Wie Dario Lesch mit „curlytalkx“ Marburgs Gastronomie sichtbar macht
In Marburg kennt man ihn inzwischen auf der Straße: Dario Lesch, 29 Jahre alt, selbstständiger Content-Creator und Betreiber des Instagram-Accounts „curlytalkx“. Tausende Menschen folgen ihm dort. Seine Themen: Marburger Gastronomiebetriebe, Essen, Lifestyle und Veranstaltungen. Ein Cafébesuch kann dabei schnell zum kleinen Stadtporträt werden.
Lesch lebt seit seiner Kindheit in Marburg und sagt, dass ihn die Stadt stark geprägt habe. Seine Begeisterung für kreative Arbeit reicht allerdings noch weiter zurück. Als Kind schrieb er Fantasy-Geschichten in einer Autoren-AG, später machte er Musik. Schon früh filmte er mit einem VHS-Rekorder seinen Alltag – nicht gerade Hightech, aber offenbar ein ziemlich deutlicher Hinweis auf das, was später kommen sollte.
Vom Erzieher zum Creator
Zunächst studierte Lesch Kunst, Musik und Medien. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Erzieher und arbeitete mehrere Jahre in diesem Beruf. Was ihm dort zunehmend fehlte, war die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen und Videos zu produzieren. Im Juli 2026 kündigte er schließlich seine Stelle und machte sich als Content-Creator selbstständig.
Sein Instagram-Account war ursprünglich als Podcast geplant. Im September 2025 startete „curlytalkx“ zunächst mit Alltagsthemen. Die Ausrichtung auf Gastronomie entwickelte sich nach Leschs eigener Aussage Schritt für Schritt aus seinen persönlichen Interessen. Heute gehören Gespräche mit Gastronomen, Dreharbeiten und Schnitt zu seinem Arbeitsalltag.
Ungefähr 65 Stunden pro Woche arbeitet Lesch nach eigenen Angaben. Das klingt nach viel Kamera, Schnittprogramm und Terminen – und genau danach sieht sein Weg auch aus. Besonders gefallen ihm die Videoproduktion, das Testen von Essen, der Kontakt mit Menschen und neue Einblicke in Marburg. Dazu kommt die unternehmerische und strategische Seite: Welche Geschichte funktioniert? Wie kann ein Betrieb sichtbarer werden? Und was bleibt beim Publikum hängen?
Ein Café-Video verändert die Richtung
Im Juni 2026 wurde ein Video über ein Café in der Marburger Oberstadt viral. Der Beitrag sorgte für große Aufmerksamkeit und brachte Lesch ein Ziel, das seine Arbeit bis heute prägt: Er möchte Gastronomiebetriebe unterstützen und ihnen zu mehr Bekanntheit verhelfen.
Den Erfolg seiner Videos führt er unter anderem auf persönliche und authentische Erfahrungen zurück. Die Musik, die er zur Untermalung einsetzt, soll die Atmosphäre der besuchten Orte verstärken und die Zuschauer emotional ansprechen. Ein Raum, ein Teller, ein Gespräch – und darunter der passende Klang. Wenn’s aufgeht, wirkt der Besuch fast so, als wäre man selbst kurz dort gewesen.
Mit neuen Konzepten und Projekten will Lesch Gastronomiebetriebe künftig noch gezielter unterstützen. Neben Marburg ist er inzwischen auch in Gießen aktiv. Perspektivisch möchte er die Restaurant- und Veranstaltungsszene in Frankfurt vorstellen, möglicherweise später auch in Berlin.
Zwischen Reichweite und Privatleben
Die Selbstständigkeit bringt für Lesch nicht nur Freiheit. Mit ihr kommen auch Druck und Unsicherheit, vor allem durch die Abhängigkeit von Aufrufzahlen. Den Umgang damit beschreibt er als Lernprozess. Inzwischen ist er überzeugt, dass seine Videos funktionieren – trotzdem bleibt die Zahl hinter dem Beitrag sichtbar, und damit auch die Frage, wie es weitergeht.
Seine wachsende Bekanntheit verändert außerdem den Alltag. Viele Menschen erkennen ihn inzwischen. Er achtet stärker darauf, was er öffentlich sagt, und die Trennung zwischen Privatleben und Beruf ist schwieriger geworden. Ein kurzer Satz, ein spontaner Moment, eine Kamera in der Hand: Plötzlich kann daraus mehr werden, als man vorher gedacht hat.
Lesch möchte deshalb künftig einen gesunden Umgang mit sozialen Medien entwickeln. Das klingt weniger nach großem Masterplan als nach etwas, das man sich im laufenden Betrieb erarbeiten muss – zwischen Drehen, Schneiden, Probieren und den nächsten Nachrichten auf dem Handy.
Heute ist der 17.10.2026. Von der Uni Marburg aus wirkt die Entwicklung von „curlytalkx“ wie ein weiterer Beleg dafür, dass lokale Geschichten längst nicht mehr nur in Zeitungen oder Veranstaltungskalendern stattfinden. Sie laufen im Feed, entstehen manchmal mit klebrigen Fingern nach dem Essen und können, wenn alles zusammenpasst, weit über die Stadt hinaus sichtbar werden.
