Studierende blockieren Otto-Suhr-Institut aus Protest gegen Aufrüstung und Hochschulkürzungen
Seit Mittwochmorgen blockieren Studierende das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin (FU). Vor dem Institut für Politikwissenschaften ist der Außenbereich versperrt. Bauzäune, Mülltonnen und weitere Gegenstände stehen an den Eingängen, dazu hängen Transparente. Es ist eine dieser Aktionen, bei denen der Universitätsalltag plötzlich nicht mehr einfach weiterläuft.
Organisiert wird die Blockade von der Initiative „Gen Z regelt“. Die Studierenden wenden sich gegen Militarisierung, Aufrüstung und die Einführung einer Wehrpflicht. Sie fordern außerdem, Sozialkürzungen zu stoppen und zurückzunehmen, Kürzungen im Bildungsbereich zu beenden und die Einsparungen an Hochschulen rückgängig zu machen. Solidarität zeigen sie mit Streikenden in Frankreich und anderen Ländern.
Protest gegen Kürzungen und Aufrüstung
Eine Teilnehmerin sagte, die Proteste aus Frankreich kämen zunehmend in Deutschland an. Wie dort kritisieren die Studierenden den Zustand vieler Universitäten und die Kürzungen an Hochschulen. Nach Angaben des Aktionskomitees werde Berliner Hochschulen sowie Bildungs- und Sozialeinrichtungen gezielt die Finanzierung entzogen. Gleichzeitig flössen Milliardenbeträge in die Aufrüstung – Geld, das für Ausbildung und Studium benötigt werde.
In einer auf Instagram veröffentlichten Stellungnahme fordert das Aktionskomitee neben der Rücknahme von Hochschulkürzungen eine stärkere Finanzierung von Ausbildung und Studium statt Aufrüstung. Außerdem verlangt es ein Ende von Militarisierung und Aufrüstung, den Verzicht auf die Einführung einer Wehrpflicht und „keine Komplizenschaft mit Kriegsverbrechen“.
Das Otto-Suhr-Institut wurde laut den Organisatoren als Protestort ausgewählt, weil insbesondere das Politikstudium erheblich beeinträchtigt werde. Geplante Streichungen von Stellen beliebter Mitarbeiter werden als konkrete Folge genannt. Die Stellungnahme verweist außerdem auf den schlechten baulichen Zustand der Technischen Universität und auf die geplante Streichung der letzten Reste kritischer Lehre an der FU.
Für 15 Uhr war eine Pressekonferenz vor dem Institut angekündigt. Die Initiative rief zudem zur Teilnahme an einem bundesweiten Protest am 31. Oktober auf. Die Aktion in Berlin ist offenbar Teil einer bundesweiten Mobilisierung mit ähnlichen Protesten in anderen Städten.
FU verlegt Veranstaltungen ins Digitale
Die FU bestätigte die Blockade und erklärte, sie respektiere das Recht auf friedlichen Protest, solange dieser gewaltfrei bleibe. Die Universität beobachte die Lage. Damit der Lehrbetrieb aufrechterhalten werden kann, wurden alle Lehrenden aufgefordert, ihre Veranstaltungen an diesem Tag digital durchzuführen.
Ob das im Seminarraum, vor dem Laptop oder mit etwas improvisierter Technik passiert, bleibt den Lehrenden überlassen. Der Protest ist jedenfalls spürbar: Wo sonst Studierende zu Vorlesungen und Sitzungen hineinströmen, stehen nun Absperrungen und Transparente.
Marode Gebäude als zusätzlicher Konflikt
Der Streit um Geld endet nicht bei Stellen, Lehrangeboten oder der Frage, welche Inhalte an der Universität Platz haben. An deutschen Hochschulen fehlen Milliarden Euro für dringend notwendige Reparaturen und Sanierungen. An vielen Standorten gibt es erhebliche Mängel an der Gebäudesubstanz.
Laut einem am 25. Oktober 2026 veröffentlichten Bericht von ZDFheute verschärft sich die Lage, weil Mittel für Bauunterhalt und Modernisierung gekürzt oder über längere Zeit verteilt werden. Defekte Toiletten und bröckelnder Putz gehören an zahlreichen Universitäten zum Alltag. Notwendige Instandsetzungen bleiben aus oder verzögern sich deutlich, weil ausreichende finanzielle Mittel fehlen.
Bewilligte Förder- und Baumaßnahmen werden zeitlich gestreckt. Der Sanierungsstau wächst dadurch über Jahre weiter und belastet den regulären Hochschulbetrieb. Studierende protestieren angesichts der sichtbaren Mängel für umfassende Sanierungen und bessere bauliche Bedingungen. Nach Angaben der Protestierenden beeinträchtigt der bauliche Verfall die Bedingungen für Studium und Lehre.
Da vielerorts kurzfristig keine zusätzlichen Mittel verfügbar sind, könnte sich der Konflikt um die marode Bausubstanz weiter verschärfen. Ohne zusätzliche Sanierungsmittel dürften die milliardenschweren Reparaturrückstände Länder und Universitäten auch in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen. Die Studierenden haben angekündigt, sich weiterhin für den Erhalt und die Verbesserung der Hochschulgebäude einzusetzen.
