Für den Lidl-Markt an der Warburger Straße in Paderborn beginnt der Countdown: Das bisherige Gebäude soll abgerissen und durch einen deutlich größeren Neubau ersetzt werden. Letzter Verkaufstag ist Samstag, 10. Oktober. Danach bleibt die Filiale etwa ein halbes Jahr geschlossen.

Geplant ist eine Verkaufsfläche von 1.400 Quadratmetern. In den Planungsunterlagen ist von 1.370 Quadratmetern die Rede. Klar ist: Der Sprung vom derzeitigen Markt mit 800 Quadratmetern fällt deutlich aus. Lidl bezeichnet das bestehende Gebäude als nicht mehr zeitgemäß; der Neubau soll nach dem aktuellen Filialkonzept gestaltet werden.

Mehr Platz für Frische und Selbstbedienung

Zusätzliche Fläche ist vor allem für Obst und Gemüse, Backwaren, Frischfleisch und Molkereiprodukte vorgesehen. Dazu kommen Selbstbedienungskassen mit dem Lidl-System „Scan&Go“. Kundinnen und Kunden sollen also schneller durch den Markt kommen können – zumindest, wenn die Technik mitspielt.

Der Neubau wird eingeschossig und soll 6,50 Meter hoch werden. Er entsteht wie der bisherige Markt an der Nordseite des rund 6.000 Quadratmeter großen Grundstücks zur Reinherstraße hin. Seine Grundfläche wächst nach Westen, Norden und Osten. Die Parkplätze südlich des Gebäudes in Richtung Uni-Sporthalle sollen im Wesentlichen erhalten bleiben. Auch die Zufahrt von der Warburger Straße im Osten und die Anlieferung im Westen am Sportplatz bleiben bestehen.

Vorgesehen sind 98 Stellplätze sowie E-Ladesäulen. Durch die größere Filiale erwartet die Stadtverwaltung etwa zehn zusätzliche Fahrzeuge pro Stunde auf der Warburger Straße. Diese Mehrbelastung gilt grundsätzlich als vertretbar. Die bereits stark frequentierte Straße und besonders die Kreuzung mit dem Südring könnten allerdings an ihre Kapazitätsgrenze gelangen.

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Ein Projekt mit langem Anlauf

Ganz neu ist die Idee eines Umbaus nicht. Lidl hatte bereits im März 2018 einen Antrag bei der Stadt Paderborn eingereicht. Die Stadtverwaltung bat damals darum, eine Aufstockung zu prüfen. Über dem Lebensmittelmarkt hätten Büros entstehen können, unter anderem für die benachbarte Universität Paderborn.

Die Universität hatte seinerzeit Bedarf an Seminarräumen angegeben; laut Stadtverwaltung liefen bereits Mietvertragsverhandlungen. Letztlich scheiterten die Gespräche. Eine Verwaltungsvorlage aus dem Jahr 2023 nennt gestiegene Baupreise und sinkende Studierendenzahlen als Gründe dafür, dass das Projekt trotz der Bemühungen aller Beteiligten nicht weiterverfolgt wurde.

Auch später forderte die Linksfraktion Wohnungen in einem möglichen Obergeschoss. Die Stadtverwaltung riet davon ab, weil der Standort in einem bestehenden Gewerbegebiet liegt. Nun bleibt es beim eingeschossigen Lebensmittelmarkt. Die Stadt bewertet den Standort wegen seiner Nahversorgungsfunktion in der südöstlichen Kernstadt als geeignet; auch das Einzelhandels- und Zentrenkonzept spreche nicht gegen die Erweiterung.

Die Verwaltung empfiehlt dem Bauausschuss, das erforderliche Planungsverfahren einzuleiten. Die Sitzung war für den 17. August 2023 angesetzt. Im weiteren Verfahren sollen unter anderem die Auswirkungen auf die nördlich angrenzende Wohnbebauung geprüft werden. Städtebaulich soll sich der Markt in das Umfeld, besonders entlang der Warburger Straße, einfügen.

Gründach, Wärmepumpen und Abwärme

Beim Neubau setzt Lidl auf mehrere Maßnahmen für einen sparsameren Betrieb. Geplant sind Wärmepumpen und natürliche Kältemittel, außerdem eine bedarfsgeführte Gebäudesteuerung. Die Abwärme aus den Kühlregalen soll in den Heizkreislauf zurückgeführt werden – die kalten Regale liefern dann gewissermaßen einen Teil der Wärme für den Rest des Hauses.

Oben ist ein Gründach mit Fotovoltaikanlage vorgesehen, an der Fassade soll es Begrünung geben. Wegen der zusätzlichen versiegelten Fläche soll außerdem auf begrünte Freiflächen, Dächer und Fassaden sowie auf die Pflanzung von Bäumen und Großgehölzen geachtet werden.

Nach aktuellem Planungsstand soll die neue Filiale im Frühjahr 2027 eröffnen. Damit würde ein Neubauprojekt abgeschlossen, das seit fast einem Jahrzehnt geplant wird. An der Hatzfelder Straße in Schloß Neuhaus ist ebenfalls ein Abriss mit anschließendem Neubau eines Lidl-Markts geplant; dort läuft das Planungsverfahren bereits.

Der Markt wird zur technischen Baustelle

Der Paderborner Neubau passt in einen größeren Umbau im Lebensmittelhandel. Lidl, ALDI, NORMA, REWE und Kaufland investieren stärker in Technik, Laden- und Filialdesign, Service und Nachhaltigkeit. Veränderte Einkaufsgewohnheiten, höhere Erwartungen an Komfort und Nachhaltigkeit sowie der zunehmende Wettbewerb – vor allem durch den Onlinehandel – treiben diese Entwicklung an.

Für Kundinnen und Kunden zählt längst nicht mehr nur der Preis. Übersichtliche Ladenlayouts, Self-Checkout-Kassen, energieeffiziente Gebäude und digitale Angebote wie Apps, Coupons oder Lieferservices spielen eine wachsende Rolle. Stationäre Händler setzen dem Onlinehandel Frische, persönliche Beratung und das Einkaufserlebnis vor Ort entgegen: Brotgeruch statt Paketklebeband, manchmal jedenfalls.

NORMA konzentriert sich auf die qualitative Weiterentwicklung bestehender Standorte. Verkaufsflächen werden modernisiert, Eigenmarken ausgebaut und digitale Angebote samt NORMA-App optimiert. REWE modernisiert ebenfalls sein Filialnetz und investiert zusätzlich in digitale Angebote und den Lieferservice. Das Unternehmen betreibt mehr als 3.800 Märkte in Deutschland, eröffnete rund 100 neue Märkte im Jahr 2024 und erzielte in diesem Geschäftsjahr 96 Milliarden Euro Umsatz sowie erstmals rund 1 Milliarde Euro Jahresüberschuss.

ALDI Süd setzt bei bestehenden Filialen auf ein einheitliches, aktuelles Konzept: helle, offene Räume, klare Wege, mehr Frischeartikel und Eigenmarken, energieeffiziente Technik, nachhaltige Baumaterialien, moderne Kassensysteme, elektronische Preisauszeichnung und eine effizientere Warenlogistik. Der Einkauf soll schneller und übersichtlicher werden, die Abläufe dahinter ebenso.

ALDI Nord verfolgt parallel eine Expansionsstrategie. Mehr als 50 Prozent der rund 2.200 Märkte wurden bereits auf das neue Ladenkonzept umgestellt. Offenere Gestaltung, bessere Orientierung und größere Warenverfügbarkeit gehören dazu. Der Schwerpunkt liegt stärker auf zentrumsnahen und innerstädtischen Standorten, unter anderem in Berlin, Hamburg und im Ruhrgebiet. Zusätzlich entstehen Märkte in dicht besiedelten Wohngebieten. Interne Prozesse und technische Abläufe werden vereinfacht und optimiert; international setzt ALDI Nord unter anderem im Vereinigten Königreich auf weiteres Wachstum.

Die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland zählt zu den größten Investoren im Lebensmittelhandel. Im Geschäftsjahr 2024/25 flossen rund 8,6 Milliarden Euro in Investitionen, etwa 3,3 Milliarden davon in Deutschland. Für das laufende Jahr wird ein Volumen von bis zu 9,6 Milliarden Euro erwartet. Das Geld geht in die Modernisierung bestehender Filialen, Neueröffnungen und die Umwandlung ehemaliger Märkte, in Logistik- und Verteilzentren sowie in Technik, Nachhaltigkeit und Kundenerlebnis.

In vielen modernen Supermärkten gehören energieeffiziente Kühl- und Beleuchtungssysteme, digitale Preisschilder, automatisierte Prozesse, nachhaltige Bau- und Betriebskonzepte, breitere Gänge und eine bessere Orientierung inzwischen zum Paket. Der Lidl an der Warburger Straße bekommt davon einiges – und an der Uni Paderborn bleibt vorerst vor allem die Erinnerung an die nicht gebauten Seminarräume.