Myxomatose bleibt in Nordrhein-Westfalen eine Gefahr für den Feldhasenbestand
Am 26. September 2026 ist Myxomatose beim Feldhasen in Nordrhein-Westfalen weiterhin nachweisbar. Seit dem seuchenartigen Ausbruch im Sommer 2024 hat sich die Krankheit weitgehend flächendeckend etabliert, auch wenn die Meldungen in der landesweiten Herbstumfrage 2025 zurückgingen. Verschwunden ist sie nicht: Fälle wurden aus 21 von 53 Kreisen und kreisfreien Städten gemeldet, mit Schwerpunkten im Norden und Westen des Landes.
Die Virusvariante ha-MYXV dürfte sich nach derzeitiger Einschätzung in den Feldhasenpopulationen festgesetzt haben und breitet sich weiter aus. Wie es in den kommenden Monaten weitergeht, lässt sich anhand der bisherigen Daten allerdings noch nicht abschließend sagen. Spätsommer und Herbst können für das Krankheitsgeschehen weiterhin entscheidend sein – auch wenn extreme Hitze und Trockenheit den Stechinsekten zuletzt das Leben schwer machten und womöglich zu den moderaten Fallzahlen im Sommer 2026 beigetragen haben.
Einbruch im Nordwesten, offene Fragen im Südosten
Die Auswirkungen waren im Nordwesten Nordrhein-Westfalens deutlich stärker als im Südosten. Erste Daten erhob die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildtiermanagement im Herbst 2024 bei einer Umfrage unter Revierinhabenden. Damals wurde Myxomatose in 45 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte dokumentiert; inzwischen dürfte der Anteil deutlich höher liegen. Im Dezember 2024 war das Virus bereits in 24 von 53 Kreisen und kreisfreien Städten nachgewiesen.
Besonders viele Kadaver wurden im Kreis Borken gefunden: 2.229 von insgesamt 4.694 gemeldeten Tieren. Im Kreis Wesel waren es 864, im Kreis Steinfurt 644 und im Kreis Kleve 409. In Revieren mit Myxomatose brach die Population nach einem Höchststand im Herbst 2023 innerhalb eines Jahres stark ein. Nach der ersten Umfrage wurden durchschnittlich 37 Hasen pro 100 Hektar gezählt, ein Jahr zuvor waren es noch 65.
Myxomatose verläuft beim Feldhasen fast immer tödlich. Der Deutsche Jagdverband nennt eine Sterblichkeitsrate von etwa 80 Prozent; die Inkubationszeit beträgt wenige Tage. Erkrankte Tiere zeigen oft ein stark eingeschränktes Fluchtverhalten, wirken apathisch und haben blutunterlaufene, eitrig entzündete Augen. Dazu kommen Schwellungen im Genitalbereich. Kein schöner Anblick, und für das Tier ein elendes Ende.
Ursache ist das Myxomavirus aus der Familie der Pockenviren. Übertragen wird es vermutlich vor allem durch Stechmücken, außerdem kommen Flöhe oder Zecken sowie Körperflüssigkeiten infrage. Ursprünglich trat Myxomatose fast ausschließlich bei Kaninchen auf. Das Myxomavirus wurde in den 1950er-Jahren zur Bekämpfung von Kaninchenpopulationen aus Südamerika nach Europa eingeschleppt. Die Variante ha-MYXV wurde erstmals 2018 beim Iberischen Hasen und 2020 beim Europäischen Feldhasen nachgewiesen; seit 2023 ist das Virus in Nordrhein-Westfalen verbreitet.
Antikörper geben Anlass zur Hoffnung
Untersuchungen der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildtiermanagement, des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der TiHo Hannover und des Friedrich-Loeffler-Instituts brachten aber auch einen vorsichtigen Lichtblick: Bei augenscheinlich gesunden, erlegten Feldhasen wurden Antikörper gegen das Myxomavirus gefunden. In besonders früh und stark betroffenen Regionen ließ sich eine solche Immunreaktion nachweisen. Am Niederrhein zeigte etwa jeder fünfte untersuchte Feldhase Antikörper.
Noch ist offen, wie dauerhaft und belastbar diese Immunreaktion ist und ob sie tatsächlich vor einer erneuten Erkrankung schützt. Ebenfalls ungeklärt bleibt, welche Faktoren darüber entscheiden, ob ein Hase eine Infektion überlebt und wie sich das Virus innerhalb einer Population ausbreitet. Witterung und die Dichte der Überträger dürften das regionale Geschehen beeinflussen. Wenn es heiß und trocken ist, haben Stechinsekten ungünstige Bedingungen; bei feuchterem Wetter kann sich die Lage wieder verändern.
Die Forschungsstelle mit Sitz in Bonn führte im Oktober 2025 eine zweite Umfrage durch, um den Einfluss der Krankheit auf die Hasenbestände weiter zu erfassen. In Nordrhein-Westfalen gibt es 8.430 Reviere, alle Revierinhabenden wurden zur Teilnahme aufgerufen. Die Ergebnisse sollen helfen, die Auswirkungen einzuschätzen und Empfehlungen für eine nachhaltige Hasenbejagung zu entwickeln. Beurteilen lässt sich die Entwicklung nur durch regelmäßige Zählungen und weitere Rückmeldungen.
In einem Forschungsrevier in Niederkrüchten zählt die Forschungsstelle gemeinsam mit dem Revierinhaber bereits seit 2020 die Hasenpopulation im Frühjahr und Herbst. Zum Einsatz kommt die standardisierte Scheinwerfertaxation: Aus einem langsam fahrenden Fahrzeug wird das Revier bei Dunkelheit mit leistungsstarken Taschenlampen abgesucht. Die gezählten Tiere dienen anschließend zur Ermittlung des Hasenbestands. Auch andere Revierinhabende empfiehlt die Forschungsstelle, ihre Bestände regelmäßig und nach einem einheitlichen Verfahren zu erfassen.
Proben, Fallwild und ein Aufruf aus Hannover
Die Untersuchungen werden im Jagdjahr 2026/27 fortgesetzt. Für eine Serologie-Studie sammelt die Forschungsstelle Blut- und Gewebeproben erlegter Feldhasen, besonders aus Revieren, in denen seit 2024 Myxomatosefälle aufgetreten sind. Interessierte Reviere sollen sich bis zum 1. November 2026 per E-Mail mit dem Stichwort „Myxomatose“ an fjw@lave.nrw.de melden; das Probenmaterial wird anschließend bereitgestellt. Die Forschungsstelle übernimmt die Untersuchungskosten vollständig.
Fallwild sowie krank erlegte Feldhasen und Wildkaninchen sollen weiterhin im Fallwildmonitoring bei den zuständigen Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern abgegeben werden. Auch Wildkaninchen können von ha-MYXV betroffen sein und sollen in das Monitoring einbezogen werden. Weitere Untersuchungen von Fallwild sollen offene Fragen klären und Grundlagen für mögliche langfristige Maßnahmen liefern.
Revierinhaberinnen und Revierinhaber werden außerdem zur Teilnahme an der Online-Herbstumfrage aufgefordert. Erfasst werden unter anderem beobachtete Myxomatosefälle, die Ergebnisse der Frühjahrs- und Herbstbesatzzählungen sowie die Entwicklung des Feldhasenbestands im jeweiligen Revier. Die Rückmeldungen sollen zeigen, wie stark die Krankheit die Population beeinflusst und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sich daraus gewinnen lassen.
Was Jägerinnen und Jäger jetzt beachten sollen
Der Deutsche Jagdverband berichtete am 22. August 2025 aus Berlin über eine rasche Zunahme der Fälle in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen trat die Erkrankung seit Mitte August 2024 verstärkt auf, Schleswig-Holstein war seit Juli 2025 betroffen. Bereits am 1. November 2024 hatte der DJV über zunehmende Fälle in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie über Empfehlungen zu Jagdruhe und zum Verzicht auf Hundearbeit in betroffenen Regionen informiert.
Der Verband bittet Jägerinnen und Jäger, kranke Hasen zu entnehmen und besonders auf Fallwild sowie kranke oder verhaltensauffällige Tiere zu achten – auch in bislang nicht betroffenen Gebieten. Sichtbar schwer kranke Tiere dürfen außerhalb der regulären Jagdzeit im Rahmen von Hegeabschüssen entnommen werden, um unnötiges Leiden zu verhindern. Verendete Tiere sollen dem zuständigen Veterinäramt zur Untersuchung übergeben oder ordnungsgemäß beseitigt werden. Kadaver gehören weder offen ins Revier noch auf Luderplätze.
Nach Aufenthalten in betroffenen Gebieten sollten Kleidung, Schuhwerk und Jagdausrüstung gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Der DJV empfiehlt, in Revieren mit vermehrtem Fallwild auf Hasenjagden zu verzichten und Treibjagden in Revieren mit Fasanenbeständen bis vier Wochen nach dem letzten Myxomatosefall auszusetzen. Während der Seuchenphase soll es keine unnötige Beunruhigung geben; Hundearbeit am Hasen und die Weitergabe von Schleppenwild aus betroffenen Gebieten sollen unterbleiben.
Revierinhaber mit stabilen Hasenbeständen und wenigen Fallwildfunden können die Bejagung fortsetzen. Wichtig bleibt die Erfassung von Indikatortieren, damit Rückgänge früh auffallen. Verendete, kranke und erlegte Feldhasen können über die Tierfund-Kataster-App gemeldet werden, möglichst mit Foto und dem Verdacht „
