Die Goethe-Universität Frankfurt plant einen tiefen Umbau. Aus bisher 16 Fachbereichen sollen sieben werden, außerdem könnten rund 60 Professuren wegfallen. Ausgerechnet jetzt steht die Universität stärker im Rampenlicht: Gemeinsam mit Mainz und Darmstadt wurde sie zum Exzellenzverbund „RMU“ gekürt.

Die Nachricht wirkt deshalb wie ein schiefer Ton im Festkonzert. 21 Jahre nach Beginn des Exzellenzwettbewerbs ist die Goethe-Universität erstmals als Exzellenzstandort ausgezeichnet worden. Gleichzeitig ringt sie um ihre künftige Struktur, um Geld und um die Frage, wie viel Veränderung eine Universität verkraftet.

Streit um den neuen Kurs

Hessens SPD-Wissenschaftsminister Timon Gremmels erklärte per Pressemitteilung, der neue Hessische Hochschulpakt sei nicht die Ursache für die Strukturüberlegungen des Präsidiums. Goethe-Präsident Enrico Schleiff verweist neben finanziellen Faktoren auch auf Demografie, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Der Druck komme also nicht nur aus dem Haushalt, sondern aus einer Hochschulwelt, die sich insgesamt verschiebt.

Schleiff war im Februar mit 18 zu 16 Stimmen knapp für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Zuvor hatte er angekündigt, die Veränderungsdynamik an der Universität zu verlangsamen. Nun liegt ein Rahmenkonzept auf dem Tisch, das der Senat in seiner bisherigen Form einstimmig für nicht zustimmungsfähig erklärte.

Der Hauptkritikpunkt: Fachbereiche, Beschäftigte und Studierende seien aus Sicht des Senats nicht ausreichend beteiligt worden. Trotzdem wollen 25 der 29 Senatsmitglieder das Konzept als Grundlage für weitere Diskussionen verwenden. Ganz vom Tisch ist der Entwurf also nicht – eher liegt er dort, wo an Hochschulen viele Papiere landen: zwischen Protest, Nachbesserung und der nächsten Sitzung.

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Exzellenz neben Sparzwang

Frankfurt ist mit diesem Spannungsfeld nicht allein. An der Freien Universität Berlin wurden Kürzungen anhand strategischer Kriterien mit den Fachbereichen ausgehandelt. Bis 2035 sollen unter anderem 18 Strukturprofessuren wegfallen.

An der Humboldt-Universität Berlin gibt es wegen der geplanten Schließung des Instituts für Archäologie internationale Proteste. Und an der Universität Hamburg stehen unterschiedliche Angaben zur Finanzlage gegenüber: Der Senat verweist auf jährlich zwei Prozent mehr Globalbudget, während die Universität ihr strukturelles Defizit auf rund 22 Millionen Euro beziffert.

Damit geraten Hochschulen trotz oder unabhängig von Exzellenzprädikaten unter Reform- und Spardruck. Der Glanz einer Auszeichnung und die Mühe des Alltags liegen manchmal erstaunlich dicht beieinander.

Der Ort dieser Debatte ist heute, am 31.10.2026, die FU Berlin. Von hier aus wirkt der Frankfurter Streit nicht wie ein isolierter Sonderfall, sondern wie ein Vorgeschmack auf die Auseinandersetzungen, die an vielen Universitäten weiterlaufen werden: über Professorenstellen, Fachbereichsgrenzen, Mitsprache und die Frage, ob sich akademische Strukturen schnell genug verändern lassen, ohne dass dabei Beteiligung zur Nebensache wird.

Quelle: jmwiarda.de