Keine Exzellenzuniversität in Niedersachsen: Hannover, MHH und Oldenburg scheitern mit Bewerbungen
Die Leibniz Universität Hannover bleibt ohne Exzellenzuniversitäts-Status. Auch die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) sowie die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die gemeinsam mit der Universität Bremen angetreten war, haben den Sprung nicht geschafft. Der Wissenschaftsrat gab die Entscheidung am Freitag in Bonn bekannt.
Für die beteiligten Hochschulen geht es um weit mehr als einen Titel. Mit dem Exzellenzstatus wären eine millionenschwere Förderung und eine höhere wissenschaftliche Reputation verbunden gewesen. Exzellenzstandorte sollen laut dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium Spitzenforschende, Nachwuchswissenschaftler und internationale Studierende anziehen. Außerdem sollen sie zusätzliche Investitionen von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Stiftungen auslösen und damit auch andere Hochschulen und Forschungseinrichtungen stärken.
Enttäuschung in Hannover, Oldenburg und Bremen
Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) hatte im Vorjahr mindestens eine niedersächsische Exzellenzuniversität als Ziel genannt. Nach der Entscheidung verwies er auf die erfolgreichen Exzellenzcluster, die Qualität und das Potenzial der Bewerbungen sowie die internationale Anschlussfähigkeit des niedersächsischen Wissenschaftsstandorts.
Das Land will die unterlegenen Hochschulen weiterhin unterstützen. Die Universitäten sollen ihre Profile weiterentwickeln und ihre Zukunftsstrategien fortsetzen. Für die Leibniz Universität Hannover wurden Enttäuschung und Ansporn als zentrale Reaktionen genannt. Präsident Volker Epping kündigte an, das Gutachten sorgfältig auszuwerten. Die Zukunftsstrategie solle weiter geschärft und die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden.
MHH-Präsidentin Denise Hilfiker-Kleiner bezeichnete die Entscheidung als enttäuschend. Eine Exzellenzförderung hätte die Transformation der MHH beschleunigt und effizienter gemacht. Zugleich habe die Bewerbung der Hochschule ermöglicht, ihre künftige Ausrichtung strategisch zu gestalten und ihre Position im deutschen Hochschulgesundheitswesen zu stärken.
Oldenburgs Universitätspräsident Ralph Bruder erklärte, man sei enttäuscht, aber zugleich stolz auf die gemeinsam entwickelte Bewerbung. Die Universitäten Oldenburg und Bremen wollen ihre Kooperation zur Stärkung der Nordwestregion fortsetzen und ausbauen. Die nächste Exzellenzrunde soll dabei im Blick bleiben.
Wer den Zuschlag bekommen hat
Als neue Exzellenzuniversitäten beziehungsweise Forschungsverbünde wurden die Universität Freiburg, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Universität zu Köln ausgewählt. Hinzu kommen die Rhein-Main-Universitäten mit der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie das Ruhr Innovation Lab mit der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund.
Bereits bestehende zehn Exzellenzstandorte sind die RWTH Aachen, die Berlin University Alliance mit der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Technischen Universität Berlin, die Universität Bonn, die Technische Universität Dresden, die Universität Hamburg, die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die Universität Tübingen.
Die Angaben zur Exzellenzstrategie des Wissenschaftsrats vom 2. Oktober 2026 nennen im vorliegenden Text keine konkreten Universitäten oder Universitätsverbünde, die neu als Exzellenzstandorte ausgewählt wurden. Für die Entscheidung vom Freitag in Bonn werden sie hier durch die genannten Informationen ergänzt.
Ein dauerhaftes Programm von Bund und Ländern
Die Exzellenzstrategie, kurz ExStra, ist ein dauerhaftes Förderprogramm von Bund und Ländern. Sie soll wissenschaftliche Spitzenleistungen fördern, Profilbildungen und Kooperationen unterstützen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken. Gemeint ist dabei nicht nur die Forschungsspitze: Auch die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftssystems insgesamt soll verbessert werden.
Das Programm hat zwei Förderlinien. Exzellenzcluster unterstützen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden. Die Förderlinie Exzellenzuniversitäten bietet dagegen eine dauerhafte institutionelle Förderung von Universitäten und Universitätsverbünden auf Grundlage erfolgreicher Exzellenzcluster.
Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Für diese Förderlinie ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zuständig. Seit 2019 werden zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzstandorte gefördert. In der Förderlinie Exzellenzuniversitäten werden die bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und der Exzellenzverbund evaluiert; außerdem gibt es ein Neuausschreibungsverfahren für antragstellende Universitäten und Universitätsverbünde.
Für beide Förderlinien stehen derzeit jährlich 533 Millionen Euro zur Verfügung. Ab 2026 steigt das Gesamtbudget auf 687 Millionen Euro pro Jahr. Die Exzellenzstrategie basiert auf einer Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern.
Wer über die Anträge entscheidet
Das von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) eingesetzte Committee of Experts gestaltet das Förderprogramm. Es besteht aus 39 Personen mit ausgewiesener Forschungserfahrung und langjähriger Erfahrung unter anderem im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft. Die Mitglieder kommen aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und repräsentieren das gesamte Disziplinenspektrum.
Über Antragsskizzen und Anträge entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission. Zu den Aufgaben des Expertengremiums gehören die Festlegung der Förderbedingungen, die Bewertung von Skizzen und Anträgen auf Grundlage wissenschaftlicher beziehungsweise fachwissenschaftlicher Begutachtungen sowie Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission. Das Committee entscheidet außerdem, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen, und bewertet die Ergebnisse der Evaluation von Exzellenzuniversitäten.
Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der DFG gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz. Die Exzellenzkommission besteht aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder. Auf Grundlage der Empfehlungen des Expertengremiums entscheidet sie über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten.
Für die Durchführung der Förderlinie Exzellenzuniversitäten ist der Wissenschaftsrat zuständig. Für Hannover, die MHH und Oldenburg beginnt nun also die Arbeit mit dem Gutachten – und mit den Plänen, die ohnehin schon auf dem Tisch liegen.
