammen. In Berlin werden zahlreiche Menschen unterwegs sein, private Feiern und öffentliche Veranstaltungen laufen parallel. Für die Polizei bedeutet das: Demonstrationen, Straßenverkehr und weitere Einsatzlagen müssen gleichzeitig koordiniert werden. Wie viele zusätzliche Polizeikräfte eingesetzt werden oder ob Straßen gesperrt werden, ist noch nicht bekannt.
Politisch trifft der Protest auf eine aufgeheizte Debatte. Die Bundesregierung begründet steigende Verteidigungsausgaben mit der veränderten Sicherheitslage in Europa. Für junge Demonstrierende ist gerade das ein Anlass, über Wehrpflicht, Bildung und soziale Infrastruktur zu streiten. An der Sache ändert auch die Sicherheitsplanung nichts: Wer an einer Demonstration teilnimmt, begeht damit nicht automatisch eine Straftat. Friedlicher Protest und Gewalt sollen getrennt bewertet werden.
Veranstalter und Behörden müssen trotzdem auf mögliche gezielte Störungen oder Gewalt vorbereitet sein. Konkrete Hinweise auf bevorstehende Ausschreitungen liegen derzeit nicht vor. Bis zum Protesttag verbleiben elf Tage; die Organisatoren werben weiter um Teilnehmer, während die Polizei ihre Planung an Anmeldungen und neue Erkenntnisse anpasst.
Am 31. Oktober soll sich zeigen, wie groß die Protestbewegung wird – und ob mögliche Störungen verhindert werden können. Auch an der FU Berlin wird man vermutlich genauer hinschauen, wenn sich an diesem Samstag politische Forderungen, Halloweenkostüme und der ganz normale Innenstadttrubel begegnen.
