Am TUM Campus Heilbronn ging es beim TUM TALK 2026 um eine Frage, die in vielen Unternehmen längst auf dem Tisch liegt: Wie werden vorhandene Daten zu brauchbaren strategischen Entscheidungen? Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten darüber, wie sich die Lücke zwischen Datensammlung und tatsächlicher Nutzung schließen lässt.

Für Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), liegt dort ein Kernproblem des Mittelstands. Unternehmen verfügen zwar über Daten, scheitern bei deren strategischer Nutzung aber häufig an fehlenden Kapazitäten und mangelndem Know-how. Der Termin war der siebte TUM TALK am Campus Heilbronn der Technischen Universität München.

Wenn Daten im Abteilungsdschungel verschwinden

Technische Anwendungen, so wurde in Heilbronn deutlich, dürfen nicht einfach angeschafft werden, weil sie modern klingen. Sie müssen zur Unternehmensstrategie und zum betrieblichen Bedarf passen. Dafür braucht es fachliche Kompetenzen, klare Verantwortlichkeiten und die Bereitschaft, Entscheidungen immer wieder zu überprüfen.

Gerade im Marketing zeigt sich, wie schnell der Überblick verloren gehen kann. Eckert beschreibt das Zusammenspiel der „5 Cs“: Unternehmen, Kunden, Kooperationen, Wettbewerber und Klima. Diese Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und sollten nicht isoliert betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht der Aufbau langfristiger Kundenbeziehungen. Schwanken die Kosten etwa infolge politischer Krisen, müssen Unternehmen außerdem vorhersehen, wie Kundinnen und Kunden reagieren könnten.

Daten wären dafür eigentlich eine gute Grundlage, werden aber oft nicht optimal genutzt. Die Softwaresysteme verschiedener Abteilungen sind häufig nicht miteinander vernetzt. Daten werden teilweise unsystematisch gesammelt, sodass wichtige Zusammenhänge unentdeckt bleiben. Eine bessere Integration und abteilungsübergreifende Teams könnten dagegen eine 360-Grad-Sicht auf Kunden ermöglichen.

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Ganz ohne Bauchgefühl geht es trotzdem nicht. Entscheidungen sollten eine Balance zwischen Erfahrungswissen und Datenanalyse herstellen. Digitale Zwillinge können zwar Konsumentenverhalten simulieren, beruhen jedoch auf Vergangenheitsdaten und sind deshalb nur begrenzt auf unvorhergesehene Marktumbrüche vorbereitet.

Plan B, wenn der Markt plötzlich abbiegt

Für die Zukunft empfiehlt Eckert ein ausgewogenes Produktportfolio, das Risiken im Hinblick auf die „5 Cs“ berücksichtigt. Dazu gehören Produkte mit hohem Potenzial und hoher Unsicherheit ebenso wie verlässliche Produkte mit stabilen Cashflows. Diese Mischung soll die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen stärken.

Für unterschiedliche Entwicklungen sollten Firmen alternative Pläne entwickeln. Eine starke Kundenbindung reicht schließlich nicht aus, wenn Wettbewerber innovativere Angebote auf den Markt bringen. Strategien müssen regelmäßig überprüft werden; neue Perspektiven und ungewohnte Lösungswege sollten ausdrücklich Platz bekommen. Geopolitische Konflikte, die Klimakrise und Ressourcenknappheit verändern die Märkte. Eine vollständige Kontrolle aller Risiken ist nicht erreichbar – flexibel reagieren statt handlungsunfähig werden, lautet die pragmatische Konsequenz.

Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft können dabei zur langfristigen Kundenbindung beitragen. In einer Studie untersuchte Eckert, wie innovative Funktionen in der App und auf der Website eines Fintech-Unternehmens die Kundenbindung stärken können. Die Ergebnisse lassen sich laut Artikel auch auf andere Branchen übertragen.

Ein Mehrwert entsteht vor allem dann, wenn Unternehmensziele und Kundenziele übereinstimmen. Kunden brauchen konkrete Meilensteine, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Ohne sinnvolle digitale Personalisierung kann digitale Beratung die persönliche Beratung nur schwer ersetzen.

Vom Tabellenfeld bis zur Cloud

Wie Daten technisch organisiert werden, entscheidet mit darüber, ob sie im Alltag auffindbar und nutzbar bleiben. SQL ist eine Abfragesprache für relationale Datenbanken. Diese speichern Informationen tabellarisch in klar definierten Strukturen; Beziehungen zwischen Tabellen werden über Foreign Keys hergestellt. SQL eignet sich besonders für strukturierte Daten wie Namen oder Mengen.

SQL-Datenbanken skalieren vertikal, indem leistungsfähigere Hardware eingesetzt wird. NoSQL-Datenbanken sind dagegen nicht relational. Sie können strukturierte, semi-strukturierte und unstrukturierte Daten speichern – etwa als Dokumente, Key-Value-Paare oder Graphen. Das passt zu modernen Anwendungen mit großen und dynamischen Datenmengen. Ihre Skalierung erfolgt horizontal durch das Hinzufügen weiterer Server, was besonders für cloudbasierte Infrastrukturen geeignet ist.

Im Datenmanagement kommen SQL und NoSQL unter anderem bei verteilten Datenbeständen in Cloud-, On-Premise- und Edge-Umgebungen zum Einsatz. SQL verfolgt einen festen, strukturierten Ansatz, während NoSQL mehr Flexibilität für Formate wie JSON oder XML bietet. Beide Datenbanktypen ermöglichen die zentrale Verwaltung und den einheitlichen Zugriff auf Daten in komplexen IT-Landschaften.

Vom TUM Campus Heilbronn bis zum Datenbankserver ist es also kein kleiner Schritt. Aber einer, der sich im Betrieb bemerkbar macht: wenn Systeme miteinander reden, Teams Informationen teilen und Entscheidungen nicht bloß auf einer hübschen Datensammlung beruhen.

Quelle 1: Technische Universität München: „Der Mittelstand braucht Datenkompetenz“

Quelle 2: TUM Campus Heilbronn: „Data strategy needs gut instinct“

Quelle 3: TÜV NORD: „Wettbewerbsvorteile durch Datenmanagement“