Universität Bremen verliert Exzellenzförderung in der Northwest Alliance
Die Entscheidung ist gefallen: Die Universität Bremen erhält keine weitere Förderung als Exzellenzuniversität. Gemeinsam mit der Universität Oldenburg war sie im Bewerbungsverfahren als Verbund „Northwest Alliance“ angetreten – ohne Erfolg.
Für Bremen geht damit eine Fördersumme von 149 Millionen Euro verloren. Elf Universitäten beziehungsweise Verbünde hatten sich um den Exzellenztitel beworben, fünf erhielten am 2. Oktober 2026 den Zuschlag. Die Universität Bremen war bereits von 2012 bis 2019 als Exzellenzuniversität gefördert worden. Eine Fortsetzung dieser Förderung bleibt nun aus.
Ein Platz für fünf neue Standorte
Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern soll Spitzenforschung fördern, den Wissenschaftsstandort Deutschland stärken und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Sie ist der Nachfolger der Exzellenzinitiative und besteht aus zwei Förderlinien: Exzellenzcluster unterstützen international ausgerichtete Forschungsfelder als Projekte. Die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ stärkt dagegen einzelne Hochschulen oder Hochschulverbünde dauerhaft.
Über die Förderung von rund 70 Exzellenzclustern an etwa 40 deutschen Universitäten war bereits entschieden worden. In der zweiten Förderlinie bewarben sich neben der Northwest Alliance zehn weitere Universitäten oder Verbünde um die verbleibenden Plätze. Für den Förderzeitraum 2027 bis 2033 konnten bis zu fünf weitere Exzellenzuniversitäten oder Exzellenzverbünde aufgenommen werden.
Die Exzellenzkommission beschloss am 2. Oktober 2026 die Förderung von fünf weiteren Exzellenzstandorten. Neu hinzu kommen das Ruhr Innovation Lab mit der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund, die Rhein-Main-Universitäten mit der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie die Universität Freiburg, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Universität zu Köln.
Parallel werden zehn bestehende Exzellenzuniversitäten beziehungsweise -verbünde weiter unterstützt. Dazu gehören die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, die Berlin University Alliance aus Freier Universität, Humboldt-Universität und Technischer Universität Berlin, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Technische Universität Dresden, die Universität Hamburg, die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die Eberhard Karls Universität Tübingen. Die Förderung beginnt am 1. Januar 2027 und läuft über weitere sieben Jahre.
Was hinter dem Titel steckt
Die Exzellenzstrategie ist das wichtigste Bund-Länder-Programm zur Förderung universitärer Spitzenforschung. Bund und Länder beschlossen 2016 die Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative, die von 2007 bis 2017 lief. Ziel ist es, den Wissenschaftsstandort Deutschland international zu stärken, seine Sichtbarkeit zu erhöhen, wissenschaftliche Spitzenleistungen zu ermöglichen, Universitätsprofile zu schärfen und Vernetzung sowie Kooperation im Wissenschaftssystem zu fördern. Spitzenforschung wird dabei mit langfristigen strategischen Investitionen in Hochschulen verbunden.
Exzellenzcluster fördern international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten oder Universitätsverbünden. Diese Felder können mehrere Wissenschaftsbereiche verbinden. Unterstützt werden die gemeinsame Forschung herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Ausbildung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte und die Gewinnung internationaler Spitzenkräfte. Universitäten mit Exzellenzclustern können zudem eine Universitätspauschale als Strategiezuschlag für Organisationsentwicklung und strategische Ausrichtung beantragen.
Ein Exzellenzcluster wird sieben Jahre gefördert; eine zweite siebenjährige Förderperiode ist möglich. Die Förderlinie wird im Abstand von sieben Jahren ausgeschrieben. Am 22. Mai 2025 beschloss die Exzellenzkommission die Förderung von 70 Exzellenzclustern ab 2026.
Die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ setzt eine Nummer höher an: Sie stärkt Universitäten oder Universitätsverbünde als Institutionen und soll deren internationale Spitzenstellung in der Forschung ausbauen. Einzelne Universitäten müssen für eine Bewerbung an mindestens zwei Exzellenzclustern beteiligt sein, Universitätsverbünde an mindestens drei. Exzellenzuniversitäten werden dauerhaft gefördert, allerdings alle sieben Jahre evaluiert. Die Fördervoraussetzungen müssen weiterhin erfüllt sein.
Mehr Geld, strenge Auswahl
Ab dem 1. Januar 2027 stellen Bund und Länder jährlich 747 Millionen Euro bereit: 539 Millionen Euro für Exzellenzcluster und 208 Millionen Euro für Exzellenzuniversitäten und -verbünde. Die Finanzierung erfolgt weiterhin zu 75 Prozent durch den Bund und zu 25 Prozent durch das jeweilige Sitzland.
Die Auswahl läuft wissenschaftsgeleitet durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den Wissenschaftsrat im Auftrag von Bund und Ländern. Förderentscheidungen beruhen ausschließlich auf wissenschaftlichen Kriterien und wissenschaftlicher Qualität. International anerkannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerten Anträge und Selbstberichte; die Deutsche Forschungsgemeinschaft organisiert das Auswahlverfahren für Exzellenzcluster, der Wissenschaftsrat jenes für Exzellenzuniversitäten.
Die Exzellenzkommission trifft die endgültige Förderentscheidung. Ihr gehören 39 Expertinnen und Experten aus allen Wissenschaftsbereichen sowie die zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -minister an. Die Wissenschaft verfügt dabei über die Stimmenmehrheit. Vorhaben aller Disziplinen und wissenschaftsbereichsübergreifende Cluster sind zugelassen, das Expertengremium bringt inter- und transdisziplinäre Expertise mit und berücksichtigt die besonderen Anforderungen interdisziplinärer Anträge.
Für die aktuelle Runde begann die Evaluation bestehender Förderempfänger im August 2025 mit der Einreichfrist der Selbstberichte. Mitte November 2025 endete die Einreichfrist für Neuanträge. Von Oktober bis Dezember 2025 fanden Ortsbesuche bei bestehenden Exzellenzuniversitäten und -verbünden statt, von April bis Juni 2026 bei den Neuanträgen. Im März 2026 bewertete das Expertengremium die Evaluationsergebnisse, im Oktober 2026 fiel die Entscheidung über die Neuanträge. Der Förderbeginn der neuen Exzellenzuniversitäten und -verbünde ist für Januar 2027 vorgesehen.
Gute Befunde – aber nicht für Bremen
Die Evaluation der bestehenden Exzellenzuniversitäten im März 2026 ergab eine höhere internationale Sichtbarkeit in der Spitzenforschung, Fortschritte in angewandter Forschung und Wissenstransfer sowie Weiterentwicklungen bei Personal, Lehre, Gleichstellung und Vielfalt. Laut den Evaluationsergebnissen setzt die Förderung auch Impulse für andere Hochschulen.
Das Programm verbindet also langfristige Hochschulentwicklung mit Forschungsförderung – und entscheidet zugleich ziemlich hart darüber, wer dazugehört. Für die Universität Bremen und Oldenburg ist die Reise als „Northwest Alliance“ vorerst beendet. Die regelmäßigen Berichte des Expertengremiums an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz sollen weitergehen; der erste Bericht über die Erfahrungen mit den Förderlinien ist für Sommer 2027 vorgesehen. Danach wollen Bund und Länder die Ergebnisse gemeinsam diskutieren.
